Die Weihnachtszeit beginnt gefühlt Anfang November, wenn die Einkaufszentren ihren Weihnachtsschmuck aufhängen und die Non-Stop-Berieselung mit Weihnachtsliedern beginnt. Der Advent wird dafür schon auf den Spätsommer vorverlegt: Erste Lebkuchen und Spekulatius finden sich Ende August in den Regalen. Da kann dann doch nach den Feiertagen auch endlich mal Schluss sein! Oder?

Bis zum Sonntag nach Dreikönig

"Wir haben verlernt, situativ zu feiern, wie wir auch nicht mehr saisonal essen können", sagt Stadtpfarrer Kilian Kemmer. Alles gibt es das ganze Jahr, Erdbeeren, Spargel oder Lebkuchen sind nichts Besonderes mehr. "Viele halten Weihnachten nach den Feiertagen nicht mehr aus", bedauert er. Dabei geht die Weihnachtszeit liturgisch bis zum Sonntag nach Dreikönig - fängt aber eben auch nicht schon im November an, sondern an Heiligabend. Bis in die 1960er Jahre dauerte sie offiziell bis Maria Lichtmess (2. Februar).

So lange stehen die Bäume in den Kirchen auch heute noch - in evangelischen wie katholischen. Nur abgeschmückt werden sie nach dem Sonntag nach Dreikönig. "Bis auf die Lichter. Die bleiben drauf und dürfen an Lichtmess noch mal leuchten", erklärt Kemmer. Das sei eine Art Kompromiss, nachdem viele Menschen nach der Neuordnung des liturgischen Kalenders Ende der 60er Jahre ein wenig "Sehnsucht nach dem Alten" hatten.

Privat ist an Dreikönig Schluss

Trotzdem dürfte das in den meisten Privathaushalten jedoch anders aussehen. In Höchstadt und vielen Landkreis-Gemeinden wurden die Christbäume am vergangenen Samstag eingesammelt. In Gremsdorf kümmert sich beispielsweise der Fischereiverein ehrenamtlich um die Sammlung, in Höchstadt der Spielmannszug der Feuerwehr. "Traditionell wird der Weihnachtsbaum bei uns in Franken von den meisten Familien am 6. Januar oder kurz danach abgeschmückt", sagt Peter Lorz, Schriftführer der Gremsdorfer Fischer. Daher holt der Verein die Bäume schon seit vielen Jahren am ersten Samstag nach Dreikönig ab. "Diese Aufgabe übernehmen wir ehrenamtlich, mit der Bitte um eine kleine Spende für die Jugendabteilung." Diesmal waren neun Jugendliche und 13 Erwachsene unterwegs und haben um die 150 Bäume in Gremsdorf und den Ortsteilen eingesammelt. Natürlich werden immer alle Bäume mitgenommen, auch wenn mal jemand vergisst, ein Tütchen mit einer kleinen Gabe an den Baum zu hängen.

Immerhin: Die Sammlung erfolgte nur einen Tag vor dem offiziellen Ende der Weihnachtszeit. Kilian Kemmer hat aber auch schon am 27. Dezember nicht wenige abgeschmückte Bäume in den Vorgärten liegen sehen. "Die kirchliche und die weltliche Wahrnehmung von Weihnachten driftet schon auseinander."

Es gibt aber durchaus auch gegenläufige Tendenzen. In Vestenbergsgreuth geht man in diesem Jahr erstmals einen anderen Weg. "Weil es viele Bürger bedauert haben, dass die Bäume schon so früh abgeholt werden, haben wir das heuer um eine Woche verschoben", erklärt Paul Frömel, Vorsitzender des TTC Kienfeld. Die Tischtennisspieler holen die Bäume erst am kommenden Samstag gegen eine Spende für einen guten Zweck. "Wir sind gespannt, ob wir mehr Bäume bekommen als sonst oder ob die Frist doch zu lang ist." Er persönlich lässt seinen Baum gerne so lange wie möglich stehen.

Was passiert dann mit dem Holz?

In Vestenbergsgreuth gibt es ein kleines Fest für die fleißigen Helfer - mit einem Christbaum-Lagerfeuer. In Gremsdorf und Höchstadt werden die Bäume zu Hackschnitzeln verarbeitet und als Heizmaterial, zum Beispiel für die zentrale Hackschnitzelheizung in der Kerschensteiner Straße, verwendet. Einen weiteren Nachbericht zu einer Christbaumsammelaktion finden Sie auf