Weil er Menschen ein gutes Gefühl geben wollte, täuschte und betrog er sie. Was widersinnig klingt, wurde am Amtsgericht bei dem Verfahren gegen einen 25-jährigen Weismainer erhellt.

Der Herbst 2018 stand für den 25-Jährigen im Zeichen gelegentlicher finanzieller Einnahmen: Hier 300 Euro für ein von ihm zu lieferndes Handy, dort von ihm zu beziehende Konzertkarten für Großereignisse oder die durch ihn genährte Aussicht auf eine VIP-Aufwertung von Konzertkarten. Insgesamt erschlich sich der Mann im Zeitraum zwischen September und November mehr als 1500 Euro.

"Das habe ich echt gemacht", räumte der Mann gegenüber Richterin Daniela Jensch und Staatsanwalt Mario Geyer ein. "Ich will Leute glücklich machen", erklärte der wegen Betrugs angeklagte Mann.

Sein Verteidiger Peter Christ zückte "Entlastbriefe", also Schreiben von Psychologen, die von einem Krankheitsbild sprachen, und davon, dass man es hier mit einem "neurotischen Lügner" zu tun habe. Mehr noch: Der Mann lebe "in einem Konstrukt". Was der 25-Jährige zusammenkonstruiert habe, sei die Vorstellung, dass er Menschen etwas versprechen könne und diese dann etwas hätten, worauf sie sich freuen.

"Wenn ihn jemand fragt, ob er was beschaffen kann, dann sagt er ja, denn dann wird er aktiv und möchte Leute glücklich machen", fasste Christ zusammen.

Doch was dieses Konstrukt für den Angeklagten auch mit sich brachte, war ein Schuldenberg von 30 000 Euro - und zeitweilig immer wieder Obdachlosigkeit. Im Moment lebt er von etwas mehr als 400 Euro Hartz IV und bezahlt Schulden ab.

"Gute Urabsichten"

Ein Sozialpädagoge, der mit dem Angeklagten befasst ist und dessen Versuche zur Sortierung des Lebens begleitet, hielt große Stücke auf den Betreuten: "Er hat sich allein in Kutzenberg einliefern lassen", lobte er diesen und hielt fest, dass die Urabsichten des Mittzwanzigers eigentlich gute seien: "Er will, dass es den Leuten gut geht, und er kann die Bremse im Kopf nicht ziehen." Zöge er die Bremse im Kopf, müsste er Menschen erklären, dass er ihnen dieses oder jenes gar nicht ermöglichen kann. Eben in diesem Umstand, der für die meisten Menschen schlichtweg hinnehmbar sei, sehe der Angeklagte eine Art eigenes Versagen. Zwar würden die Menschen am Ende von ihm enttäuscht, aber eben erst am Ende - und bis dahin hätten sie Vorfreude.

Auf die Vernehmung von Zeugen und Geschädigten wurde aufgrund der Geständigkeit des Angeklagten verzichtet.

In seinem Plädoyer zeigte sich Staatsanwalt Geyer offen für die Bewährungsfrage. Schon darum, weil er bei dem 25-Jährigen eine nur geringe Bereitschaft zur Selbstbereicherung erkennen mochte. 18 Monate Haft wollte Geyer verhängt sehen, ausgesetzt zur allzeit begleiteten Bewährung für vier Jahre, und die Zahlung einer Geldauflage von 1500 Euro.

Richterin Jensch folgte in ihrem Urteil exakt dem von Geyer geforderten Strafmaß. Ein Bewährungshelfer wird jedoch nur für zwei Jahre bestellt. MH