Leserbrief zum Artikel „Ruhe vor dem Proteststurm“, AfD-Parteitag in Erfurt:

Der 4. Juli in Erfurt war, wie vom „Bündnis Zusammenstehen“ geplant und im Artikel beschrieben ein Fest der Demokratie. Von „Gefahr für Leib und Leben“ oder gar „bürgerkriegsähnlichen Zuständen“, welche die AfD heraufbeschwor, war nichts zu sehen.

Tausende Menschen aus ganz Deutschland kamen zusammen, um friedlich und entschlossen gegen den AfD-Parteitag und für Demokratie, Vielfalt und Menschenwürde einzustehen.

Besonders beeindruckt hat uns als Teilnehmende, wie weit die Menschen angereist waren: Studierende aus Freiburg berichteten von ihren 13 Bussen. Wir trafen Omas gegen Rechts aus Hamburg, Berlin, Ostfriesland, Bielefeld, Frankfurt, Aachen, vom Bodensee, aus Nürnberg, Bamberg, Coburg, Kronach und vielen weiteren Orten.

Erfurt zeigte sich als großartiger Gastgeber. Die Stadt war voller Musik, Kunst, Infoständen, Begegnungsorten und kreativer Aktionen. Die hervorragend organisierte Demonstration bot zudem bewegende Redebeiträge, Ruhezonen und eine Atmosphäre, in der sich alle willkommen fühlten.

Besonders bewegend waren die vielen Gespräche und Begegnungen. Sie haben Mut gemacht und gezeigt, wie stark unsere Zivilgesellschaft ist. Pfadfinder, Wohlfahrtsverbände, Gewerkschaften, Studis gegen Rechts, Parteien und zahlreiche Initiativen – darunter wir von den Omas gegen Rechts – standen gemeinsam für eine offene und demokratische Gesellschaft ein.

Besonders gefreut hat uns die große Zahl junger Menschen, die mit ihrer Präsenz Hoffnung für die Zukunft machten.

Leider wurde dieser wunderbare Tag auch überschattet. Trotz aller Bemühungen um Deeskalation kam es zu einigen wenigen Auseinandersetzungen mit der Polizei. Die zahlreichen Bilder und Berichte könnten Zweifel aufkommen lassen, ob die eingesetzten Maßnahmen der Einsatzkräfte verhältnismäßig waren.

Umso wichtiger ist es, dass wir als demokratische Gesellschaft zusammenstehen, uns ein eigenes Bild machen, mit gestalten, weiterhin unsere Grundrechte wahrnehmen und uns nicht einschüchtern lassen.

Was wir an diesem Tag überall gespürt haben, lässt sich mit wenigen Worten beschreiben: Zusammenhalt, Herzlichkeit sowie gelebte und vielfältige Demokratie.

Ein Tag, der Mut macht.

Maria Miller-Gadumer

im Namen weiterer Unterzeichner

Eggolsheim