Hallstadts Einnahmen hängen stark an der Gewerbesteuer. Nach dem Ausbruch der Corona-Pandemie im vergangenen Jahr war daher erst einmal Zurückhaltung gefragt, insbesondere als es bei den Haushaltsberatungen um die Anträge der Fraktionen ging. Nun stand die Haushaltssitzung des Stadtrats an. Wie sind die Aussichten?

"Nach wie vor rechnen wir mit reduzierten Einnahmen. Dennoch befinden wir uns in der glücklichen Situation, in den vergangenen Jahren gut gewirtschaftet und so ein Polster aufgebaut zu haben." Hallstadts Bürgermeister Thomas Söder führte in der jüngsten Stadtratssitzung in die aktuelle Situation ein. Besonders positiv sei gewesen, dass es vom Staat eine Kompensation für die ausgefallenen Gewerbesteuereinnahmen gegeben habe - Hallstadt habe hier Zuschüsse von rund neun Millionen Euro bekommen. "Natürlich wünschen wir uns, dass es eine solche Unterstützung auch in diesem Jahr wieder gibt."

Die Details zum Haushalt 2021 hatte Kämmerer Markus Pflaum dabei. Der Verwaltungshaushalt (laufende Kosten der Stadt ) summiert sich auf 25,4 Millionen Euro (2020: 26,4 Millionen Euro), der Vermögenshaushalt (Investitionen) wird 10,7 Millionen Euro (2020: 12,5 Millionen Euro) schwer sein. Somit reduziert sich das Haushaltsvolumen im Vergleich zum Vorjahr erneut.

Nach wie vor hat Hallstadt hohe Rücklagen. Auch durch den staatlichen Zuschuss in Sachen Gewerbesteuer mussten diese nicht, wie zunächst befürchtet, angegriffen werden. Pflaum war in der Haushaltssitzung im Juli 2020 noch von einer Entnahme von acht Millionen Euro ausgegangen - die Rücklagen wären dann auf 22 Millionen Euro gefallen. Aktuell beträgt die Rücklage 32 Millionen Euro, für dieses Jahr kalkuliert Pflaum mit einer Entnahme von 5,9 Millionen Euro.

Im Fokus des Haushalts 2021 stehen die Kinderbetreuung, der Abschluss von Baustellen und auch der Beginn von neuen sowie die Unterstützung der Vereine in der Pandemie.

Eingearbeitet hatte Pflaum bereits die Anträge der einzelnen Fraktionen. Sämtliche wurden bei der Abstimmung auch positiv beschieden - nicht immer einstimmig, aber mit deutlichen Mehrheiten: die Einführung eines jährlichen Bürgerhaushaltes in Höhe von 100 000 Euro, der Projekte unterstützen soll, die ausschließlich von Bürgern vorgeschlagen und entschieden werden, die Sanierung der Durchgangsstraße in Dörfleins, die Erneuerung des Spielplatzes am Kreuzberg als Abenteuerspielplatz, eine bessere Grünflächenpflege und nachhaltiges Pflanzenmanagement - dafür wird eventuell eine neue Personalstelle im Bauhof benötigt, die Weiterentwicklung des Verkehrskonzeptes, die Planung eines Alltagsradweges Richtung Gundelsheim, ein Tourismuskonzept, der Ausbau von Wanderwegen, Zuschüsse für umweltschutzfördernde Maßnahmen, die Unterstützung der Vereine auch durch die Übernahme von Kosten für Security aufgrund behördlicher Bescheide und die Sanierung von Ortsstraßen.

Ab 2022 jährlich um fünf Cent erhöht werden die Wasser- und die Abwassergebühr , damit hier langfristig die Kostendeckung erreicht wird. Alle Beschlüsse zu Haushalt und Finanzplanung fielen einstimmig.

Ausdrücklich begrüßt wurde vom Stadtrat das "Umsetzungskonzept der hydromorphologischen Maßnahmen für den Flusswasserkörper 2 (Main von Kloster Banz bis zur Regnitz)". Ziel des Wasserwirtschaftsamtes ist hierbei, dass alle Oberflächengewässer wie Flüsse und Seen und auch das Grundwasser bis spätestens 2027 einen "guten ökologischen Zustand" erreichen. Größtenteils geht es dabei um Renaturierungen.

Nachdem die Wahl der Feuerwehrkommandanten in Dörfleins aufgrund der Corona-Pandemie nicht stattfinden konnte, bestellte der Stadtrat Stefan Hofmann (Kommandant) und Edgar Dünkel (stellvertretender Kommandant) zu Notkommandanten. Die Wahl soll, sobald möglich, nachgeholt werden.

Bahn zwingt zu Sondersitzung

Von der Tagesordnung gestrichen werden musste die Stellungnahme zum Bahnausbau. "Eigentlich wollten wir unsere Einwendungen heute hier verabschieden. Anfang der Woche kamen aber neue Unterlagen der Bahn zu Baustellenabläufen, die Sichtung läuft noch", erklärte Bürgermeister Söder. "Ich finde es erstaunlich, dass die Bahn mitten im laufenden Prozess solche wesentlichen Unterlagen nachreicht." Daher wird der Stadtrat , voraussichtlich am 7. April, eine Sondersitzung einschieben müssen.