Fluch und Segen liegen im Homeoffice nah beieinander. Viele Bamberger haben wegen Corona zum ersten Mal von Zuhause aus gearbeitet. Seit Ende Januar sind Arbeitgeber sogar per Verordnung verpflichtet, Homeoffice für Bürokräfte anzubieten.

Petra S. (Name von der Redaktion geändert) hätte in der Pandemie gerne früher das Büro gemieden. Zwei entsprechende Anträge hat die Angestellte des Erzbischöflichen Ordinariats gestellt, wie sie berichtet. "Beide wurden, wie zu erwarten war, abgelehnt, obwohl es bei meinen Job möglich wäre." Sie kritisiert: "Ich persönlich finde das eine riesengroße Sauerei, besonders in dieser aktuellen Zeit. Die Coronafallzahlen sind immer noch extrem hoch, aber die katholische Kirche macht wieder ihr eigenes Ding."

Das mit dem eigenen Ding ist seit der Verordnung des Bundesarbeitsministeriums vorbei - diese lässt Arbeitgebern bis Mitte März keine Wahl. Doch auch vorher schon habe das Erzbischöfliche Ordinariat Möglichkeiten geschaffen, von Zuhause aus zu arbeiten, wie Erzbistums-Sprecher Harry Luck erklärt. "Im Dezember 2020 haben die Mitarbeitervertretung für den Bereich der Verwaltung und der Dienstgeber eine Dienstvereinbarung geschlossen, die alternierende Telearbeit und damit Homeoffice unabhängig von einer Pandemielage ermöglicht." Während der Corona-Pandemie sei "insbesondere in systemrelevanten Bereichen Homeoffice ganz oder teilweise etabliert" worden. Der Pressesprecher berichtet: "Aufgrund der Vorgaben der Corona-Arbeitsschutzverordnung wird Homeoffice weiter ausgebaut. Schwierig ist noch, dass die Verwaltung des Erzbischöflichen Ordinariats bislang nur in einzelnen Bereichen (nahezu) vollumfänglich digitalisiert arbeitet."

Brose ist restriktiv

Nun ist die katholische Kirche nicht gerade als Modernisierungstreiberin bekannt. Doch die Recherche zeigt, dass sich auch vermeintlich hoch innovative Unternehmen schwer tun in Sachen Homeoffice. Brose zum Beispiel.

"Homeoffice wird bei Brose nicht ganz so gern gesehen. Scheinbar seitens der Geschäftsleitung. Das war schon vor Corona so. Vielleicht denkt man, im Homeoffice würde weniger gearbeitet", bestätigt Martin Krapp, Betriebsratsvorsitzender am Standort Bamberg . "Wegen Corona wollte der Betriebsrat Homeoffice, und im ersten Lockdown hatten wir eine sehr hohe Homeoffice-Quote, aber im September, als die Infektionszahlen schon wieder stiegen, kam dann die Anweisung: zurück zum Regelbetrieb. Damals war eine maximale Quote von 20 Prozent im Gespräch." Der Betriebsrat zog vor das Bamberger Arbeitsgericht - mit Erfolg.

Auf Nachfrage antwortet Brose ausweichend: Man setzte an allen Standorten weltweit "auf ein motivierendes Arbeitsumfeld" für die Mitarbeiter in Fertigung und Verwaltung. "Dazu gehören flexible und variable Arbeitszeiten sowie die Möglichkeit, mobil zu arbeiten. Davon macht ein Großteil der Mitarbeiter derzeit Gebrauch", erklärt Unternehmenssprecherin Katja Herrmann.

Der Betriebsrat bestätigt: Wegen der Verordnungen habe sich die Arbeitgeberseite bewegt. "Momentan arbeiten relativ viele Mitarbeiter im Home-Office, akzeptabel für den Betriebsrat ."

Große Unterschiede

Laut IG Metall Bamberg ist die Bereitschaft, Homeoffice zu ermöglichen, in der Region insbesondere in den bisherigen Lockdown-Phasen hoch. "Allerdings ist zu beachten, dass die Betriebe in unserer Region im Schwerpunkt Produktionsbetriebe sind und deshalb viele Arbeitsplätze nicht homeofficegeeignet sind", berichtet Erster Bevollmächtigter Martin Feder. "Mein Eindruck ist, dass die meisten Arbeitgeber gerade sehr bereitwillig mitziehen, alleine schon um das Infektionsrisiko im eigenen Betrieb zu minimieren." Spannend werde sein, wie es nach der Pandemie weitergehe.

Auch in anderen Branchen ist Homeoffice ein heikles Thema. So berichtet die Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) von sehr unterschiedlichen Praktiken. "Zwar bieten nun viele Arbeitgeber Homeoffice an, festzustellen ist allerdings, dass es vielerorts an guten betrieblichen Regelungen fehlt."

Verdi-Bezirksgeschäftsführerin Doris Stadelmeyer sieht vor allem bei öffentlichen Verwaltungen Nachholbedarf in Sachen Homeoffice.

Mathias Eckardt, Bamberger Regionalgeschäftsführer des Deutschen Gewerkschaftsbundes, mahnt: "Leider hat es der dringenden Aufforderung der Politik bedurft, um dem Thema Homeoffice auch im zweiten Lockdown wieder die notwendige Priorität zu verleihen. Trotzdem steht ein Großteil der Bamberger Firmen dem Thema zumindest während der Corona-Pandemie positiv gegenüber."

In der Arbeitsagentur Bamberg-Coburg ist die Rede von einem "sehr langen Feldversuch", der gerade läuft: "Not macht erfinderisch. Durch Corona hatte man als Arbeitgeber den Zwang, zu handeln. Da ist sehr viel über mehrere Monate in der Praxis ausprobiert worden. Das hat sich in vielen Bereichen bewährt, viele Vorteile des Homeoffice wurden erkannt", berichtet Pressesprecher Matthias Klar - selbst im Homeoffice.