Bayern hat in den vergangenen Jahren im Breitbandausbau Fahrt aufgenommen und rund 53 000 Kilometer Glasfaserleitungen verlegt. Das ist mehr als der Erdumfang am Äquator. "Im gesamten Freistaat sind schon über 96 Prozent aller Haushalte mit schnellem Internet versorgt", sagte Finanz- und Heimatminister Albert Füracker (CSU). Doch "schnell" ist relativ und bedeutet in diesem Fall mindestens 30 Megabits pro Sekunde (Mbit/s). Damit kann eine vierköpfige Familie beispielsweise Webradio hören, über das Internet telefonieren und einen Film in bester Qualität anschauen, erklärt Internetexperte Sven Oliver Rüsche. Für kleine Orte mit abgelegenen Gast- oder Bauernhöfen brachte das bayerische Finanzministerium die Sonderförderung "Höfebonus" zum Anschluss an das Glasfaser-Netz auf den Weg.

Aber die Corona-Krise und damit vermehrtes Home-Office und Home-Schooling haben neue Probleme aufgezeigt: Die Anforderungen für reibungsloses Arbeiten über das Internet sind gestiegen. "Schnelles" Internet mit 30 Mbit/s ist nicht mehr schnell genug.

Anforderungen steigen

"Der Maßstab für den digitalen Netzausbau und damit die erfolgreiche digitale Transformation ist heute das Gigabitnetz für alle überall", sagt Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (VBW). Die Unternehmen wollen Gigabits statt Megabits, Glasfaser statt Kupfer, schnellstmögliche Verbindungen für alle.

Auch hier hat der Freistaat ein neues Förderkonzept entworfen: Der Ausbau soll auch dort bezuschusst werden, wo schon mehr als 30 Megabit pro Sekunde verfügbar sind. Die Grünen im Landtag kritisieren das schrittweise Vorgehen, dass geförderte 30- bis 50-Mbit-Anschlüsse erneut mit Steuergeldern subventioniert und auf mehr als 100 Mbit aufgerüstet werden. "Den konsequenten Ausbau der Internetinfrastruktur mit Glasfaserleitungen in jedes Haus hat die Regierung Seehofer mit einer an Starrsinn grenzenden Beharrlichkeit blockiert", sagt der Grünen-Fraktionsvorsitzende Ludwig Hartmann.

Glasfaserausbau bis 2025

Bayerns neue Gigabitrichtlinie ist im März in Kraft getreten. Mit einem ambitionierten Zeitplan: Bis zum Jahr 2025 sollen Gigabitanschlüsse im Freistaat flächendeckend zur Verfügung stehen und Glasfasern in jedes Haus bringen. Das Problem: Für Internetanbieter ist es wenig lukrativ, Glasfaserleitungen in kleine Gemeinden zu bringen, weil hier weniger Verträge abgeschlossen werden können. "In Bayern haben wir Gemeinden, die 30 bis 40 Anschlüsse ausschreiben - das ist natürlich weniger attraktiv", sagt Stefan Graf vom Bayerischen Gemeindetag.

Die Telekommunikationsanbieter sind derzeit sehr gefragt und können sich aussuchen, welche Projekte sie umsetzen wollen. Deshalb gehen sie häufig zuerst die weitaus attraktiveren Projekte in Großstädten und Metropolregionen an. Denn auch diese werden meist gefördert, auch auf Bundesebene soll der flächendeckende Ausbau von Gigabitnetzen bis 2025 erfolgt sein.

So bleibt es trotz Plänen und Förderungen für ländliche Regionen zum super-schnellen Internet-Anschluss ein holpriger Weg.