Das Projekt der Baumpatenschaft der Grundschule Obertrubach in Bärnfels war am 2. März diesen Jahres mit der Pflanzung von zwei Apfelbäumchen auf dem Biotop oberhalb des Schulsportplatzes erfolgversprechend angelaufen. Dann kam der Lockdown wegen Corona und die Schule wurde geschlossen. Nun soll das beispielhafte Projekt fortgesetzt werden.

Rektor Joachim Neuner aus Kirchenbirkig und Streuobstpädagogin Christine Berner aus Herzogwind, selbst Mutter zweier Kinder die diese Schule besuchen und Mitglied im Elternbeirat, kamen deshalb nun auf Einladung von Bürgermeister Michael Grüner zur jüngsten Ratssitzung, um den neu gewählten Gremium die Einzelheiten des Projekts zu erläutern. Zwei Bitten hatten sie mitgebracht. Zum einen soll die Zufahrt zu dem Gelände geklärt werden, zum anderen hätten sie gerne einen Pavillon der später einmal zu einem "grünen Klassenzimmer" werden soll.

Zufahrt ist kein Problem

Um die Zufahrt will sich Bürgermeister Markus Grüner (CSU) mit den umliegenden Grundstückseigentümern bemühen, da es zu dem Gelände in Gemeindebesitz ohnehin ein Geh- und Fahrtrecht gäbe. Dies gehe aus einem inzwischen wieder gefundenem Grundbucheintrag hervor, so Grüner. Gegen die Errichtung eines Pavillons, der auch aus Ständern mit Sonnensegeln bestehen und im Winter abgebaut werden könnte, hatten die Räte nichts einzuwenden. Besser, so kam es aus dem Ratsgremium, wäre ein Pavillon in Festbauweise. Außerdem wäre eine kleine Hütte für Gartengerätschaften noch gut. Wünschenswert sei dafür noch ein Balkenmäher und eine Mini-Fräse, damit man unabhängiger vom Bauhof ist.

Bisher wurden nur acht Gartenscheren für je 13,50 Euro angeschafft. Denn das Biotop, auf dem Ende der 1980er oder Anfang der 1990er Jahre auch ein kleiner Weiher angelegt wurde, der nun ziemlich verwildert ist, muss auch gepflegt werden. Das Pavillon sei aber unabhängig vom Baumpatenprojekt, so Berner. Mit einem grünen Klassenzimmer könne man sich Zeit und Kosten sparen, da die Schüler bisher dafür nach Kirchenbirkig gefahren werden müssen.

Zunächst soll das Projekt der Baumpatenschaften über drei Jahre dauern. In dieser Zeit sollen von den Schulklassen weitere Apfelbäume gepflanzt werden, die dann auch das ganze Jahr über von den Schülern betreut werden. Für Rektor Neuner entspricht das Gesamtprojekt genau dem Lehrplan für die Grundschule. Denn den Kindern sollen der Lebensraum der Tiere und Pflanzen, Wasser, Obst und auch Bienen nähergebracht werden. Bezüglich Bienen hatte man auch schon Kontakt mit einem Imker aufgenommen, um einen Bienenkasten auf dem Gelände aufzustellen. Wegen Corona wurde daraus heuer nichts. Im nächsten Frühjahr soll aber auch dies umgesetzt werden.

Selbst arbeiten heißt selbst lernen

Wichtig für Berner, die das Projekt betreut, ist, das die Kinder alles selbst machen müssen. Vom Pflanzen der Bäume bis hin zum Hochschleppen des Wassers. Und sie müssen den Apfelbäumen auch einen Namen geben. Die bisher zwei gepflanzten Bäume heißen "Baumi" und "Hildegard". Und wenn dann die ersten Äpfel von Baumi und Hildegard geerntet werden können, sollen diese auch von den Kindern gegessen werden. "Die sind dann viel schmackhafter als der Pink Lady aus dem Supermarkt", sagt Berner.

Die Kinder sollen außerdem lernen, was man aus den Äpfeln noch alles machen kann; von Apfelsaft bis hin zu Apfelgelee. Auch handwerklich tätig werden die Kinder dabei, zum Beispiel wenn sie ein Insektenhotel bauen. Und sie lernen die Kräuter und Pflanzen kennen und können den Impuls aus dem Projekt in die eigene Familie, in den eigenen Garten, mitnehmen.

"Fehlende Artenkenntnis kann man spielerisch ausgleichen", erklärt die bisher einzige Streuobstpädagogin in Oberfranken. In ganz Deutschland gibt es inzwischen 400 Streuobstpädagogen, die im ganzen Land an Grund- sowie weiterführenden Schulen, in Vereinen oder auf selbstständiger Basis Kinder, Jugendliche, aber auch Erwachsene für das Thema Streuobst und die Natur vor unserer Haustür begeistern. Dabei wird ein Bewusstsein für das Ökosystem Streuobstwiese geschaffen.

"Kinder, Jugendliche und Erwachsene erfahren durch uns Wissenswertes, Kurioses und Spannendes über den Mikrokosmos der Streuobstwiese und erhalten dadurch einen anderen Blickwinkel auf unsere gefährdete Kulturlandschaft", erklärt Berner. Dies sei quasi Umweltbildung mit Mehrwert. Denn: Nur was man schätzt, schützt man auch. Gefördert wird das Baumpatenprojekt von der Sieglinde-Schöffel-Stiftung, der Sparkasse und dem Landschaftspflegeverband.