Unter den bunten Masken deutet sich ein breites Grinsen an: Schulschluss für die Kinder der Grundschule Lichtenfels im Leuchsental in Roth. Doch einige von ihnen kommen nicht aus dem gelben freundlichen Schulgebäude, sondern aus einem Container - lachend. Wer bisher von dem neuen Schulgebäude träumt, sind wahrscheinlich die Erwachsenen. Wann der Neubau neben dem Feuerwehrhaus in Roth fertig ist, ist noch ungewiss. Die Schulleiterin Yvonne Kern geht - wenn alles so voran geht wie geplant - mindestens von drei bis vier Jahren Wartezeit aus, ehe sie mit ihren Schülern in das neue Gebäude am neuen Standort umziehen darf.

Bis dahin findet ein Teil des Unterrichts in einem Container neben dem bestehenden Schulgebäude "Am Büschlein" statt, denn der "zweite Standort" des einstigen Schullebens in Oberlangheim wurde im Sommer letzten Jahres geschlossen. Derzeit beherbergt der von außen graue Quader die dritte Klasse. Dass dieser gebraucht ist, sieht man ihm nicht an. Lediglich ein paar leichte Schrammen von vorbeiziehenden Schultaschen prägen seine junge Geschichte. Dafür wurde er vor seinem Einsatz im September letzten Jahres renoviert: Bohrlöcher sind verschwunden, die Wände gestrichen und vieles mehr. Ein separater Container, dessen Übergang zum Klassenzimmer sogar überdacht ist, beherbergt die Toiletten.

Basteleien statt Container-Flair

Eine Blume aus Bastelpapier an der Eingangstür lädt zum Eintreten ein. Erwartet man ein steriles oder düsteres Zimmer, wird man schnell eines Besseren belehrt: Der große Klassenraum besteht aus fünf Containermodulen, deren Zusammenschluss man nur an feinen Übergängen an der Wand erkennen kann. Die Garderobe befindet sich in einem weiteren Baustein, der ebenso hell und lichtgeflutet ist wie der Nachbarraum und sogar als kleiner Gruppenraum genutzt werden könnte. An den Wänden hängen - wie in anderen Unterrichtsräumen auch - Basteleien und Gemälde von Schülern. In einer Ecke liegen zusammengerollte Teppiche und Kissen. Auch das wäre ein übliches Areal für den Morgenkreis - wäre da nicht die Corona-Krise, die solche "engen" Aktivitäten zurzeit nicht zulässt.

Von jedem der weit auseinandergestellten Einzeltische hat man einen guten Blick zur elektronischen Tafel, wie sie mittlerweile auch in der Grundschule Lichtenfels im Leuchsental Einzug gefunden hat. "So ein Container hat keinerlei Nachteile. Er hat alle Funktionen, die auch ein Klassenzimmer hat - von der Heizung, über die Rollläden bis hin zur gesamten Ausstattung", meint Yvonne Kern. Eine Dauerlösung wäre das natürlich nicht: "Moderne Konzepte, wie zum Beispiel differenzierte Lernlandschaften, würden hier nicht funktionieren." Sie freut sich auf den Neubau der Schule und zeigt sich der Stadt Lichtenfels gegenüber dankbar, dass sie solch ein Projekt umsetzt.

Auch die Eltern ihrer Schüler zeigen sich von dem Container begeistert. Und die Mädchen und Jungen? Sowieso. "Die Kinder lieben ihren Container." Auch die Oberlangheimer Drittklässler, die in dem Oberlangheimer Klassenzimmer heuer ein "Heimspiel" gehabt hätten. Doch der "alte", zweite Schulstandort in Oberlangheim sei nicht mehr geeignet gewesen. Viele Jahre lang hatte das dortige Gebäude eine einzelne Klasse, meist die Dritt- oder Viertklässler, beherbergt. Seit dem Schuljahr 2019/2020 findet der gesamte Unterricht der Grundschule am Hauptstandort Roth statt - mit Unterstützung eines kleinen Containerkomplexes.

"Oberlangheim als Standort war keine eigene Schule, sondern vielmehr ein einzelnes Klassenzimmer mit einem Turnraum im Keller, der nur 2,25 Meter hoch war", erklärt die Rektorin. "Viele Leute haben im Laufe der Jahre den Raum zwar sehr schön hergerichtet, aber auf Dauer war das keine Lösung mehr." Zum einen habe die einzelne Klasse in der Schulgemeinschaft immer gefehlt - allein auf Grund des räumlichen Abstands. Für Spaziergänge, spontane Aktionen oder kurze Bauernhofbesuche im Ort mussten diese Schüler immer erst mit dem Bus nach Roth befördert werden, anschließend wieder zurück. Ebenso für spezifische Unterrichtssequenzen in Werken und Gestalten, zum Beispiel mit Ton oder Holz. Auch die Tutorenarbeit der Viertklässler für die neuen Erstklässler konnte von den "Oberlangheimern" nicht ausgeübt werden.

Zum anderen hatte die alleinige Lehrkraft in Oberlangheim die komplette Verantwortung für die Klasse - weder durch eine Pause, noch durch einen kurzen, fachlichen Austausch unter Kollegen unterbrochen. "Wenn der Kollege mal krank war, was zum Glück selten vorgekommen ist, mussten wir auf die Schnelle von Roth aus einen Ersatz organisieren, selbst nach Oberlangheim fahren oder die Kinder hierhertransportieren lassen, um sie auf die anderen Klassen aufzuteilen. Da war dann schnell mal die erste Stunde vergeudet", blickt Yvonne Kern zurück. Für die Organisation habe sich die neue Nähe bewährt - vor allem auch nun während der Corona-Krise:

Routine durch ständige Präsenz

Bewusst hat sich die Schulleiterin mit ihrem Team und in Abstimmung mit dem Schulamt und dem Elternbeirat für ein "Zwei-Schicht-System" entschieden: Die Mädchen und Jungen besuchen an vier Tagen in der Woche den Präsenzunterricht - aufgeteilt in zwei Gruppen pro Klasse. Die einen werden frühmorgens unterrichtet, die anderen treffen am späten Vormittag ein. Zwischendurch werden die Räume desinfiziert, die Toiletten vorher zusätzlich geputzt.

Am Nachmittag findet dann eine Gesamtreinigung statt. Am fünften Tag findet "Home-Schooling" mit den Lernstoff vertiefenden, digitalen oder Kreativangeboten statt: Dabei können die Kinderwerke, wie zum Beispiel Naturmandalas, leicht fotografiert und die Fotos an die Lehrkräfte weitergeleitet werden. Auf diese Weise erleben die Kinder eine Routine und haben durch die kleinen Gruppengrößen von sieben bis zehn Lernenden keine Lernrückstände in den Hauptfächern.

Von zu vielen Kopien und reiner "Zettelwirtschaft" hat die Grundschule zu Beginn der Corona-Krise bewusst Abstand genommen: "Alle vier Klassenlehrer haben sich auf die digitalen Angebote eingelassen, schon früh mit den Schülerinnen und Schülern geskypt, eigene Lernvideos erstellt, Videokonferenzen angeboten und einfach kreative und unkonventionelle Wege als Chance in der Krise genutzt", sagt Kern, die seit dem Schuljahr 2016/17 Schulleiterin ist. Auch von der ausgezeichneten Zusammenarbeit mit den Eltern zeigt sie sich begeistert. Eines der Hilfsmittel, eine gemeinsame Schul-Cloud, soll auch nach der Corona-Krise zur Kommunikation, Organisation und zum Datenaustausch weitergenutzt werden.

Doch bei aller Mühe und Motivation kommt auch manchmal die Melancholie von so manchem Lernenden der vierten Klasse durch: Als Abschluss der Grundschulzeit hätten normalerweise eine Klassenfahrt, eine große Verabschiedung und einige Ausflüge stattgefunden. Das alles musste coronabedingt leider ausfallen. Wie das nächste Schuljahr für die 18 neuen Schüler beginnt, ist noch offen.