Wenn man sich an weltbekannte Lieder heranwagt, birgt das die Gefahr, sich zu versingen oder den Sinn der Interpretation falsch einzuschätzen. Beim Sommerkonzert des Gesangvereins Neuenreuth unter der Leitung von Routinier Manfred Bauriedel, der seit über 40 Jahren den Taktstock schwingt, war davon nichts zu spüren.Vielmehr zeigte das Ensemble, dass sich die vielen Proben gelohnt hatten.
Die gute Stunde wurde zum ungetrübten Goutieren, zu einer Demonstration eigener Stärke. Egal in welchem Genre der gemischte Chor die Besucher auf die große musikalische Reise mit der MS "Neudrossenfeld" mitnahm, die Sängerschar gab sich frech, witzig, melancholisch oder jubilierend. Titel wie "Weit übers Meer", "Katjuscha" und "Musik erfüllt die Welt" waren dem Chor auf den Leib geschrieben, das "Hallejula" in
sauberer Präzision gefühlvoll interpretiert, schallte durch die offenen Fenster des Bräuwerck-Saals hinab ins Rotmaintal. Lautmalerei gelang genauso überzeugend wie chorische Geschlossenheit, Bauriedel weiß einen Chor sicher zu führen.
Richtig temperamentvoll konnten sie auch mal sein, die Neuenreuther, den Höhepunkt behielten sie sich bis zum Schluss auf: ein Kontinente übergreifenden Potpourrie von Volksliedern. Ein echter Höhenflug mit sanfter Landung, dabei alles ohne jegliche technische Hilfsmittel, so geht's auch. Allein die Qualität der Stimmen war entscheidend.
Und da setzte "TonArt", ein Sextett aus der Fränkischen Schweiz, besonders schöne Akzente. Die samt-warme Stimme des Tenors Jürgen Engels und die leichthändige Taktvorgabe von Maria Gerstacker gaben dem Ganzen noch die spannungsgeladene Note.
Seit zehn Jahren singt Gertrud Ziegenthaler im Neuenreuther Chor. Dafür wurde sie jetzt ausgezeichnet. Und schon 40 Jahre gehört Brigitte Hofknecht zum festen Stamm. Letztere bezeichnete Gruppenvorsitzende Berthilde Zapf als ein echtes Vorbild für sängerische Ausdauer. Zu den Gratulanten zählten die Vorsitzenden Fred Sadel und Günther Reuther sowie Bürgermeister Harald Hübner. hw