Britta Schnake Es ist kurz vor 12 Uhr am Samstag. Vor dem Höchstadter Freibad hat sich bereits eine lange Schlange gebildet, die fast bis zur Straße reicht. Seit dem 8. Juni hat das Freibad wieder von 12 bis 20 Uhr geöffnet - mit Auflagen, versteht sich.

So dürfen maximal 1500 Besucher rein, in das Schwimmerbecken maximal 170 Schwimmer. Zudem herrscht Rechtsverkehr, es wird im Kreis geschwommen. In das Wellenbecken dürfen bis zu 110 Personen, das Kinderbecken sollte nicht mit mehr als 30 großen und kleinen Planschern bevölkert sein.

Persönliche Daten sind am Eingang zu hinterlegen, und Abstand zueinander sollte gewahrt bleiben. Doch wer kontrolliert all das? "Soviel Leute haben wir nie im Wasser", sagt der stellvertretende Betriebsleiter des Sportzentrums Höchstadt, Karl-Heinz Zillich, "da muss es schon ein heißer Tag sein, dass man das kontrollieren muss. Dann sind wir zu dritt oder zu viert vor Ort, bei schlechtem Wetter sind wir zu zweit oder zu dritt." Am Kinderbecken setzt man auf die Vernunft der Eltern.

Am Eröffnungstag kamen laut Zillich 120 Badegäste, an den anderen Tagen 60 bis 80. Am Freitag waren es 350. Am Samstag zählte Petra Müller an der Kasse bis 13 Uhr bereits 186 Badegäste. 50 Prozent der Gäste bringen das Datenblatt bereits ausgefüllt mit, der Rest füllt es vor Ort aus.

Aber macht das Schwimmen mit all den Auflagen überhaupt noch Spaß? "Wir glauben, dass 98 Prozent der Gäste echt froh sind, dass wir wieder aufgemacht haben", sagt Zillich, "das Feedback und das, was wir sehen, ist sehr positiv."

Renate Lutz aus Zentbechhofen kann das nur unterschreiben. "Hauptsache, ich darf schwimmen", sagt sie, auch wenn es ungewohnt für sie ist, dass man am Eingang warten muss, "aber das ging schnell und ist gut organisiert", fügt sie hinzu und schwimmt los.

Laut Zillich eine besondere Erwähnung wert ist das lobenswerte Verhalten der Badegäste: "Sie nehmen es an, lesen sich alles durch, es gab überhaupt keine Schwierigkeiten. Das war ja alles Neuland für uns, wir sind positiv überrascht." Die Eintrittspreise sind gleich geblieben, allerdings gibt es keine Ermäßigungen oder Saisonkarten, weil man nicht weiß, wie es weitergeht.

Was ihm auffällt, die Verweildauer der Gäste im Bad ist ein wenig kürzer. "Die Gäste kommen zum Schwimmen und liegen etwa eine halbe Stunde auf der Wiese. Zudem kommen etwa 50 Prozent weniger als sonst um die Zeit." Doch wirkliche Einbußen sieht Zillich nicht. "Die ersten Wochen ist das Bad meist nicht so gut besucht. Wäre das in den Sommerferien passiert, wäre das viel schlimmer gewesen."

So sieht es auch Nadja Müller, die einem jungen Mann gerade ein paar Pommes durch das Fenster reicht. Die Bezeichnung "Kiosk" wird ihrem großzügigen Gastro-Bereich nicht gerecht. Seit 10. Juni hat sie geöffnet und zieht ein positives Fazit: "Die Leute sind entspannt und happy." Am Freitag hatte sie den ersten Großkampftag. "Das war motivierend", sagt sie und hofft, dass sie in den Sommerferien mit der Bestuhlung beginnen kann. Momentan arbeitet sie mit einem festen Team von fünf Leuten, die sich abwechseln.

Extra Heizung für die Planschbecken

Dass der neue Kinderbereich direkt gegenüber liegt, macht sich ebenfalls positiv bemerkbar. Der kleine Felix Heinlein (2) aus Mechelwind liebt die Rutsche und die Wasserstraße. "Endlich ist wieder offen", sagt Mama Nina, "wir waren schon gestern drei Stunden hier." Sie findet den neuen Kiosk super und auch die Preise dort. Aber auch ihr fällt auf, dass weniger Leute da sind. Gut findet sie die Sonnensegel, die den Kindern Schatten spenden, und das warme Wasser für die Kleinen. "Wir haben extra eine Heizung für den Kinderbereich", erklärt Zillich, "das Wasser wird auf 28 Grad erwärmt."

Auch eine Beregnungsanlage findet sich im neuen Technikraum. "Das Gras war die letzten Jahre schon braun", sagt Zillich. Auch hier fehlt es halt an Regen.

Natascha und Michael Ruff sind aus Nürnberg angereist. "Dadurch, dass das Online-Buchungssystem in Nürnberg eingeführt wurde, sind die auf Tage ausgebucht", sagt Michael Ruff. Sie kommen schon seit 20 Jahren nach Höchstadt.

Gleich drei Generationen tummeln sich auf der Liegewiese neben der breiten Rutsche: Waltraud Brunner aus Höchstadt mit ihrer Tochter Silvia und den Enkeln Leni (3) und Jan (7). Silvia ist mit den Kids extra aus Cadolzburg gekommen, "weil es hier in Höchstadt nicht so überlaufen ist und so weitläufig", sagt die Oma.

Petra Walz (60) kommt aus Großenseebach. "Ich liebe dieses Bad", sagt sie. Die Corona-Auflagen sind für sie nachvollziehbar: "Ich war schon gestern hier zum Schwimmen, ich habe mich hier noch nie unsicher gefühlt." Auch das Publikum findet sie angenehm.

Im Höchstadter Freibad ist Corona weit weg. Niemand bewegt sich ängstlich oder springt zur Seite, wenn er wem begegnet. Auch die örtlichen Vereine nehmen ihr Training wieder auf - natürlich nach 20 Uhr, wenn die Gäste weg sind. Der ESC ist ab 15. Juni dienstags und donnerstags mit den Sportschwimmern vor Ort und mittwochs mit den Tauchern und Triathleten. Die Wasserwacht trainiert ab 19. Juni immer freitags.