Coburg, Anger, Samstag, 9.30 Uhr. Ein paar Motorräder rollen über den Platz ganz nach hinten. "Ich habe mich mit meiner alten Freundin Sandra verabredet, wir wollten uns hier treffen, um zusammen nach Schweinfurt zu fahren, zur Demo gegen Fahrverbote", sagt Blacky, der Biker ist, solange er denken kann. Beide haben Freunden gesagt, dass sie sich hier treffen wollen. "Wenn noch ein paar mit fahren, wär's gut", fand Blacky.

Fahrverbote, strengere Strafen, etliche neue Auflagen - eine Drucksache des Bundesrates könnte Motorradfahrern gründlich den Spaß verderben. Demos sind angekündigt. 4. Juli - in den USA der Tag der Unabhängigkeit. Quer über Deutschland wollen Biker protestieren. Die Initiative Biker for Freedom (BifF) hat eine Internetplattform eingerichtet, auf der jeder sehen kann, wo etwas organisiert wurde. Die nächste Veranstaltung ist eben in Schweinfurt.

Als in Coburg die ersten Biker auf den Anger rollen, rechnet 70 Kilometer entfernt Silvana Guck, beim Orga-Team für die Pressearbeit zuständig, in Schweinfurt noch mit etwa 250 Bikern, die zum Volksfestplatz kommen. 13 Uhr treffen, 14 Uhr Korso durch die Stadt. "Wir haben das angemeldet, was wir so als Feedback auf unsere Ankündigung bekommen haben", wird sie später sagen.

Coburg, Anger, 10 Uhr. Mäx rollt mit den Golden Drakes auf den Anger. "Wir wollen uns hier treffen, um nach Schweinfurt zu fahren", sagt er und grinst, als er betont, dass es reiner Zufall ist, all die anderen hier zu treffen. Die anderen, das sind Clubs wie die Indian Biker Oberfranken oder die Earls Crew aus Sonneberg. Dazu kommen immer mehr Fahrer, die nicht in einem Club organisiert sind. Als alle, die sich zufällig mit dem gleichen Gedanken am Anger getroffen haben starten, rollen von dort schon mehr als 150 Maschinen aus der Stadt auf die Bundesstraße 303 hinaus. Unterwegs stoßen weitere dazu. Wo der Korso gesehen wird, winken Leute, machen Aufnahmen mit dem Handy und zeigen "Daumen hoch".

Spende für ein Kinderhospiz

Als der Konvoi aus der Coburger Region auf den Volksfestplatz in Schweinfurt rollt, ist noch viel Raum auf dem rund 30 000 Quadratmeter großen Gelände. Ein paar Leute stehen vor dem kleinen Getränkestand. Die angekündigten 250 sind erreicht und verlieren sich ein wenig auf dem Areal. Ordner weisen Plätze zu. Es füllt sich aber rasch. "Mit so vielen haben wir nicht gerechnet" muss Silvana Guck zugeben. "Aber wir freuen uns natürlich", stellt sie gleich noch klar. Es nimmt kein Ende. Strahlende Gesichter bei den Helferinnen, die mit Spendenbüchsen herum gehen. Die Biker werfen tüchtig ein - es wird für ein Kinderhospiz gesammelt. "Biken ist nicht einfach ein Hobby, es ist eine Lebenseinstellung. Biker haben hohe Empathie, helfen sich, stehen füreinander ein", erklärt Blacky. Dafür, dass so viele gekommen sind, hat er nur ein Wort: "Wahnsinn!" Die Polizei wird später von 5000 oder mehr Fahrern reden. Andere Quellen nennen Zahlen um die 10 000. Die Wahrheit wird irgendwo dazwischen liegen. Als der angekündigte Korso sich dann auf einem etwa neun Kilometer langen Rundkurs durch die Stadt wälzt, ist Schweinfurt jedenfalls von Motorrädern geflutet.

Was die Motorradfahrer bewegt, bringen Mäx, Blacky und Earl auf den Punkt. "Du wirst doch schon jetzt immer mehr in allen Lebenslagen beschränkt und in deiner Freiheit eingeengt. Wir wollen einfach nicht auch noch das bisschen Freiheit verlieren, das wir beim Motorradfahren haben."

Für Silvana Guck soll die Veranstaltung auch am Image der Biker feilen. "Das Bild von Bikern passt für viele einfach nicht mit einem normalen bürgerlichen Leben zusammen", ist ihre Erfahrung. Dabei bildet sich bei den Männern und Frauen, die da auf den Volksfestplatz gekommen sind ein Querschnitt der Gesellschaft ab. Vom Mindestlohnempfänger bis zum Akademiker ist alles vertreten - in Clubs und außerhalb von ihnen. Den Forderungen des Bundesrats setzen die Motorradfahrer durch ihre Vertretungen wie etwa dem Bundesverband der Motorradfahrer Vorschläge entgegen. Sie sind durchaus offen für Kampagnen, die Fahrer zu einer Senkung des Geräuschpegels bewegen sollen. Halten aber beispielsweise Steueranreize für Halter von leiseren Maschinen für sinnvoller als die zum Teil drastischen Eingriffe, die in der Drucksache des Bundesrats gefordert werden.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer unterstützt nach Medienberichten die Position der Motorradfahrer und hält die geltenden Vorschriften für ausreichend.