Eine auffällige neue Art in der heimischen Pilzwelt mit skurrilem Erscheinungsbild ist der Tintenfischpilz. Seinen Namen verdankt er der Ausbildung des Fruchtkörpers mit tintenfischähnlichen Tentakelarmen.
Seine ursprüngliche Heimat ist Australien, Malaysia und Neuseeland. Von dort kam die Art wohl mit Schafwoll-Transporten per Schiff übers Mittelmeer in einen europäischen Hafen (vermutlich Marseille). Mit dem Abladen und dem Weitertransport der Ware wurde der Pilz importiert. Erster Fund war 1914 im Elsass. Danach wurde er an verschiedenen Stellen im Rheintal als neue Art für Deutschland registriert.
In der Region Coburg tauchte der Pilz ab 1977 regelmäßig auf und ist mit derzeit 61 Einzelfunden im Kartierungsgebiet eine verbreitete, wenn auch nicht häufige Art, schreibt der Landesbund für Vogelschutz.
Der Pilz kann in Wäldern auf zersetzender Laub- oder Nadelstreu, auf Komposthaufen oder auf Wiesen gefunden werden. Er ernährt sich als Saprobiont von totem organischen Material. Seine Entwicklung beginnt mit den so genannten Hexen-Eiern, rundlichen weißen drei bis fünf Zentimeter großen Kugeln, in denen die Tentakel bereits angelegt sind. Es folgen das Aufplatzen der Außenhülle und die Streckung der „Fangarme“.
Im Gegensatz zum Tintenfisch, der mit seinen Tentakeln andere Meerestiere fängt, sind die Arme des Tintenfischpilzes mit einer olivgrünen klebrigen Masse bedeckt, die Sporen enthält. Durch den aasartigen Gestank werden Schmeißfliegen und Käfer angelockt, die den Schleim fressen und so für die Verbreitung des Pilzes sorgen.
Der Tintenfischpilz ist nicht giftig, aber für den Verzehr ungeeignet. Ein Schaden für die heimische Natur ist nicht erkennbar. Einzig der unangenehme Verwesungsgeruch, den der eingeschleppte Pilz verströmt, ist gewöhnungsbedürftig.
Funde des Tintenfischpilzes können gerne unter der Adresse coburg@lbv.de an den Pilz-Experten des LBV Coburg, Harald Ostrow, gemeldet werden.
Der LBV Coburg hat das Thema Neobiota, wie man eingeschleppte Arten nennt, als Jahresthema für 2026 aufgegriffen und bietet dazu eine ganze Reihe von kostenlosen Veranstaltungen an. Neben diversen Vorträgen und Exkursionen zu dem Thema hat der LBV für den 4. Juli einen Arbeitseinsatz organisiert, bei dem in Gemünda auf einer Fläche eine nicht-heimische Pflanzenart ganz praktisch bekämpft wird.
Am 11. September bietet der rührige Coburger Naturschutzverein außerdem noch einen Ausflug ins Steinachtal an, um eingeschleppte Arten in Feuchtgebieten genauer unter die Lupe zu nehmen. Und am 22. September gibt Björn Langbein von der Unteren Naturschutzbehörde einen „Überblick über neue und alte Bekannte im Wald“. Alle Informationen zu den Veranstaltungen findet man auf der Internetseite des gemeinnützigen Coburger Naturschutzvereins coburg.lbv.de red