Elf Kilometer Leitung. 130 Gesellschafter. 160 Anschlüsse.

Selbst wenn die Zahlen schon beeindrucken, charakterisieren hohes Engagement und Kreativität das Nahwärmenetz der Marktgemeinde Lonnerstadt. Jedes dritte Anwesen der Gemeinde nutzt das Bürgerprojekt, das Wärme aus lokalen Hackschnitzeln liefert. Nun wurde das Heizkraftwerk eingeweiht.

Den Start des Projekt stellte die defekte Schulheizung dar. Statt ganz klassischer Optionen wie Tausch oder Reparieren hatte Ex-Bürgermeisterin Regina Bruckmann schon 2021 die für das Projekt zündende Idee: die ökologische Temperierung des Schulgebäudes durch ein eigenes Wärmenetz der Gemeinde.

Öffentliche Gebäude zuerst

„Schule, Kindergarten und Rathaus wollten wir so beheizen“, lässt Bruckmann die Entwicklung Revue passieren. Lonnerstadt hatte dann die kostenlose Energieberatung, eine professionell erstellte Machbarkeitsstudie hatte der Gemeinde schließlich grünes Licht gegeben.

Als die Gemeinderäte das Projekt debattierten, hatten Bürger rasch gefragt, ob sie ebenfalls von günstiger Wärme profitieren dürften. Das Ganze habe Wellen geschlagen: Immer mehr Interessierte stellten dieselbe Anfrage. Also wurde die Wärmenetz Lonnerstadt UG & Co. KG gegründet.

Statt hoher Gewinne ist kostengünstige Wärme für die angeschlossenen Immobilien das Entscheidende. Da es keine Gemeinde oder einen an Gewinnen orientierten Konzern gebe, hätten die Bürger die lückenlose Oberhand, freut es Herbert Krafft als Geschäftsführer der 2023 gegründeten Gesellschaft.

Er wirkt bescheiden, hatte jedoch Löwenanteil am Erfolg des Projekts, wie Bürgermeister Günter Rost klar feststellt: „Einen echten Herbert hat jedes Projekt verdient.“ Er sei der Glücksgriff, den es gebraucht habe, ebenso wie Bruckmann als die Vorsitzende des Beirates.

Rost würdigte ebenfalls, dass das ganze Projekt regional verwurzelt sei. Das gelte für die Firmen, für die Hackschnitzel und sogar für den Sand. Der sei aus Gremsdorf. Doch es gebe etwas Besonderes an diesem Projekt. Denn das Wärmenetz sei durch die moderne Großwärmepumpe um eine zweite Energiequelle ergänzt worden.

Grüner Sonnenstrom des nahen Photovoltaikfeldes speist diese, sodass die Sommermonate über fast die ganze Wärme per Großwärmepumpe entsteht. Ergänzend ist die Photovoltaikanlage des Daches Garant für den Strom, den das kreative Projekt für die Heizanlage benötigt.

Dass das Projekt jetzt den Bayerischen Energiepreis anvisiert, ist fast logisch. Denn die Bilanzen der zwei 900 kW-Hackschnitzelkessel, des 80.000 Liter fassenden Pufferspeichers sowie die 100 kWp, die die Module der Photovoltaikanlage leisten, passen. Ebenso wie das, was das Wärmenetz für die Umwelt tut: Pro Jahr spart Lonnerstadt jetzt 440.000 Heizölliter pro Jahr, was einer Einsparung von rund 1170 Tonnen CO2 entspricht.

Landrat Alexander Tritthart wertet das Wärmenetz als „Meilenstein für Lonnerstadt“ und sprach von einer Vorbildfunktion für andere Kommunen.

Als Gratulanten kamen auch MdB Konrad Körner (CSU), MdL Gabi Schmidt (FW) und MdL Walter Nussel (CSU). Für die vielen Gäste hatten die Organisatoren spannende Infos sowie Aktivitäten parat: Hackschnitzelpräsentation, Infostände Speis‘ und Trank sowie Musik gaben der Einweihung den würdigen Rahmen.

Acht moderne Großwärmepumpen ergänzen das Hackschnitzelkraftwerk.
Das Heizkraftwerk Lonnerstadt und der Solarpark wurden offiziell eingeweiht.Sandra Buchwald