Manchmal fügt sich das Leben wie ein Puzzle. So scheint es zumindest im neuen Haincafé in Bamberg gewesen zu sein. Barbara Blecha, Leiterin des Caritas Pflegezentrums St. Otto, wollte ursprünglich nur anfragen, ob das neue Café im Hain die Torten der Villa Remeis beziehen könne. Doch nachdem bekannt geworden war, dass das traditionsreiche Kleinod auf dem Rothenberg wegen Sanierung schließen muss, brauchte es nur wenige Gespräche, bis feststand: Nicht nur die Backwaren ziehen um – das gesamte Team kommt mit.

„Unsere Sorge war lange: Was, wenn wir keine passende Alternative finden?“, erzählt Simone Stroppel, Geschäftsführerin des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF), dem Betreiber des Café Villa Remeis. Umso größer sei die Erleichterung gewesen, als sich eine Zusammenarbeit mit der Caritas abzeichnete. „Für beide Seiten war schnell klar: Das wollen wir gemeinsam umsetzen“, so Blecha.

Ab dem heutigen Mittwoch, 1. Juli, empfängt das Team der Villa Remeis seine Gäste in der Hainstraße 24 – inklusive hausgemachter Spezialitäten. Bei einer Generalprobe am Freitag, zu der auch Ehrengäste wie Erzbischof Herwig Gössl und Zweiter Bürgermeister Jonas Glüsenkamp gekommen waren, ging die erste Remeis-Torte bereits über die Theke.

„Das Sortiment aus regionalem Anbau – von Rhabarberbaiser über Beeren und Apfelkuchen bis hin zu spätsommerlichem Hefe-Zwetschgenkuchen – wird erhalten bleiben“, kündigt Stroppel an. Ergänzt wird das Angebot am Wochenende mit einer saisonalen Tagessuppe. Auch das Konzept der Villa Remeis zieht mit.

Denn seit rund 30 Jahren arbeiten in Küche und Service Menschen mit psychischen Erkrankungen, die im Agnes-Neuhaus-Heim des SkF leben. „Die Beschäftigung gibt ihnen Struktur und stärkt das Selbstvertrauen“, sagt Stroppel.

Einer von ihnen ist Michael (Name geändert). Bei der Generalprobe trägt er eine Beretthaube – denn sein künftiger Einsatzort ist die Küche. „Ich hoffe, die Arbeit bringt mir wieder Struktur und einen geregelten Alltag“, sagt der 39-Jährige. Nach einer Psychose und mehreren Klinikaufenthalten hatte er sich lange zurückgezogen. „Ich sehe die Tätigkeit hier als Training, wieder am öffentlichen Leben teilzunehmen.“

Zwölf Bewohnerinnen und Bewohner des Agnes-Neuhaus-Heims werden den Betrieb in Service und Küche tragen. Arbeitstherapeutin Theresa Williams begleitet sie: „Ich leite nur an und achte darauf, wenn zum Beispiel jemand eine Pause braucht“, erklärt sie. „Viele haben im Leben das Gefühl bekommen, anderen zur Last zu fallen. Hier sind sie die Macher!“

Antonia Klein aus dem Service habe bereits beobachtet, wie Bedienungen mit psychischen Erkrankungen Fähigkeiten entwickelt haben, die sie sich zuvor nicht zugetraut hatten. „Sie kommen mit Gästen ins Gespräch und erleben, dass sie selbstwirksam sind“, sagt die 25-Jährige.

Das barrierefreie Haincafé bietet rund 50 Innenplätze und ebenso viele auf der Terrasse. Ein Eingang des Pflegezentrums St. Otto führt direkt am Café vorbei, in demselben Gang liegen die Hauskapelle, ein Friseur und im die Ecke ist Quartiersbüro – eine Anlaufstelle für Nachbarschaftshilfe und soziale Projekte im Hain.

„Mit dem Quartierskonzept der Stadt wollen wir Orte der Begegnung in den Stadtteilen stärken – über alle Altersgruppen hinweg und gerade dort, wo Strukturen wegbrechen“, sagt Jonas Glüsenkamp. „Viele denken, ein Pflegeheim sei nur für Patientinnen und Patienten oder Angehörige – dabei ist hier das Gegenteil der Fall: Der Zugang ist für alle offen.“

Auch das Ottoheim bietet einen offenen Mittagstisch an, der gerade für ältere Menschen im Hain eine Entlastung sein kann. Bewohner, Mitarbeitende, Familien und Spaziergänger sollen hier selbstverständlich verweilen. „Wir haben im Pflegeheim inzwischen einen Hasen und eine Henne, die von Kindern besucht werden“, erzählt Blecha. „Wenn erfahrbar wird, dass ein Pflegeheim ein offener Ort sein kann, ältere Menschen lustig sind und ich Gaudi mit ihnen habe – prägt das das Miteinander bereits in jungen Jahren.“

Für Barbara Blecha ist die Kooperation eine Win-win-Situation: „Wir können das soziale Denken der Caritas hier komplett ausleben. Unsere Bewohner freuen sich, und viele Angehörige haben schon gefragt, wann es endlich losgehen wird.“

Das Haincafé hat mittwochs bis freitags von 13 bis 18 Uhr geöffnet sowie samstags, sonntags und an Feiertagen von 12 bis 18 Uhr. Bereits gekaufte Gutscheine der Villa Remeis behalten ihre Gültigkeit.

Das neue Haincafé öffnet heute in der Hainstraße 24 – mit Spezialitäten der Villa Remeis.Michael Gründel