Marco Meissner Wo die einen nur Gestrüpp sehen, erkennen die anderen einen wertvollen Lebensraum. Gemeint ist die Hecke. Die sorgte nach einem kürzlich veröffentlichten Bericht in unserer Zeitung sogar über die Landkreisgrenzen hinaus für heftige Diskussionen. Der Grund: Ein freier Mitarbeiter informierte über die Hecken entlang der Wege und Äcker - und er beschrieb einen Landwirt, der es allem Anschein nach gar nicht gut mit den Pflanzen meinte. Wie sich herausstellte, zeichnete der Text ein Bild, das allenfalls einen negativen Ausreißer darstellt. Denn die Landwirte spielen für die Heckenpflege eine wichtige Rolle.

"Jeder Landwirt freut sich über die Schlehenblüte", nennt Erwin Schwarz ein Beispiel. Der Burggruber Bauer hat selbst viele Hecken in seinem Arbeitsumfeld. Einen "Krieg Mensch gegen Natur" oder einen planlosen Kahlschlag - wie im Artikel skizziert - gebe es allerdings nicht. Nicht bei ihm und auch bei keinem anderen Landwirt, den er kennt.

Was es dagegen schon gebe, seien Missdeutungen von Passanten. Denn eine Hecke brauche durchaus auch Pflege. Das könne in einzelnen Abschnitten sogar einmal ein "Auf-Stock-Setzen" bedeuten. "Das sieht anfangs schlimm aus, ist in manchen Fällen aber die beste Lösung", erklärt Schwarz. Damit werde dem Umweltschutz und dem Lebensraum für die Wildtiere sogar etwas Gutes getan. Solche Pflegemaßnahmen würden auch nicht blindlings durchgeführt. "Wir Landwirte stehen ständig im Kontakt mit den Behörden."

Wichtiger Lebensraum

Diesen guten Austausch bestätigen und schätzen Geschäftsführer Dietrich Förster und Leiter André Maslo von der Ökologischen Bildungsstätte in Mitwitz. Und sie untermauern Schwarz' Auffassung. "Die Bauern kennen den Wert der Hecke und wissen, dass sie geschützt ist", erklärt Förster. "Sie hat auch einen Wert für die Landwirte als Lebensraum für Nützlinge."

Maslo stimmt außerdem zu, dass die Heckenlandschaften sehr wohl eine Pflege brauchen, um dauerhaft als Lebensraum für Insekten, Vögel und andere Tiere zu funktionieren: "Es ist uns recht, wenn eine Hecke gepflegt und unter Umständen vielleicht sogar mal auf Stock gesetzt wird." So könne ein Überaltern der Hecke verhindert werden. Das Wichtige bei diesem Vorgehen sei jedoch, dass nicht einfach auf eigene Faust gehandelt wird. Die Maßnahmen müssten mit den Fachleuten abgestimmt und Schutzzeiten für die Tierwelt eingehalten werden.

Wie die Hecken in Schuss gehalten werden können, dafür müssten maßgeschneiderte Lösungen gesucht werden. Manchmal gehe es darum Totholz liegen zu lassen, manchmal müsse darauf geachtet werden, starkes Holz zu entfernen und schwaches wachsen zu lassen. Eine Hecke müsse dicht wachsen, um beispielsweise Vögeln Schutz zu bieten. Deshalb müsse Sorge dafür getragen werden, dass sie nicht wild in die Höhe schießt und dadurch im wichtigen Saumbereich sowie in Bodennähe ausdünnt. "Bei vier, fünf Metern Höhe sollte Schluss sein", erklärt Maslo. Manche Hecken, zum Beispiel eine alte Schlehe, könne man andererseits sich selbst überlassen. "Die pflegt sich von ganz alleine", sagt sein Kollege.

"Eine Hecke ist auch keine Baumreihe", stellt Förster weiter fest. Es habe sich durchaus eingebürgert, dass die Leute es toll finden, wenn Bäume aus den Hecken herausragen. Doch im Sinne des Naturschutzes sollten allenfalls besondere Bäume vereinzelt einen dauerhaften Platz darin finden. Nicht alles, was der Passant als gewohnt und schön erachtet, sei fachlich auch richtig, gibt Förster zu Bedenken.

Bauern wissen, was sie tun

"Pflege muss da durchgeführt werden, wo sie notwendig ist", stellt er fest. Dies sei von Hecke zu Hecke ganz individuell zu bewerten. Die heimischen Landwirte würden dabei jedenfalls einen sehr guten Job machen. Nicht umsonst würden ihre Pflegemaßnahmen sogar durch eine Förderung begleitet.