Die Segelfluggruppe (SFG) Burgkunstadt besteht seit 75 Jahren. Zunächst saßen Piloten in den Flugzeugen, doch nach einem Unfall widmeten sich die Mitglieder nur noch dem Modellflug. Am Wochenende wurde das Jubiläum mit einem Großseglerwettbewerb und einem Festakt auf dem Flugplatz im Burgkunstadter Ortsteil Kaltenreuth gebührend gefeiert.
Werbung als Auslöser
Im Kino fing 1950 alles an. Ein Werbedia des inzwischen verstorbenen Gründungsmitglieds Martin Schäfferlein hatte den Stein ins Rollen gebracht. „Schäfferlein regte damit am 3. März 1951 in der Gastwirtschaft Herr in Burgkunstadt die Gründung der Segelfluggruppe (SFG) Burgkunstadt ‚Kordigast‘ an“, erzählte Vorsitzender Werner Hahn aus Altenkunstadt.
Ohne den Werbespot hätte Hahn bei der Jubiläumsfeier am Sonntagvormittag keine Dankesurkunde von Erwin Grünbeck, dem Sportbeauftragten des Bayerischen Landessportverbandes, erhalten. Sein eifriges Blättern in der Chronik wurde zum Daumenkino im XXL-Format, das die wechselvolle Geschichte des Vereins lebendig werden ließ:
Von den Anfangstagen in den 1950er Jahren, als noch echte Männer in einem selbst gebauten Segelflieger durch die Lüfte geschwebt waren, über die Einweihung des Vereinsheims 1971 bis hin zu den Erfolgen der Weltklassepiloten Wolf Fickenscher aus Neuses am Main und Andreas Kunz aus Kulmbach, die seit vielen Jahren den Namen der Burgkunstadter Modellfluggruppe in die Welt hinaustragen.
Der Vorsitzende kramte das alte Werbeplakat hervor, mit dem im Kino die Werbetrommel für die Gründung einer SFG gerührt wurde. Zielgruppe waren nicht Modellflugpiloten, sondern tollkühne Männer in ihren fliegenden Kisten. „Das waren junge Kerle, die im Zweiten Weltkrieg als Piloten gekämpft hatten. Sie waren begeistert von der Fliegerei und wollten diese als Hobby fortführen“, erzählte Hahn. Er zeigte das Gründungsprotokoll mit den Namen der Männer, die den Verein einst aus der Taufe gehoben hatten.
Erstes Segelflugzeug
In Kleinarbeit erschufen die Hobbypiloten ihr erstes eigenes Segelflugzeug, die SG 38, das am 4. Oktober 1953 auf den Namen „Stadt Burgkunstadt“ getauft wurde und noch am gleichen Tag seinen Jungfernflug bestand. Hahn, der sich in die Chronik eingelesen hatte, führte finanzielle Gründe für den Eigenbau des Fliegers an, der dann 1957 von einem Kronacher Flugschüler zu Bruch geflogen wurde. Der 31. August 1958 ging als rabenschwarzer Tag in die Vereinsgeschichte ein. Was war geschehen? „Pilot Hans Barnickel stürzte beim Landeanflug aus 15 bis 20 Metern Höhe mit der Ka 1 ab und musste schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht werden“, zitierte Hahn aus der Chronik. Das war der Anfang vom Ende der Großfliegerei und der Beginn der Modellfliegerei.
Über die Gründe konnte Hahn nur mutmaßen: Erhöhte Auflagen nach dem Unfall, ein zu kleiner Flugplatz und das Abwandern vieler Piloten zum Aeroclub Lichtenfels hätten für die manntragende Fliegerei in Burgkunstadt das Aus bedeutet.
Gleich das erste Jahr der Modellfliegerei sollte zum Beginn einer Erfolgsserie werden, die bis heute nicht abgerissen ist: Bei mehreren Wettbewerben wurden insgesamt fünf Wandertitel nach Burgkunstadt geholt.
1973 wurde eine Bezirksliga der Freiflugklassen eingerichtet. Oberfränkischer Meister wurde die Burgkunstadter Mannschaft, bestehend aus Willi Jakob, Edgar Lauer und Lorenz Schäfferlein. Zu den erfolgreichsten Piloten der SFG wurden Wolf Fickenscher aus Neuses am Main und Andreas Kunz aus Kulmbach, die in den vergangenen Jahrzehnten im Elektroflug nationale und internationale Erfolge sammelten.
Der Blick in die Zukunft stimmte den Redner hoffnungsvoll: „Nach Jahren rückläufiger Mitgliederzahlen, sind seit 2025 wieder mehrere Jugendliche mit großer Modellflugbegeisterung eingetreten, auf die wir große Hoffnung für den Fortbestand des Modellflugs setzen.“
Kreisvorsitzender Erwin Grünbeck vom Bayerischen Landessportverband zog seinen Hut vor den zahlreichen Erfolgen, die der Verein in den vergangenen Jahrzehnten erzielt hatte. Als Dank und Anerkennung überreichte er Hahn eine Urkunde. Zudem übergaben er und die Burgkunstadter Bürgermeisterin Susanne Bock von Wülfingen dem Vorsitzenden mehrere Kuverts mit Geldgeschenken.
Zweitägiger Wettbewerb
Anlässlich des Jubiläums fand auf dem Flugplatz ein zweitägiger Wettbewerb für GPS-Großsegelflugzeuge statt. Es handelte sich um einen Teilwettbewerb der „Contest-Eurotour“, an dem sich 19 Piloten aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Tschechien beteiligten.
Organisiert hatte den Wettstreit Andreas Kunz aus Kulmbach, der auf dem undankbaren vierten Platz landete, in Zusammenarbeit mit der Interessengemeinschaft „GPS Triangle“.