Längst nicht alle Wohnungen sind fit fürs Alter: Von den gut 43.300 Wohnungen im Landkreis Coburg sind nur rund 1900 so gebaut, dass ältere Menschen darin ideal klarkommen. Gerade dann, wenn sie auf einen Rollator oder Rollstuhl angewiesen sind. „Damit bieten nur rund vier Prozent aller Wohnungen im Landkreis Coburg den Standard, der nötig ist, um mit körperlichen Einschränkungen oder auch als Pflegefall darin alt zu werden“, sagt Matthias Günther. Er ist Leiter des Pestel-Instituts. Dessen Wissenschaftler haben im Auftrag des Bundesverbandes Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB) eine regionale Wohnungsmarkt-Analyse gemacht.
Im Fokus der Untersuchung: die „Alterstauglichkeit“ der Wohnungen. „Gerade die ist auch für den Landkreis Coburg wichtig: Immerhin gehen hier in den nächsten zehn Jahren rund 14.900 Menschen in Rente – die Baby-Boomer nämlich“, sagt Katharina Metzger vom Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel. Ziel müsse es deshalb sein, möglichst schnell für mehr Seniorenwohnungen im Landkreis Coburg zu sorgen. „Denn die werden früher oder später gebraucht. Und auf Dauer ist jede altersgerechte Sanierung günstiger als ein Umzug ins Heim“, so BDB-Präsidentin Metzger.
Möglichst wenig Barrieren
Schon rein volkswirtschaftlich müsse der Staat also ein Interesse daran haben, mehr Seniorenwohnungen zu schaffen. „Vor allem aber geht es um den Wunsch der Menschen selbst: Die meisten wollen in den eigenen vier Wänden alt werden und, solange es geht, zu Hause bleiben“, sagt Katharina Metzger.
Das funktioniert aber nur, so das Pestel-Institut, wenn gerade Altbauwohnungen fürs Wohnen im Alter umgebaut werden: „Wichtig sind wenig Barrieren – also möglichst keine Schwellen, Stufen oder ganze Treppen. Aber auch breite Türen und viel Platz, um sich mit einem Rollator oder Rollstuhl frei bewegen zu können. Vor allem im Bad und in der Küche ist das wichtig. Genau die sind aber oft zu klein gebaut.“
Doch das Problem fängt häufig schon ganz vorne an – beim Eingang: „29 Prozent aller Hausflure im Landkreis Coburg sind nicht breit genug, um mit dem Rollstuhl wirklich gut durchzukommen. Das betrifft immerhin rund 11.400 Wohnungen“, sagt Matthias Günther. Oft seien sogar schon die Haustüren zu schmal.
Entscheidend wird es, so das Pestel-Institut, dann aber in den Wohnungen – vor allem in Küche und Bad: „Immerhin haben zwar 70 Prozent der Wohnungen im Landkreis eine Küche, die groß genug ist. Das bedeutet umgekehrt aber auch: In rund 13.100 Küchen können Menschen mit einem Rollstuhl nicht wenden“, so Günther. Bei den Bädern im Landkreis seien 19.600 und damit 45 Prozent zu klein. Der Chef-Ökonom des Pestel-Instituts rät, beim altersgerechten Umbau „unbedingt das Bad anzupacken“. red