"Es gibt kein ,System der schleichenden Triage ' in unseren Heimen." Mit dieser Aussage nehmen der Deutsche Evangelische Verband für Altenarbeit und Pflege (DEVAP) und mit ihm das Diakonische Werk Bamberg-Forchheim, Träger des Altenheims St. Elisabeth in Ebern, Stellung zu einer Aussage von Eugen Brysch, dem Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz. Dieser hatte in einem TV-Bericht berichtet, es gäbe ein "schleichendes System der Triage in deutschen Heimen".

In der Notaufnahme werden Menschen, denen es besonders schlecht geht, auch besonders dringlich behandelt. Anders dagegen im Falle der " Triage ". Der Begriff kommt aus dem Französischen und bedeutet "Auswahl" oder "Sichtung". In Feldlazaretten entschied man einst per " Triage ", welcher Verletzte zuerst behandelt werden sollte. Geholfen wurde zunächst denjenigen, die die besten Chancen auf eine rasche Genesung hatten, um schnell wieder kampfbereit zu sein. Später bürgerte sich der Begriff für Notfälle ein, in denen es an Zeit, Personal und Material mangelt, so dass eine angemessene Versorgung aller nicht mehr möglich ist. In solchen Situationen dient die Triage dazu, Behandlungsentscheidungen so zu treffen, dass möglichst viele Menschen überleben.

Nun wurde den Heimen durch Eugen Brysch und Politikern in der TV-Sendung "Fakt" am 26. Januar unterstellt, sie würden in der Corona-Krise eine "stille Triage " betreiben. Viele an Corona erkrankte Menschen in den Pflegeeinrichtungen , so lautete der Vorwurf des Vorstands der Patientenschutzorganisation, würden - anders als in der ersten Pandemiewelle - nicht mehr auf die Intensivstationen gebracht. Stattdessen lasse man sie im Pflegeheim sterben. In der Sendung hieß es, Bewohner von Alten- und Pflegeheimen würden dazu gedrängt, auf eine Behandlung im Krankenhaus bei einer Corona-Infektion zu verzichten, um keine Intensivplätze für Jüngere zu belegen.

Das Diakoniewerk Bamberg-Forchheim verweist demgegenüber auf einen Standard in den Heimen, dass die Bewohner bei Einzug nach vorliegenden Patientenverfügungen gefragt werden. Im Hospiz- und Palliativgesetz sei zudem das Instrument der Gesundheitlichen Versorgungsplanung im Alter implementiert, das man, wie in vielen Pflegeeinrichtungen üblich, in Einzelfällen obendrein durch ethische Fallbesprechungen ergänze.

Wünsche werden ernstgenommen

Bereits seit 2018 setzt die Diakonie Bamberg-Forchheim eigens geschulte Berater für Gesundheitliche Versorgungsplanung ein, wie sie das Sozialgesetzbuch vorsieht. Vier Kräfte - Gisela Ovali, Linda Grau, Rocio Raschpichler und der Eberner Sven Steffan - seien in allen elf Pflegeheimen der Diakonie Bamberg-Forchheim im Einsatz. Sie besprechen der Presseerklärung zufolge in Einzelgesprächen mit den Senioren oder gemeinsam mit deren Angehörigen die Wünsche über medizinisch-pflegerische Abläufe, die Möglichkeiten medizinischer Interventionen sowie palliative Maßnahmen für die letzte Lebensphase. Die Berater unterstützen demnach auch bei der verbindlichen Formulierung der Wünsche, damit im Ernstfall im Interesse des Betroffenen gehandelt wird.

Der Vorwurf, die Mitarbeiter nähmen gemeinsam mit Ärzten eine Auswahl vor, welcher Bewohner eine intensivmedizinische Versorgung erhalte, sei unhaltbar. Diakon Wolfgang Streit, Abteilungsleiter stationäre Altenhilfe bei der Diakonie Bamberg-Forchheim, wehrt sich gegen diese Behauptung: "Jede und jeder unserer Mitarbeitenden in unseren Seniorenzentren tut alles dafür, das Leben der Bewohnerinnen und Bewohner zu schützen, zu erhalten und in jeder Phase lebenswert zu gestalten." Das entspreche dem Leitbild "Zeit für Leben" und der christlichen Ethik der Diakonie . Aus diesem Grund habe man sich sofort nach Einführung des entsprechenden Paragrafen im Sozialbuch zu dessen Umsetzung entschlossen. "Wir fühlen uns wie Herr Brysch dem Schutz der Menschen verpflichtet, umso deutlicher weisen wir deshalb seine pauschalen und ungerechten Unterstellungen zurück." eki