Seit fast fünf Jahrzehnten prägt Heinz Rudolf Kunze die deutschsprachige Pop- und Rockmusik. Mit Liedern wie „Dein ist mein ganzes Herz“ wurde er einem Millionenpublikum bekannt, doch der Sänger und Schriftsteller hat sich nie auf seine größten Erfolge reduzieren lassen.

Am Sonntag, 12. Juli, gastiert der 69-Jährige mit seinem aktuellen Solo-Programm „Das sagt der Richtige“ auf der Seebühne in Bad Staffelstein. Im Gespräch mit unserer Redaktion spricht der Liedermacher über den Reiz kleiner Bühnen, die Kraft von Livekonzerten und darüber, warum ihn die Ideen bis heute einfach finden.

Herr Kunze, Ihr neues Programm heißt „Das sagt der Richtige“. Ist das Selbstironie oder steckt darin eine Botschaft?

Heinz Rudolf Kunze : (lacht) Ich habe mal in einem Sprechtext vor vielen, vielen Jahren geschrieben: „Wenn ich eine Botschaft hätte, dann würde ich hingehen, ich würde gerne ausgewiesen werden.“ Wenn ich eine einzige Botschaft hätte, würde ich sie einfach verkünden. Ich habe viele kleine Botschaften. Und ich versuche immer, meinen Worten auch etwas Heiterkeit und Augenzwinkern mitzugeben. Ob „Das sagt der Richtige“ nun Selbstlob oder Ironie ist, darf jeder selbst entscheiden.

Sie stehen seit Jahrzehnten auf der Bühne. Was reizt Sie heute noch am direkten Kontakt mit dem Publikum?

Der unmittelbare Austausch gehört zu den schönsten Seiten unseres Berufs. Wir erleben direkt, wie die Menschen auf unsere Lieder reagieren. Das haben Schriftsteller oder Maler in dieser Form kaum. Gleichzeitig ist das heute auch wirtschaftlich wichtig. Nur Musiker, die live spielen, haben noch eine echte Überlebenschance. Von Tonträgern kann man kaum noch leben. Streaming ist für mich eine abartige Form der Musikaneignung, weil Künstler dafür praktisch nichts bekommen. Ich selbst kaufe bis heute CDs. Ich möchte Musik besitzen, anfassen und im Regal stehen haben.

Nach vielen Tourneen mit Band sind Sie diesmal allein mit Gitarre und Klavier unterwegs. Was macht dieses Format besonders?

Mit der Band kann ich nur alle paar Jahre auf Tour gehen. Solo bin ich das ganze Jahr unterwegs und kann auch an Orte kommen, die für eine große Band wirtschaftlich gar nicht möglich wären. Außerdem hören die Menschen die Lieder dann so, wie sie ursprünglich entstehen – mit einer Stimme und einem Instrument. Im Grunde können sie mir dabei zusehen, wie meine Songs geboren werden. Für mich schließt sich damit auch ein Kreis, denn genauso habe ich als Student angefangen.

Sie haben sich immer wieder in gesellschaftliche Debatten eingemischt. Hat sich Ihre Rolle als Künstler verändert?

Meine Rolle nicht, aber meine Position innerhalb der Gesellschaft. Ein Künstler sollte sich nie zu bequem in den bestehenden Verhältnissen einrichten. Ich möchte meine Gedanken anbieten und Menschen überzeugen – aber nicht überreden. Entscheidend ist für mich der Dialog. Ich habe den Eindruck, dass wir heute immer weniger miteinander reden und einander zuhören. Das halte ich für eine gefährliche Entwicklung.

Sie schreiben seit Jahrzehnten Lieder, Bücher und Essays. Woher kommt diese ungebrochene Kreativität?

Das weiß ich selbst nicht. Ich habe einen unausrottbaren Spieltrieb. Ich muss einfach mit Worten und Tönen arbeiten. Die Ideen suche ich nicht – sie finden mich. Ich hatte noch nie eine Schreibblockade. Im Gegenteil: Mit den Jahren sind es eher mehr Ideen geworden. Ich habe inzwischen schätzungsweise 14.000 Texte geschrieben. Die allermeisten davon werden niemals veröffentlicht.

„Dein ist mein ganzes Herz“ begleitet Sie seit mehr als 40 Jahren. Hat sich Ihr Blick auf dieses Lied verändert?

Natürlich. Ich habe nie ganz verstanden, warum gerade dieses Lied so ein riesiger Erfolg geworden ist. Es zeigt nur einen kleinen Ausschnitt dessen, was ich eigentlich mache. Aber es hat natürlich auch etwas Schönes: Selbst Menschen, die meinen Namen nicht kennen, erkennen mich sofort, wenn ich den Titel nenne. So ein Lied zu haben, ist ein großes Geschenk.

Ihr aktuelles Album „Angebot und Nachfrage“ wirkt persönlicher und nachdenklicher. Ist das eine Folge des Älterwerdens?

Ich würde sagen: persönlich, emotional und stellenweise auch zornig. Besonders glücklich bin ich über die Zusammenarbeit mit meinem Produzenten Udo Rinklin. Er bringt Ideen ein, auf die ich selbst nie gekommen wäre, und fordert mich immer wieder heraus. Dadurch habe ich das Gefühl, musikalisch noch einmal einen Schritt nach vorne gemacht zu haben.

Sie blicken inzwischen auf fast fünf Jahrzehnte Karriere zurück. Worauf schauen Sie heute mit besonderer Dankbarkeit?

Insgesamt bin ich einfach dankbar, dass ich so viele Jahrzehnte dabei sein darf. Ich habe viele Karrieren kommen und gehen sehen. Ich darf immer noch mitspielen im großen Theater. Natürlich gab es Höhen und Tiefen, Fehler und Rückschläge. Künstler zu sein, ist eine besonders verschärfte Form von Leben. Aber wenn ich zurückblicke, überwiegen die hellen Töne. Es gab unvergessliche Konzerte und Momente im Studio. Ich würde es alles noch einmal genauso machen.

Was wünschen Sie sich, dass die Besucher nach Ihrem Konzert mit nach Hause nehmen?

Ein Leuchten und ein Lächeln auf ihrem Gesicht natürlich.

Interview: Lukas Pitule