Stellt Oberbürgermeister Andreas Starke bereits beschlossene Schutzgebiete im Hauptsmoorwald erneut zur Disposition? Diese Frage stellt sich der Vorstand des Bundes Naturschutz (BN), nachdem der OB bei einer Videokonferenz zur Suche eines Standorts für den Neubau der Justizvollzugsanstalt (JVA) abermals den ehemaligen Schießplatz im Hauptsmoorwald als mögliche Fläche ins Gespräch gebracht hat. Über dieses Treffen des bayerischen Justizministers Eisenreich mit Staatsministerin Huml, den Abgeordneten Sowa und Dreml sowie OB Starke berichtete der Fränkische Tag am vergangenen Wochenende.

Der BN sieht zwar die Notwendigkeit eines Neubaus der JVA, doch der vom OB vorgeschlagene Standort löst allergrößte Verwunderung aus, heißt es in der Pressemitteilung der Kreisgruppe Bamberg im Bund Naturschutz. Schließlich habe der Stadtrat bereits Ende 2019 beschlossen, die Ausweisung des Schießplatzes als Naturschutzgebiet zu verfolgen.

„Die Schutzwürdigkeit dieser Flächen steht außer Frage und wurde bereits in verschiedenen Gutachten dokumentiert. Der große Wert wurde auch im Rahmen des Bebauungsplanverfahrens zum abgelehnten Gewerbegebiet auf Muna und Schießplatz deutlich“, erläutert Martin Bücker, Vorsitzender des BN Bamberg . Darüber hinaus hätten sich Stadtverwaltung und Stadtrat bereits im Jahr 2018 gegen eine Bebauung nördlich der Geisfelder Straße und für ein Naturschutzgebiet Schießplatz ausgesprochen. Nun fragen sich die Verantwortlichen des BN: Gelten für den Oberbürgermeister die Stadtratsbeschlüsse nicht? Die Stadtgesellschaft hat 2018 im Bürgerentscheid mit überwältigender Mehrheit von 75 Prozent der Stimmen für den Erhalt von Natur und gegen ein großes Gewerbe- und Industriegebiet auf Muna und Schießplatz gestimmt.

Irritiert ist der BN auch darüber, dass seitdem der Stadtrat Ende 2019 die Ausweisung von Schutzgebieten im Bereich des Hauptsmoorwaldes beschlossen hat, überhaupt nichts passiert ist. Skeptisch sieht der Umweltverband auch den Standort im gemeindefreien Gebiet, der in dem Gespräch zum Neubau der JVA ebenfalls vorgeschlagen wurde. Damit ist vermutlich die Fläche im Bereich der ehemaligen Panzerwaschanlage östlich der Autobahn zwischen Bamberg und Pödeldorf gemeint. Diese sei jedoch umgeben vom Nationalen Naturerbe Hauptsmoorwald und damit als Standort für die JVA kaum vorstellbar. „Wir werden die Diskussionen und Entwicklungen um den Neubau der JVA kritisch verfolgen“, kündigt Bücker an und erwartet, „dass die bereits beschlossenen Schutzgebiete nun endlich umgesetzt werden“. red