Atze Bauer ist ein Unikat, nicht nur von seinem Erscheinungsbild her. Kaum einer, der ihn nicht kennt: den Mann mit den verrückten Brillen und der besonderen Frisur.

„Tatsächlich ist das meine alte Frisur, nur ohne Haare“, lacht Bauer. Aus der Höchstadter Kulturszene ist der 61-Jährige kaum mehr wegzudenken, hat Formate auf die Beine gestellt wie 2009 die „Höchstadter Lachnacht“, die es inzwischen neben Erlangen und Nürnberg über Rödermark in Hessen, Distelhausen bei Tauberbischofsheim bis nach Hennigsdorf bei Berlin verschlagen hat.

„Atzes Krisenkiste“ und dem Livestream „Sonst nu was – Der Kaiser und der Bauer“ mit Jörg Kaiser wurden laut Bauer in der Corona-Zeit aus der Not heraus geboren. Künstler konnten nicht auftreten. „Ein Livestream aus dem Probenraum war uns zu langweilig“, sagt Bauer. Da sei ihm die Idee einer Kombination aus Livestream und Einzelhandel gekommen.

Doch was treibt ihn um, den T-Shirt-Drucker, Liederchaoten, Rocker, Comedian , Tausendsassa, der sich immer wieder neu erfindet? „Ich hab einfach Bock drauf“, sagt Bauer achselzuckend.

Los ging es in den 1980er-Jahren, als Bernd Bergmann als Bürgermeister die Geschicke von Höchstadt bestimmte. Für die Jugend gab es damals praktisch nichts außer dem Freibad. Also gründete sich die IJF, die Initiative für sinnvolle Jugendfreizeitgestaltung. Großzügigerweise hätte die Stadt Höchstadt in der Bauerngasse ein baufälliges Gebäude als Jugendzent-rum zur Verfügung gestellt. „10.000 Mark haben wir bekommen. Was der Bergmann nicht wusste, war, dass wir gut vernetzt waren. Ein Dachdecker hat Ziegel gesammelt und für das kaputte Dach gespendet. Wir hatten Handwerker, damit haben wir den ganzen Laden hingekriegt. Damit hat keiner gerechnet. Da waren wir sehr stolz, so fing das mit der Jugendarbeit an, mit dem Jugendzentrum.“

20 Jahre alt war Atze Bauer damals. Sein neuestes Projekt neben der „Band mit Witz“, die 2020 das Licht der Welt erblickte, ist „Der verrückte Sonntag“ – eine Plattform für darstellende Künstler der Region. Ein monatliches Programm mit fester Spielstätte im Heizhaus.

„Wir wollen die Vielfalt der Kultur in der Region zeigen“, sagt Bauer. Bei der Stadt hat er damit 2025 offene Türen eingerannt, da das Heizhaus als Location zu wenig genutzt wurde.

Warum braucht es das? „Weil wir Leute präsentieren können, die keiner kennt. Das ist ein Überraschungsmoment für die Leute. Die Künstler verdienen es, vor Publikum gestellt zu werden. So wie die junge Liedermacherin Lena Torn aus Höchstadt mit ihren tiefgründigen Texten. Von ihr werden wir noch viel hören“, meint Bauer. Auch würden die Künstler profitieren, indem sie ihre Netzwerke stärken und sich ausprobieren können.

Zwar geht das im Heizhaus, das mit 60 Plätzen bestuhlt werden kann, nur im Sommer, weil es entgegen seines Namens nicht beheizt ist. Dennoch würde Bauer sich freuen, wenn sich das Format als feste Größe etablierte. Die positiven Reaktionen des Publikums sprechen dafür.

Auch muss er nicht um Künstler betteln, fragen diese doch bei ihm an. „Die Leute haben ja Bock. Es gibt auch zu wenig Plattformen auf dem Land.“ Gerade im Bereich Comedy sei es wichtig, viel zu spielen, da es besonders aufs Timing ankomme. „Das muss man lernen.“

Für die Zukunft wünscht sich Atze Bauer, dass die Leute auch unbekannte Künstler unterstützen, dass sie zu den Shows kommen. Ob im Töpfla, in der Kulturfabrik oder im Fifty-fifty: „Wenn die Superstars spielen, ist es voll. Wenn die Superkünstler spielen, die keiner kennt, kommen sie nicht.“

An Sonntag mussten sie im Heizhaus noch Stühle dazustellen – und das, obwohl das Finale der Fußball-WM anstand. Zu Gast waren neben der Band mit Witz Stand-up-Comedian und Kabarettist Jörg Kaiser sowie das Saxophon-Ensemble „Höchstadter Saxen“.

Kaiser und Bauer kennen und mögen sich seit 20 Jahren. „Wir ergänzen uns“, sagt Kaiser. „Ich bin der typische Franke und Atze ist immer gut gelaunt.“ Und Bauer fügt hinzu: „Wir ziehen uns gegenseitig nauf und nunder“.

Jörg Kaiser (l.) und Atze Bauer kennen und ergänzen sich seit 20 Jahren.