Die aktuelle Grippewelle fordert die Rettungsdienste in Ebern, Haßfurt, Eltmann und Hofheim sowie die alles koordinierende Integrierte Leitstelle (ILS) Schweinfurt aktuell in hohem Maße. Teilweise sind Belastungsgrenzen erreicht. Gerade im Krankentransport ist das Transportaufkommen um ein Vielfaches gestiegen. Hinzu kommt, dass Krankenhäuser voll belegt sind und für neue Patienten einen Aufnahmestopp verfügen, teilweise mehrere Tage am Stück.
Das Dilemma führt besonders im Krankentransport für Patienten zu längeren Wartezeiten auf einen Transport, für Patienten und Krankentransport-Besatzungen zu weiten Fahrstrecken in entferntere Kliniken und für die Mitarbeiter in der Integrierten Leitstelle zur erschwerten Disposition der einzelnen Transporte. Verantwortliche im Rettungsdienst haben deswegen mit dem Zweckverband für Rettungsdienst- und Feuerwehralarmierung (ZRF) Schweinfurt und den Kostenträgern eine Erhöhung der in der Region zur Verfügung stehenden Krankentransportwagen (KTWs) um werktags jeweils zwei und an Samstagen um jeweils ein Fahrzeug beschlossen.


Zusätzliche Fahrzeuge

Jeweils am Montag, 19. März, und Mittwoch, 21. März, stellte das BRK Haßberge einen zusätzlichen KTW von 14 bis 21 Uhr in Dienst. Regulär sind jeden Wochentag in den Haßbergen drei Krankentransportwagen im Dienst. Zwei von der Rettungswache Haßfurt in der Zeit von 8 bis 14.30 Uhr sowie von 9.30 bis 18 Uhr und einer von der Rettungswache Ebern von 8 bis 16.30 Uhr. Im gesamten Leitstellenbereich sind es tagsüber rund 25 Krankentransportwagen. So stehen insgesamt im Zeitraum 15. bis 24. März werktags in den Bereichen Haßberge, Schweinfurt, Bad Kissingen und Rhön-Grabfeld zusätzlich zwei Krankentransportwagen zur Verfügung, an den Samstagen ein zusätzlicher KTW für die gesamte Region.
Im Rettungsdienstwesen sei die Lage immer wieder mal angespannt, wie Eberns stellvertretender Wachleiter Marcus Leonhardt dem Fränkischen Tag erklärt. Das liege freilich auch daran, dass Rettungseinsätze nicht planbar sind, somit könne es passieren, dass bei mehreren nahezu zeitgleich eintreffenden Notrufen plötzlich alle zur Verfügung stehenden Fahrzeuge und Einsatzkräfte benötigt werden. Es werde zwar immer das dem Einsatzort am nächsten gelegene Team angefordert, aber bei hoher Auslastung gebe es auch die Situation, dass ein Fahrzeug aus Ebern zum Beispiel nach Hofheim geschickt wird und umgekehrt. Fälle wie die aktuelle Grippewelle tragen dann dazu bei, dass die Auslastung in der gesamten Region höher wird. "Die Einsatzhäufigkeit ist natürlich gestiegen", sagt Leonhardt.
Auf diese Situation haben die Verantwortlichen reagiert. Das "Sofortprogramm", das in der Zeit vom 15. bis zum 24. März greift und an dem sich in der Region Main-Rhön mit den Landkreisen Haßberge, Schweinfurt, Rhön-Grabfeld, Bad Kissingen und der kreisfreien Stadt Schweinfurt die im Rettungsdienst tätigen Hilfsorganisationen beteiligen, unterstützt auch der BRK-Kreisverband Haßberge an zwei Tagen mit einem zusätzlichen Fahrzeug. Gerade in der angespannten Situation, in der natürlich auch Rettungskräfte krankheitsbedingt verstärkt ausfallen, bedeutet das eine zusätzliche Herausforderung.


Aktuell angespannte Situation

"Wir sind unseren Mitarbeitern, die sowieso schon hohen Belastungen in der täglichen Rettungsdienstarbeit ausgesetzt sind, dankbar, dass sie zusätzliche Dienste auf sich nehmen", sagt Christoph Grimmer, Rettungsdienstleiter beim BRK-Kreisverband Haßberge. "Das kommt vor allem den Patienten im Krankentransport zugute." Dieses zusätzliche Engagement zeigt nach seinen Worten, dass die BRK-Mitarbeiter hohes Verantwortungsbewusstsein zeigen und in der aktuell angespannten Situation eigene Interessen zurückstecken. Die Notfallrettung, so Grimmer, sei trotz der derzeit widrigen Gesamtumstände keinen Einschränkungen unterworfen. Rund um die Uhr stehe an den Rettungswachen in Haßfurt, Ebern, Eltmann und Hofheim jeweils ein Rettungswagen sowie an den Standorten Haßfurt, Ebern und Hofheim zudem ein Notarzteinsatzfahrzeug zur Verfügung.
Dennoch hat das BRK die Gesamtentwicklung im Blick und warnt vor bevorstehenden Problemen: "Auch die Krankenhäuser im ländlichen Gebiet dünnen mit ihren Kapazitäten immer mehr aus, es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis auch diese Krankenhäuser ihre Aufnahmen schließen und somit die Patientenversorgung zwangsläufig ablehnen", so der Leiter Rettungsdienst in der BRK-Landesgeschäftsstelle, Thomas Stadler. "Wir sind dann gezwungen, längere Transporte durchzuführen und so genannte Zwangsbelegungen durchzuführen." Der Rettungsdienst rettet einmal mehr die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung, so Stadler weiter.
Dies stellt nicht nur Patienten vor ein großes Problem, sondern auch zunehmend Mitarbeiter des Rettungsdienstes und der Integrierten Leitstellen: Mitunter geht viel Zeit verloren, bis ein Patient einer notwendigen Behandlung zugeführt werden kann und das jeweilige Rettungsfahrzeug der Leitstelle für einen neuen Einsatz wieder zur Verfügung steht.
Die Folge sei ein Stau von Einsätzen aufgrund blockierter Rettungsmittel. "Diese Situation ist im Moment untragbar für das Hilfeleistungssystem in Bayern", mahnt BRK-Landesgeschäftsführer Leonhard Stärk, "Die zunehmende Auslastung der Krankenhäuser mit Bagatellfällen wie Husten, Schnupfen und Heiserkeit sorgen derzeit für eine kritische Situation in der klinischen Versorgung in Bayern. Wir fordern eindringlich auf, die Notaufnahme nur dann aufzusuchen und den Rettungsdienst nur dann zu alarmieren, wenn dies auch wirklich unabwendbar ist."


Zuständig für 431 300 Einwohner

Die angespannte Situation macht auch nicht vor dem Zuständigkeitsbereich der ILS Schweinfurt halt, die auf einer Gesamtfläche von knapp 4000 Quadratkilometern für 431 300 Einwohner zuständig ist.
Überfüllte Notaufnahmen in den Krankenhäusern, verstärkte Verlegungshäufigkeit von Patienten von Klinik zu Klinik und jahreszeitbedingtes, hohes Krankentransportaufkommen fordern alle Beteiligten.


Deutlich längere Fahrzeiten

Wie Stefan Pabst, stellvertretender Geschäftsführer des ZRF Schweinfurt, erklärt, kommt hinzu, dass seit Wochen verstärkt ganze Krankenhäuser aufgrund eigener Krankheitsausfälle keine neuen Patienten aufnehmen können und sich deshalb bei der ILS abmelden. Das wiederum führt in der Notfallrettung und im Krankentransport zu deutlich längeren Fahrzeiten der Einsatzfahrzeuge in weiter entfernte Kliniken, erläutert der Rettungsdienstleiter des BRK Haßberge, Christoph Grimmer.