Selten war eine Exkursion des Geschichtsvereins Colloquium Historicum Wirsbergense (CHW) neben fantastischen geschichtlichen Eindrücken von einer so intensiven Beschaulichkeit geprägt. Dass der Jura und die Frankenalb einiges zu bieten haben, ist nicht neu. Doch die Frage, haben auf dem Jura in der Bronze- und Eisenzeit Menschen gelebt, hatte gerade auf der zweiten Station zwischen Görau und dem Görauer Anger einen gewissen Zauber inne. "Das bronze- und eisenzeitliche Siedlungsareal auf dem Görauer Anger" war das Hauptthema.

Start der Exkursion mit über 80 Personen war am kleinen Friedhof von Görau. Der CHW-Bezirksvorsitzende Günter Dippold versprach, nach Möglichkeit die Exkursion im September nochmals abzuhalten. Unter den Abstandsregeln in Corona-Zeiten wären 150 Personen nicht sinnvoll gewesen.

Ein Spezialist als Referent

Der Referent, Timo Seregély aus Hirschaid, ist Spezialist für frühgeschichtliche Ausgrabungen, Archäologie, Geo- und Landschaftsarchäologie. Intensiv hat er sich mit Ausgrabungen von vorgeschichtlichen Bauten und Frühsiedlungen auf dem Jura und der Frankenalb beschäftigt.

Das Gräberfeld in der Nähe des kleinen Friedhofes enthält zwölf Hügelgräber. Bei einer Untersuchung im 19. Jahrhundert wurde festgestellt, dass diese angeblich aus der "Hallstadtzeit" stammen müssten. Die Funde, die gemacht wurden, sind in Museen in Bayreuth und Jena ausgestellt.

Vom Gräberfeld ging es dann zu den Ausgrabungsstellen an der östlichsten Seite. Eine leichte Brise streift den felsigen und steinigen Boden. Wohl mancher mag sich gedacht haben, dass die damaligen Siedler sich einen wunderbaren Platz ausgesucht hatten. Dieser Platz ist seit 1990 als Fundstelle bekannt und über 200 Meter lang, erklärte Seregély.

Besiedlung auf Jurahochflächen

Dass hier in der Bronze- und Eisenzeit Menschen gelebt haben, stehe außer Frage. Seit März leitet der Hirschaider hier ein großes Forschungsprojekt. Vor nicht allzu langer Zeit galten ländliche Siedlungen auf Mittelgebirgshochflächen in der prähistorischen Forschung als nahezu nicht existent. Grund war, dass diese Regionen als siedlungsfeindlich angesehen wurden. Untersuchungen der Universität Bamberg aus dem Jahr 2015, die intensiviert wurden, wiesen Spuren metallzeitlicher Besiedlung auf den kargen Jurahochflächen nach. Derartige Untersuchungen tragen den Namen "Magnetikprojekt". Mit einem Gerät kann in der Erde befindlicher Ton ausgemacht werden. Dies ist bis zu einer Tiefe von zwölf Metern möglich.

2016 wurden Gebäude festgestellt. Nach vier Grabungsmonaten deutete sich eine weiträumige Besiedlung insbesondere in der späten Bronzezeit zwischen 1100 und 800 v. Chr. an. Für diese Epoche sind zahlreiche Siedlungsbefunde wie Pfostengruben der Holzhäuser oder vereinzelt auch Vorratsgruben belegt.

Seregély zeigte den Teilnehmern drei kleine Tongefäße, die wohl 3000 Jahre alt sind. Es handelte sich dabei um Trinkgefäße, die als Grabbeigaben dienten. Die Häuser waren ziemlich sicher an die Hangkante gebaut. Wasser musste aus einer 700 Meter entfernten Quelle täglich geholt werden.

Für die Forscher geht es nun darum, etwas über die Bewohner der Orte herauszufinden. Neben den Tälern wie bei Kas-pauer interessieren die Hochflächen von bis vor 4000 Jahren bis hin zur neuen Zeitrechnung. Mit den Grabungen und anschließenden Fundauswertungen soll in Erfahrung gebracht werden, wie viele Menschen hier lebten, wie sie sich ernährten, ob sie Ackerbau betrieben, welche Tiere sie hielten und woher das Holz zum Hausbau kam? Fest stehe, dass es auf Hochflächen Orte gab, wo Menschen um die 1000 Jahre ohne Siedlungsabbruch lebten. "Wir versuchen, so viel Struktur wie möglich in dieses Projekt zu bekommen", sagt Seregély.