Leserbrief zur Berichterstattung über die Fußball-WM

Über die Hälfte der Spiele der Fußball WM 2026 sind gespielt, die Qualität der Spiele – naja, wechselhaft, auf fränkisch: „Kommer scho lossn“. Aber die Qualität der jeweiligen Vorberichte im TV – au weia, au weia.

Das ist aber eigentlich absehbar: Fußball ist ein Ballsport mit begrenztem überschaubarem Inhalt. Bei inzwischen 54 Gruppenspielen jeweils in einem ca 40-minütigen Vorbericht (= 36 Stunden Sendezeit) kommentatorisch stets Neues zu finden – unmöglich!

Und so feiern Plattitüden, Allgemeinplätze und harmloses Geplauder fröhliche Urständ. Viel Phrasendrescherei, inhaltsarmes Gequatsche und Lobhudeleien auf vergangene Meriten der Akteure ist angesagt („er hat schon alles erreicht, die Championsleague gewonnen …“) .

Nicht vergessen werden dürfen die Aufzählung der millionenschweren Gehälter und der zig-millionenschweren Ablösesummen der Akteure inklusive des „Gesamtwertes der Mannschaft“ (bei Frankreich circa 1,5 Milliarden!), um die Klasse des demnächst Gebotenen zu unterstreichen.

Das Ganze wird mit der im Sport schon zur Gewohnheit gewordenen „Superlativsprache“ präsentiert, Beispiele: überragend, hervorragend, überirdischer Pass in die Schnittstelle, Superstar, Superparade, Du merkst Elektrizität, steht wie ein Fels und wenn nichts mehr hilft – der unvermeidliche „Wahnsinn“. Zum krönenden Höhepunkt wird dieses Gesülze noch garniert mit einer fußballtaktischen Betrachtung zur aufgestellten Offensivabteilung. „Sie werden mit einer zurückgezogenen „10“, einer dominanten „6“ und einer variablen „8“ sowie einer hängenden „9“ versuchen, die gegnerische Abwehr zu knacken – Fußballchinesisch pur – für wen?

Mein Tipp an die Fernsehredaktionen: Verkürzt dieses Geplänkel und Gelaber auf 15 Minuten, es ist zudem völlig unnötig, zwei oder sogar drei sogenannte „Experten“ (= ehemalige Nationalspieler oder Trainer) zum voraussichtlichen Spielausgang um ihre Meinung zu bitten.

Fußball ist nach wie vor ein schönes, einfaches Spiel und sollte deshalb nicht in Dauerschleife von selbstverliebten Reportern heillos zerredet werden. Die einfache Grundregel lautet seit S. Herberger: „Das Runde muss ins Eckige“ – Wahnsinn.

Michael Pöhlmann

Thurnau