In der Reihe Literarische Matinee stellt Werner Löffler im Kronacher Kunstverein am Sonntag um 11 Uhr, im Kronacher Kunstverein, den politischen Klassiker „Die Torheit der Regierenden“ der Pulitzer-Preisträgerin Barbara Tuchman vor. Der Eintritt ist frei. Die Galerie ist barrierefrei zugänglich.
Barbara Tuchman untersucht die vielleicht faszinierendste Paradoxie der Geschichte: die Verwirklichung einer Politik, die dem Eigeninteresse der Regierenden entgegensteht. Sie führt den Leser an vier Schauplätze. Der erste ist der Trojanische Krieg. Gegen göttliche Omen und Mahnungen aus den eigenen Reihen handelnd, ziehen die Trojaner das Pferd in ihre Mauern und verurteilen sich so zum Untergang. Das hölzerne Pferd ist das Symbol eines Wahns, der heute existenzgefährdend geworden ist.
Die sechs Jahrzehnte päpstlicher Torheiten stellt sie im zweiten Abschnitt vor: Korruption, Amoral und Machthunger, die hochmütige Nichtachtung aller Proteste und Klagen, die zum Protestantismus und zu den Religionskriegen führten.
Im dritten Kapitel erzählt sie, wie Georg III. und seine Regierung die Beziehungen zu den Siedlern in den amerikanischen Kolonien zerstörten. Die Verblendung der britischen Krone und ihrer Berater machte aus Untertanen Rebellen und besiegelte den Verlust eines Kontinents.
Schließlich analysiert sie Amerikas Verwicklung in Vietnam - von Franklin D. Roosevelts zögernder Unterstützung des französischen Kolonialismus in Indochina über die unsinnige Domino-Theorie bis zu Lyndon B. Johnsons törichtem Bestehen auf einem militärischen Sieg und der kaum verhüllten Niederlage der USA.
Voller Zorn hat die amerikanische Historikerin und zweifache Pulitzerpreisträgerin Barbara Tuchman (1912 - 1989) in ihrem Buch „Die Torheit der Regierenden“ (1984) ein eingängiges Thema angeschlagen. In zahlreichen Variationen zieht sie es durch die ganze Menschheitsgeschichte von den mythischen Anfängen bis in die Gegenwart hinein.
Unter Torheit versteht Barbara Tuchman „politisches Handeln wider dem eigenen Interesse“, wodurch Regierungen stürzten und Systeme untergingen - eine Politik der Selbstzerstörung. Als Ursachen betrachtet sie sowohl systemische als auch kulturelle und psychologische Faktoren: Tyrannei und Gewaltherrschaft, Unfähigkeit, Planlosigkeit oder Dekadenz bei den Methoden politischer Führung; letztlich auch Selbstüberschätzung und Starrsinn oder Engstirnigkeit. Diese Faktoren können zu einer Missregierung führen, die dem Eigeninteresse des Staates und seiner Bürger zuwiderlaufe, so Tuchman. In ihrem Buch belegt sie, dass diese Art von Torheit, die oft verhängnisvolle Folgen hat, sich wie ein roter Faden durch alle Zeiten und Ländergeschichten hindurchzieht.
Werner Löffler stellt das Buch vor. „Besonders fasziniert haben mich die Sprache, aber auch der Perspektivwechsel, zu dem die Autorin anregt.“ red