Die russische Künstlerin Irina Titova gehört zur absoluten Königsklasse der Sandkunst, die Bezeichnung "Queen of Sand" trifft es ziemlich genau. Es ist atemberaubend, in welcher Geschwindigkeit und mit welcher faszinierenden Leichtigkeit sie Bilder entstehen und wieder vergehen lässt, um gleich darauf Neues zu erschaffen. Eine unten beleuchtete Glasplatte, eine große Leinwand und Sand : Das ist alles, was die junge Russin benötigt, um bewegende Geschichten zu erzählen, die unter die Haut gehen.
In "Sandsation" lädt uns Titova zu einer nostalgischen Erdumrundung ein, immer humorvoll und mit einem Augenzwinkern. Wir erleben Abenteuer, besuchen Wahrzeichen, Weltwunder und Traumwelten, die aus Millionen von tanzenden Sandkörnern zum Leben erwachen. Der fließende Animationseffekt symbolisiert die Schönheit der Vergänglichkeit, die Magie und Einzigartigkeit eines jeden Moments. Für den besonderen Rahmen werden Irinas sagenhafte Sandbilder von dem gefragten Synchronsprecher Joachim Kerzel als Erzähler begleitet. Für seine Synchronisation von Jack Nicholson in dem Film "About Schmidt" wurde Kerzel 2003 mit dem Deutschen Preis für Synchron ausgezeichnet. Seine markante, tiefe Stimme verlieh er unter anderem auch Hollywoodgrößen, wie Robert De Niro, Sir Anthony Hopkins und Dustin Hoffman.
Die Erzählung zu Sandsation "In 80 Bildern um die Welt" stammt aus der Feder von Katrin Wiegand, die als freie Autorin unter anderem für Hörbücher, Radiocomedy und das Theater tätig ist.

Wo und wann sind Sie zum ersten Mal der Kunst der Sandmalerei begegnet?
Irina Titova: Ich lernte die Sandmalerei vor acht Jahren kennen, als ich als Kunsttherapeutin mit autistischen und taubstummen Kindern arbeitete. Sandspieltherapie ist eine interessante und gängige Praxis. Dafür verwendeten wir normalerweise mit Sand gefüllte Rahmen mit einem blauen Boden. Durch einen Fehler wurden jedoch Rahmen mit Beleuchtung geliefert. Als ich versuchte, mit dem von unten beleuchteten Sand zu malen, verbrachte ich am ersten Tag fünf Stunden mit dem Sandtisch und zeichnete nur. Die Kinder waren fasziniert. Manche autistischen Kinder hatten anfangs ein bisschen Angst vor dem Licht, aber schnell waren sie genauso begeistert.
Es war interessant zu beobachten, wie taubstumme Kinder damit umgingen. Für sie sind die Hände ihr "Sprachorgan" und es entstand eine Symbiose aus Sprache und Zeichnung. Ich denke, dieses Beispiel hat mir für meine Zukunft sehr geholfen, eine Show zu kreieren - schließlich male ich nicht nur, sondern erzähle eine ganze Geschichte.

Sie haben auch mit nordkoreanischen Kindern gearbeitet ...
Ich habe nordkoreanische Kinder als Zeichenlehrerin unterrichtet. Das war eine große Herausforderung für mich. Diese Kinder sind unglaublich diszipliniert und führen alle Vorgaben des Lehrers exakt aus. Mein Ziel war es, sie individuell zeichnen zu lassen, um ihnen beizubringen, die Kreativität zu genießen. Es war wirklich bereichernd, mit Kindern aus einer anderen Kultur zusammenzuarbeiten - wir haben viel voneinander gelernt.

Welchen Sand verwendest Du?
Ich benutze Vulkan- oder Flusssand. Für die Live-Sandmalerei ist vulkanischer Sand besser, weil ich mit diesem Sand schneller zeichnen kann. Mit Flusssand zeichne ich die detaillierten Feinheiten der Bilder.

Kaum ist bei der Sandmalerei Show ein Bild vollendet, wird es schon wieder zerstört. Ist das nicht etwas hart für Sie als Künstlerin?
Das ist ja das Schöne an diesen Sandbildern. Du kannst diese Bilder nicht behalten. Sie sind dadurch immer anders. Es ist so ähnlich wie bei Schmetterlingen. Sie leben nicht lange, aber sie sind wunderschön. Jedes Bild ist einzigartig und bleibt nur durch die Erinnerung des Publikums bestehen.

Neben der Sandmalerei arbeitest Du auch mit Licht und machst "3-D-Mapping" mit Ölfarben. Was macht Sandmalerei für Dich so besonders?
Ölmalerei und das Zeichnen mit Licht sind ebenfalls Kunstformen der Verwandlung - wie Sand. Aber der Sand ist für mich zu einem Stift geworden, mit dem ich die Geschichten schreibe. Meiner Meinung nach gibt es kein Material wie dieses, mit dem man live Geschichten - wie Cartoons - erzählen kann.

Warum sind die Menschen von dieser seltenen Kunst so berührt?
Ich denke, die Leute mögen es aus vielen Gründen. Die erste Reaktion ist oft "Wow, wie macht sie das?". Es scheint mir auch, dass diese Idee mit ihrer Einfachheit - in unserer Welt der Superlative - fasziniert. Bei meinen Shows möchte ich das Publikum einladen, ganz und gar im Moment zu sein. Ist es das nicht, hat es vielleicht schon ein Bild verpasst. Kein Moment ist wiederholbar.

"Sandsation - in 80 Bildern um die Welt" ist die erste Produktion einer Sandmalerei-Show, die in ganz Deutschland tourt. Was kann das Publikum von der neuen Show erwarten?
Die Städte-Shows sind vorrangig touristische Formate ohne eine zusammenhängende Geschichte. Meine neue Show ist eine vollwertige Theatershow, die das Publikum von Anfang an "einfängt". Wir reisen frei nach Jule Vernes rund um die Welt: Die Sandbilder sind eingebettet in einen musikalischen Filmsoundtrack - begleitet von der wunderbaren Erzählerstimme von Joachim Kerzel, den das Publikum als Synchronstimme von Dustin Hofmann oder Jack Nicholson her kennt.

Welche Rolle spielt die Musik in der Show?
Die Bedeutung von Musik ist enorm. Für jede künstlerische Inszenierung - und besonders für Sand - ist die Musik-Choreografie das Wichtigste. Sandmalerei ist wie ein "Tanz der Hände". Für die Show werden wir ein buntes Kaleidoskop aus Evergreens aus allen Teilen der Welt zusammenstellen.

Das Gespräch führte
Juliane Hönisch.