Marion Krüger-Hundrup Staunend erfährt die Besucherin des Ateliers von Bildhauer Adelbert Heil im Hain-Pavillon in Bamberg, dass darin gar nicht das neue Kunstwerk entsteht: "Ich modelliere es in meinem Wohnzimmer, und dann kommt es in die Gießerei", verrät Heil schmunzelnd. Das Opus wird immerhin den stattlichen Durchmesser von 95 mal 140 Zentimetern haben. Eine durchaus angemessene Größe für einen genialen Gelehrten seiner Zeit: Christophorus Clavius,
Mathematiker, Astronom, Kalenderreformer - und Namensgeber des Clavius-Gymnasiums, das mit seinen 1250 Schülern in den naturwissenschaftlich-technologischen sowie wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Zweigen dem Patron alle Ehre macht.
Schließlich stammte der Jesuit Clavius auch aus Bamberg (geboren am 25. März 1538), wuchs hier auf und ging nach einer Zwischenstation im portugiesischen Coimbra nach Rom. Dort starb der "Euklid des 16. Jahrhunderts", wie er genannt wurde, am 6. Februar 1612.
"Ich habe sehr viel gelesen über Clavius und die Jesuiten", erzählt Bildhauer Heil über seine Vorarbeiten zum Clavius-Medaillon aus Bronze, das nun unter seinen geschickten Händen entsteht. Ein Medaillon in der Art der bereits existierenden Abbilder der Bamberger Pionierärzte Adalbert Friedrich Marcus und Lukas Schönlein, die ihren Platz im Klinikum gefunden haben.
Initiative von Elternbeiräten
Dorthin führt auch die Spur auf der Suche nach den Initiatoren der neuen Clavius-Memoria: Der kunstsinnige Chefpathologe Professor Gerhard Seitz ist einer von ihnen. Gemeinsam mit dem Internisten Christian Weghorn aus Hirschaid hat er den renommierten Bildhauer Heil für die Sache begeistern können. Seitz und Weghorn sind Elternbeiräte am Clavius-Gymnasium und wollten "eine zentrale Persönlichkeit finden, die die Schule verkörpert," begründet Professor Seitz das Vorhaben, das Adelbert Heil als "ehrenvollen Auftrag" bezeichnet.
Doch erst einmal muss Clavius in trockene Tücher gepackt werden. Zwar sind schon etliche Spenden von Privatleuten eingegangen, doch noch fehlen etwa 6000 Euro für die Finanzierung. "Idealerweise sollten sich auch ehemalige Schüler des Clavius-Gymnasiums aufgerufen fühlen", sagt Gerhard Seitz. "Es müssen ja keine Riesensummen sein."
Geplant ist, dass in etwa einem halben Jahr das fertige Clavius-Medaillon im Treppenhaus des Hauptgebäudes angebracht werden soll. Heil denkt auch daran, Abdrücke in Gips für die weiteren Häuser des Gymnasiums anzufertigen. Das wäre eine runde Sache nach dem Abschluss der Modernisierungs-maßnahmen des Clavius-Gymnasiums.