Ob Straßenbauer, Dachdecker oder Gastronom: Hohe Temperaturen gehören für sie zum Berufsalltag, doch die derzeitige Hitzewelle belastet auch sie extrem. Was sie dagegen tun können und wo die Grenzen sind.

27 Grad auf dem Thermometer, die Luft ist voller Staub, die Maschinen lärmen: Bereits um acht Uhr morgens fühlt sich die Baustelle an der B 173 rund um den Nassanger bei Trieb wie eine unfreiwillige Sauna an. Die Mitarbeiter der Essmeyer Baulogistik GmbH und Essmeyer Tiefbau GmbH sind dennoch guter Laune und arbeiten daran, den Fels, der dort ausgebrochen wird, zu Schotter aufzubereiten. Die neue Straße wird an dieser Stelle tief ins Gelände eingeschnitten. Seit sechs Uhr ist die Baustelle voller Menschen, doch die ersten starteten bereits um 5 Uhr morgens – wegen der hohen Temperaturen, die im Laufe des Tages stetig steigen. In den Baumaschinen, wie den Baggern, sind seit Jahren Klimaanlagen ein fester Bestandteil. „Aber, wenn man dann rausgeht, dann läuft man gegen eine Wand, aus Hitze“, so Andreas Dorsch. Er arbeitet seit rund 25 Jahren in der Branche, aber solche Temperaturen habe er selten erlebt.

Und dann gibt es ja noch die Arbeit „draußen“. „An der Front hier ist es die Hölle“, weiß „Chef“ Claus Essmeyer. Vor kurzem sei etwa die Brecheranlage so heiß gewesen, dass man die Leiter nicht mehr hinaufsteigen konnte. Er hat seinem Team daher nahegelegt, die Arbeitszeiten nach Absprache flexibler zu gestalten. „Das geht aber nur dann, wenn zum Beispiel kein direkter Nachbar in der Nähe ist, der sich dann über den frühen Baulärm beschwert.“

Chef: Ich ziehe den Hut

Des Weiteren habe jeder Mitarbeiter ein „Sommerset“ erhalten. Darin befinden sich Sonnencreme, Sonnenbrillen und vieles mehr als Hitzeschutz. Viel Trinken sei zudem unerlässlich. „Ich ziehe den Hut vor meinem Team!“, würdigt Claus Essmeyer. Doch er betont auch: „So belastend das jetzt auch ist: Der Winter mit viel Regenfällen und Schnee hält unsere Arbeiten meistens mehr auf.“

Material erhitzt sich

Ähnlich geht es auch Denis Kreßner aus Lichtenfels. Seine Dachdeckerei samt sechs Mitarbeitenden ist ebenfalls stark von der Hitze geplagt. Zwar beginnen die Mitarbeitenden derzeit auch früh am Tag, „aber, wenn es gar nicht mehr geht, dann hören wir auch um 12 Uhr Mittag auf.“

Kein Wunder: Sie arbeiten nicht nur oft in der prallen Sonne, sondern haben auch mit der Erhitzung des Materials zu kämpfen: „Teilweise haben wir schon Schieferplatten ins Wasser gelegt. Auf dunklen Oberflächen könnte man außerdem Spiegeleier braten. Das sind teilweise über 90 Grad“, berichtet Denis Kreßner. Doppelte Vorsicht sei daher unerlässlich – und das gemeinsam. „Jede halbe Stunde gehen wir vom Dach und trinken, so erinnern wir uns gegenseitig daran.“ Feuchte Handtücher im Nacken sorgen ebenfalls für kurzzeitige Abkühlung.

Doch wenn solche Hitzewellen in den kommenden Jahren anhalten sollten, dann wird sich das vermutlich irgendwann preislich widerspiegeln, vermutet der Geschäftsführer. „Oder man wird umstrukturieren müssen, wie in südlichen Ländern, und nach einer Mittagspause dann abends wieder Stunden reinarbeiten. Die Frage ist aber, ob das gewünscht ist, gerade, wenn es Lärm macht.“

Früher Beginn hat Nachteile

In den Abendstunden arbeiten ist für die beiden nächsten Gastronomen keine Seltenheit. Ludovico Milan vom Imbiss Leckerbissen in Burgkunstadt bietet von der Bratwurst bis zum Schnitzel kulinarische Vielfalt an. Das bedeutet aber auch: Der heiße Grill und die Fritteuse laufen auf Hochtouren. Ludovico Milan schwitzt und nutzt daher die kurzen Pausen, um mal vor die Tür zu gehen oder sich von den beiden Ventilatoren abkühlen zu lassen. „Das ist der Vorteil, selbstständig zu sein. Wenn ich in einer Kantinenküche oder so arbeiten würde, ginge das vielleicht nicht.“

Doch die Hitzewelle schlägt sich auch auf den Appetit der Kunden nieder: „Es kommen weniger, das verstehe ich voll.“ Das hat aber auch zur Folge, dass er die Lebensmittel ständig neu aus der Kühlung holen, dann zubereiten und wieder verräumen muss. Wenn er durchgehend Kunden bei normalen Temperaturen bedient, können die Waren anders, jedoch ebenso sicher, gelagert werden. So behält er sich vor, am Abend vielleicht auch mal früher Schluss zu machen. „Ich muss auch auf meine Gesundheit achten.“ Er ist sich sicher, dass seine Kunden das verstehen. „Und die Stammkunden kommen auch bei der Hitze“, freut er sich. Von „Gewohnheit“ spricht dagegen Mahmut Tokgiz vom Bacanak Imbiss in Lichtenfels: Er arbeitet seit rund 25 Jahren in der „Hitze“, der Gastronomie. Er schätzt, dass es vor dem Dönerspieß etwa 50 Grad habe. Doch stets tragen er und sein Geschäftspartner Liha ein Lächeln auf dem Gesicht. Abkühlung gibt es für ihn durch Ventilatoren. Zudem kann er sich in den Hinterräumen des Imbiss ab und an Wasser über den Kopf laufen lassen.

Wertschätzung für Arbeit

Dann steht er wieder für seine Kunden bereit. In diesen Tagen sind es weniger. „Rund 30 Prozent“, schätzt er. Aber die, die kommen, zeigen Wertschätzung: „Danke, dass wir bei der Hitze zu Hause nichts kochen müssen und einfach einen Döner oder anderen Imbiss abholen können“, so ein Kunde.