Coburg ist für viele ein Ort des Aufwachsens, für manche der Ausgangspunkt eines Weges, der weit über die Region hinausführt. Eine von ihnen ist Ronia Fraser. Die Coburgerin arbeitet heute international als Trauma-Expertin, klinische Hypnotherapeutin und Ausbilderin.

Im Mai 2026 wurde sie in Antwerpen bei der internationalen Fachkonferenz „Hypnotic 2026“ für ihren „herausragenden Beitrag auf dem Gebiet der Hypnotherapie“ ausgezeichnet. Eine Ehrung, die nicht nur ihre persönliche Laufbahn würdigt, sondern auch ein Thema in den Fokus rückt, das lange wenig Beachtung fand: die Folgen psychologischer Gewalt in Beziehungen.

Perspektivwechsel

Statt sich auf die Diagnose missbräuchlicher Persönlichkeiten zu konzentrieren, richte ihre Arbeit den Fokus auf die tatsächlichen Auswirkungen auf Betroffene. Ein Perspektivwechsel, der in der internationalen Traumaforschung zunehmend an Bedeutung gewinnt.

Ihre eigene Geschichte spielt dabei eine zentrale Rolle. Fraser hat eine narzisstische Beziehung erlebt – eine Erfahrung, die sie, wie sie sagt, beinahe alles gekostet habe: ihre Existenz, ihre Gesundheit, ihr Vertrauen in sich selbst. Heute lebt sie in Lissabon, arbeitet international, bildet Fachkräfte aus und spricht auf Konferenzen.

Der Weg dorthin habe ihr gezeigt, wie tiefgreifend psychologische Gewalt wirken kann – und wie wenig lange darüber bekannt war. Genau daraus sei ihr Wunsch entstanden, nicht nur Betroffenen zu helfen, sondern auch das fachliche und wissenschaftliche Verständnis für diese Form der Traumatisierung weiterzuentwickeln.

Gleichzeitig weiß sie um die Skepsis, die insbesondere der Hypnotherapie noch immer entgegengebracht wird. Im Gespräch mit der redaktion nimmt sie zu zentralen Kritikpunkten Stellung.

„Hypnose wird in der öffentlichen Wahrnehmung häufig mit Showhypnose verwechselt“, sagt Fraser. Tatsächlich handle es sich bei klinischer Hypnose um ein seit Jahrzehnten erforschtes Verfahren. Der aktuelle Stand der Forschung zeige, dass Hypnose bei einer Vielzahl psychischer und somatischer Beschwerden positive Effekte zeigt, etwa bei Schmerzbehandlung, Angststörungen oder stressbedingten Beschwerden. „Meine Arbeit stützt sich nicht auf die Annahme, dass Hypnose etwas Magisches bewirkt. Meine Wirksamkeitsaussagen beziehen sich auf die Reduktion konkreter Symptome und Belastungen, nicht auf Heilungsversprechen.“

Nebenwirkungen?

Kritiker warnen, dass Hypnose Erinnerungen beeinflussen kann. Wie stellt man sicher, dass Betroffene nicht geschädigt werden? Fraser: „Diese Sorge ist berechtigt und wird auch innerhalb der Fachwelt sehr ernst genommen. Moderne klinische Hypnotherapie sollte niemals dazu genutzt werden, vermeintlich verdrängte Erinnerungen freizulegen oder bestimmte Erklärungen vorzugeben. Ich arbeite ausdrücklich nicht mit suggestiven Verfahren.“

Emotionale Muster

Der Fokus von Frasers Arbeit liegt nach ihren Worten nicht auf der Rekonstruktion der Vergangenheit, sondern auf der Verarbeitung der emotionalen Reaktionen, die heute vorhanden sind. „Ich beschäftige mich weniger mit der Frage Was ist passiert? als mit den emotionalen Mustern, die daraus gelernt werden und die jetzt aktualisiert werden müssen.“

Der Begriff „narzisstischer Missbrauch“ ist gesellschaftlich sehr präsent, aber klinisch unscharf. Besteht nicht die Gefahr, dass Hypnotherapie hier Probleme vereinfacht oder vorschnell erklärt? „Richtig. Der Begriff beschreibt kein offizielles Krankheitsbild, sondern ein Muster von Manipulation, Kontrolle und psychologischer Destabilisierung. In meiner Arbeit geht es nicht darum, Menschen als Narzissten zu diagnostizieren.“

Die entscheidende Frage laute: Welche Auswirkungen hat diese Beziehung auf die psychische Gesundheit und die Lebensqualität des Betroffenen?

„Was ich häufig sehe, ist, dass Menschen nicht an fehlendem Wissen scheitern, sondern an automatisierten emotionalen Mustern. Genau dort setzt moderne klinische Hypnotherapie an“, sagt Fraser.