„There’s no glory in prevention.“ (frei übersetzt: „Mit Präventionsmaßnahmen machst du dir keine Freunde“): Das beschreibt das Dilemma, dass erfolgreiche Vorsorge (zum Beispiel das Verhindern einer Krankheit) von der Zielgruppe selten honoriert wird, da das abgewendete Unglück ja unsichtbar bleibt, wenn die Prävention erfolgreich war.

Im Schulkontext wird das zusätzlich schwieriger, weil hier junge, unbeschwerte Schüler mit „Was-kostet-die-Welt?-Optimismus“ (Schülerseite/„Die Jungen“) auf die „alte“ Seite stoßen, die gesamtgesellschaftliche Gesundheitsinteressen und wohlmeinende Lebensratschläge parat hat. Kurzum: Die negativen Folgen von Rauchen , Zuckerkonsum und mangelnder Bewegung stehen bei noch gechillten Zwölfjährigen eher selten ganz oben auf der tagesaktuellen Dringlichkeitsliste. Der Mensch als solcher ist halt ein intuitives Wesen und passt sein Verhalten erst dann an, wenn was wehtut oder nicht mehr funktioniert. Und viel zu oft ist es dann sehr oder zu spät und ein unbestreitbares Problem für den Einzelnen wie für die Gesellschaft.

Initiative der SMV

Umso erfreulicher ist vor dem Hintergrund die Initiative der Schüler-Mit-Verantwortung (SMV) am Arnold-Gymnasium (AG) zu sehen. Lisa Rebhan, Lotte de Rooij und Claus Kaidel, die in die zwölfte und elfte Klasse gehen, ist es seit langem ein Dorn im Auge, dass Vapen und Rauchen , ungesunde Ernährung und die Beschäftigung mit dem eigenen Smartphone auch am AG vermehrt zu beobachten sind, und wollten aktiv etwas dagegen tun.

Schnell sprang der Elternbeirat in Person von Peter Weisbrich zur Seite, der über seine Arbeitsstelle, das Facharzt-Zentrum üBAG Sonneberg-Coburg, den Kontakt zum Unternehmen Chiesi aus Hamburg herstellte. Und so durchliefen rund 100 Arnoldinerinnen und Arnoldiner vier abwechslungsreiche und höchst informative Stationen zum Thema Lunge und Atmung.

Der Raubbau am Körper

Was macht es mit einem, wenn ein Luftballon mit einem Strohhalm aufzupusten ist? Wie beurteilt die Spirometriemessung die Lungenkapazität? Welche Folgen für Körper und Umwelt hat das Rauchen ? Und warum darf man den eigenen Zuckerkonsum durchaus einmal etwas kritischer betrachten? Schließlich beginnen Zivilisationserkrankungen eben nicht erst mit über 60 Jahren, sondern aufgrund eines zu sorglosen Umgangs mit dem eigenen Körper bereits im jungen Alter.

Gerade das trendige Vapen vermittle viel zu oft eine „cleane“ und vermeintlich weniger schädliche Inhalation von Gasen, die jedoch höchst unberechenbar sind, da oft schlecht identifizierbare Inhaltsstoffe fragwürdiger Herkunft verdampft werden, so hörten die Schüler von den Referenten und den Oberstufenschülern. Vielfach zerstörte Lungenbläschen , die sogenannte „Popcorn-Lunge“ und weitere irreversible Schädigungen des Organs sind die Folge.

Fitness ist wichtig

Und auch, dass sportliche Fitness bei allem einen Unterschied macht, konnten die begeisterten Kids erfahren, als sie Puls- und Atemfrequenz nach einer „Drill-Einheit“ der SMV mit dem Springseil miteinander verglichen.

Da waren der Drink mit Limette und Gurke, den die beiden Kassandra Behr und Michelle Beckers von der AOK , servierten, hochwillkommen, bevor man sich ans „Gesundheits-Stadt-Land-Fluss“ machte. Für die mitorganisierenden Lehrkräfte am Arnold-Gymnasium, Janina Friedrich und Christian Göhl, die für die Organisation der Präventionsangebote an der Schule verantwortlich sind, war es eine Freude, zu sehen, wie sich dieser erstmalig durchgeführte Gesundheitstag wie ein Selbstläufer entwickelte.

Wiederholung ein Wunsch

Ohne Leerlauf und mit ehrlichem Interesse sah man viele lachende, wissbegierige Gesichter. Das fühlte sich überhaupt nicht nach Unterricht an - und doch war es einer. Die SMV moderierte souverän, die professionelle Aufbereitung durch das Team um Peter Weisbrich, dessen Kollegin Anja Reidelbach und Sascha Platz von der Firma Chiesi waren perfekt.

Nun hoffen die Lehrkräfte, dass dieser erste Gesundheitstag für die 6. Jahrgangsstufe keine Eintagsfliege gewesen ist und bei den Kindern nachhaltigen Eindruck hinterlassen hat.  Christian Göhl