Die europäischen Rüstungsunternehmen müssen enger zusammenarbeiten. Mit Fusionen lassen sich in der zersplitterten Branche leistungsfähigere Einheiten schaffen, sodass Verteidigungsgüter schneller in höherer Stückzahl und damit kostengünstiger hergestellt werden können. Entsprechende Appelle fruchten kaum.
Als ob es Trump und Putin nicht gäbe, dominiert nationaler Egoismus. Unternehmen wie der französische Kampfflugzeugbauer Dassault agieren autistisch. Das Scheitern des deutsch-französischen Luftverteidigungsprogramms FCAS kann man vor allem an einem Namen festmachen: Dassault-Chef Éric Trappier beanspruchte gegenüber Deutschland rücksichtslos die Führungsrolle, was die Entwicklung eines neuen Kampfflugzeugs betrifft. Der Manager war nicht von Staatspräsident Emmanuel Macron bei seiner Solo-Nummer zu bremsen.
Gilt bald die Devise
„Frankreich zuerst“?
Trappier ließ seinen Landsmann abblitzen, schlicht, weil er ihn als „Lame Duck“, eben lahme Ente, ansieht und darauf spekuliert, dass die ultrarechte Partei Rassemblement National (RN) bei den Präsidentenwahlen im kommenden Jahr die Nase vorne hat und dann ohnehin die Devise gilt: Frankreich zuerst. Ob Marine Le Pen bei der Abstimmung für den RN auflaufen darf, entscheidet am Dienstag ein französisches Gericht.
Sonst tritt ihr politischer Ziehsohn Jordan Bardella an. Auf alle Fälle könnte das FCAS-Desaster nicht das einzige deutsch-französische Verteidigungsvorhaben sein, das auf der Strecke bleibt. So hält es Rheinmetall-Chef Armin Papperger für möglich, dass auch die Entwicklung eines gemeinsamen Panzers für beide Nationen als Nachfolger des deutschen Leopard und des französischen Leclerc ausgebremst werden könnte.
Frankreich sieht sich immer noch als „Grande Nation“ an und wirkt dabei kleingeistig. Die Rüstungsbranche ist für viele in unserem Nachbarland ein Heiligtum. Dabei können Franzosen und Deutsche, wenn sie zusammenarbeiten, Großartiges vollbringen, wie das Beispiel Airbus zeigt. Ein ähnlicher Erfolg wäre auch mit dem FCAS- und dem Panzerprojekt möglich. Es ist traurig, dass sich Europa immer wieder selbst ein Bein stellt – und das im Bewusstsein einer amerikanischen Kehrtwende, was die transatlantischen Beziehungen betrifft.
Es braucht europäische
Rüstungs-Champions
Die Europäer können sich nicht mehr auf die USA als Garant für ihre Verteidigung verlassen. Gleichzeitig bedroht Russland unsere Demokratien. Die logische Konsequenz aus der fatalen Situation wäre die Devise: Wir müssen mehr Europa wagen und damit europäische Rüstungs-Champions schaffen. Da sich Vernunft in Europa nur im Schneckentempo durchsetzt und die Gefahr besteht, dass nach Italien auch Frankreich und Großbritannien in die Fänge extrem rechter populistischer Parteien geraten, liegt die Schlussfolgerung für Deutschland nahe: Wir müssen unsere Verteidigungsindustrie durch eine noch intensivere Zusammenarbeit der Firmen stärken.
Defence-Valley
in Süddeutschland
Zum Glück gibt es hierzulande leistungsfähige Anbieter wie Airbus, Rheinmetall, Diehl, Hensoldt, MBDA, Renk, KNDS Deutschland oder TKMS. Die Unternehmen können Panzer samt Getrieben, Schiffe, Radare, Lenkflugkörper, Flugzeuge, Hubschrauber und vieles mehr bauen. Hinzu kommen neue Rüstungsspieler, die wie Helsing, Quantum Systems, Stark und Arx Robotics mit den Großen kooperieren.
In Süddeutschland entsteht ein Defence-Valley. Drohnen werden mit künstlicher Intelligenz ausgestattet. Während Frankreich von uns bei Rüstungsprojekten abrückt, ergeben sich industriell mit der Ukraine neue Allianzen. Die Franzosen schaden sich und Europa mit ihrem Egoismus. Das ist ganz im Sinne von Putin.