Dass die Fußball-Weltmeisterschaft aus deutscher Sicht ein Erfolg war, das sieht hierzulande wohl kaum jemand so. Edi Kainer schon. Zumindest bezeichnet er einen Teil der WM als vollen Erfolg. Er meint damit die gemeinsame Zeit mit den anderen Burker Fanclub-Mitgliedern Roland Sterzl, Marion Kilian-Buresch und Harald Buresch. „Es war wieder eine Mega-Fußball-Reise“, sagt Edi Kainer am Telefon. Mittlerweile ist Kainer wieder zu Hause angekommen – zwei Tage schneller als seine Koffer.
Alle deutschen Vorrundenspiele hat die Reisegruppe besucht. Ein halbes Jahr lang hatte die Truppe alles minutiös geplant – mit Erfolg. „Wir waren megazufrieden. Alle Buchungen haben geklappt, wir konnten problemlos ein und ausreisen. Und wir haben so viele nette Leute getroffen. Es sind die Menschen, die aus dieser WM ein so positives Event machen“, sagt Kainer. „Jeder sagt dir, dass er irgendwie eine Verbindung zu Deutschland hat.“
Franken treffen Franken
Natürlich war das vor allem im „German House of Soccer“ in New York so, wo sich die vier Burker DFB-Fans am Vorabend des Ecuador-Spiels zusammen mit vielen Anhängern und Fußball-Prominenz einfanden. Mitten darunter: Julia Simic. Die Trainerin und TV-Expertin stammt aus Nürnberg. Sie war eine begehrte Gesprächs- und Fotopartnerin und hatte daher wenig Zeit für einen Plausch.
Anders war das auf den Straßen von New York City. Den plötzlich kam den vier Burkern kein Geringerer als Giovane Elber entgegen. „Ich habe ihn angesprochen und gefragt, ober es denn wirklich ist“, sagt Kainer. Er war es – und Elber hatte keine Eile, nahm sich Zeit für ein Gespräch mit den fränkischen Fans. Einen einzelnen Höhepunkt kann Edi Kainer bei seinem 25. internationalen Turnier mit DFB-Beteiligung nicht ausmachen. Er denkt etwas nach und erzählt dann von drei besonderen Geschichten:
In Toronto beim Spiel gegen die Elfenbeinküste saßen die vier Fans zunächst nicht zusammen. Marion Kilian-Buresch und ihr Mann Harald hatten Plätze direkt hinter einem der beiden Tore. In Halbzeit 2 kamen auch Sterzl und Kainer dorthin. „So haben wir gemeinsame die kleine Burker Fahne hochhalten können.“ Und das Rot-Schwarz mit dem Ortsnamen darauf flimmerte dann nach Abpfiff im ZDF über die Bildschirme. 18 Millionen in Deutschland sahen es.
Zwei weitere Kainer-Highlights ereigneten sich in New York. Und eines davon hat wieder mit einer Fahne zu tun. „Wir sind mit zwei Rikschas durch den Central Park gefahren“, erzählt der Burker. Natürlich nicht, ohne an einem Gefährt die große Burker Deutschland-Fahne anzubringen. „Mit der sind wir dann von einigen Fans erkannt worden“, sagt Kainer. „Der Wiedererkennungswert ist riesig.“ Und das mitten im Central Park. Denn zwischen den regelmäßigen deutschen WM-Fahrern gibt es immer wieder Verbindungen. Man sieht sich überall auf der Welt. Mit der Zeit kennt man sich – oder sieht sich nach Jahrzehnten wieder. Das ist auch Kainer passiert. „An der Bushaltestelle mitten in New York stand plötzlich ein Freund aus Oberfranken“, sagt Kainer. „Wir haben uns vor 32 Jahren bei der WM 1994 bei einer Party im Hard Rock Café in Chicago angefreundet und uns dann irgendwann aus den Augen verloren.“ Beide tragen ein ähnliches Shirt, dass ihre bisherigen WM-Stationen auflistet. Jetzt haben beide wieder Nummern ausgetauscht.
Geburtstag in New York City
Knapp zwei Wochen war die Burker Reisegruppe in den USA und Kanada unterwegs. Schon vor dem Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft stand fest: Das WM-Abenteuer für die fränkische Gruppe endet vor der K.-o.-Phase.
Sterzl und Kainer flogen am Sonntag zusammen zurück – und waren unter Zeitdruck. Davon wusste aber nur Kainer. Denn Sterzl hatte in New York seinen 70. Geburtstag gefeiert. Geplant war die Landung der beiden in Nürnberg für den Montag gegen 13.30 Uhr. Eine gute Stunde später sollten sich 25 Gäste zu einer Überraschungsparty einfinden.
Kainer war eingeweiht. Doch dann hieß es: Flug umgebucht, Ausfälle, Verspätungen. Mit etwas Verzögerung waren beide noch am Abend zurück – und feierten zusammen mit den Gästen den runden Geburtstag nach.
Das Aus der deutschen Mannschaft hat Kainer zu Hause verfolgt. Auch Tage später ist er noch enttäuscht vom Auftritt der DFB-Elf und seiner Verantwortlichen rund um das Paraguay-Spiel: „Zu seiner Hoffenheimer Zeit war ich ein Nagelsmann-Fan. Allerdings hat er völlig die Spur verloren“, sagt Kainer. „Wer vor dem Spiel, während des Spiels und danach auf der Trainerbank Fingernägel kaut, ist keine Führungskraft.“
Kainer sagt: „Ein guter Trainer muss ein Menschenfänger sein, mit seinen Spielern viel kommunizieren. Das ist nicht passiert. Aus diesem Grund ist die Mannschaft keine Mannschaft geworden. Und es haben sich keine Teamleader entwickelt.“ Neuer sei zu sehr mit sich selbst beschäftigt gewesen. Kimmich habe sich rückwärts entwickelt.
„Nagelsmann ist absolut überfällig. Es geht nur noch um die Abfindung“, sagte Kainer am Donnerstagnachmittag. „Der Schaden, der für die vielen Amateurvereine und deren jungen Spieler entstanden ist, ist riesig. Die jungen Leute brauchen Spielern, zu denen sie aufschauen, die sie als Vorbilder haben.“ Bereits einen Tag später sollte der Forchheimer bestätigt werden. Das Kapitel Nagelsmann beim DFB wurde am Freitag geschlossen.
Die Anhänger jedenfalls hatten sich vom Turnier mehr erwartet, meint Kainer. „Die Fans waren bereit für ein Sommermärchen. Ich habe das hier in Deutschland und bei der WM-Reise in den USA spüren können. Wir wurden bitter enttäuscht.“
Einmal Fan – immer Fan
Für Roland Sterzl war vor dem Turnier eigentlich klar, dass die WM in den USA sein letztes großes Turnier werden würde. „Roland grübelt schon wieder“, sagt Kainer. „Aber nicht bloß wegen der EM 2028, sondern auch über die Weltmeisterschaft in vier Jahren.“
Auch für Edi Kainer ist klar: „Trotz aller Schwierigkeiten wollen wir weiterhin zu den Spielen der Nationalmannschaft“, sagt er. Fan bleibt eben Fan. Und um die „Erfolge“ im Punktesystem aufrechtzuerhalten, dass Fanclub-Mitgliedern ermöglicht, weiterhin an Karten zu kommen. „Der nächste große Big Point könnte für mich die Frauen-WM kommendes Jahr in Brasilien werden“, sagt er. „Aber dafür laufen die Planungen erst in ein paar Monaten an.“