Es hätte ein schöner Abend werden sollen. Doch der 29. November 2019 endete in einem Blutbad. Eine 33-jährige Frau aus Bamberg verletzte dabei ihren Geliebten mit gleich zwei Messern . Zuvor hatte er ihr eine wilde Eifersuchtsszene geliefert. Auslöser war ein Pizzabote gewesen. Nun verurteilte man die Täterin am Amtsgericht Bamberg zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe.

„Sie ist ausgeflippt und hat mir ein Messer reingehauen. Ich blute wie ein Schwein.“ Die Todesangst des verletzten, 33-jährigen Mannes ist unüberhörbar. Gerade hat ihn seine Geliebte mit zwei Küchenmessern attackiert. Nun schreit er die Polizistin an, die am anderen Ende der Leitung seinen Notruf entgegennimmt. So sehr steht der Mann unter Schock, dass er die Beamtin, die seiner Meinung nach nicht schnell genug handelt, beschimpft: „Kapierst Du das nicht, Du Missgeburt? Ich verblute.“

Tatsächlich hat ein Stich mit der 16 Zentimeter langen Klinge in den Bauchraum eine acht Zentimeter lange und fünf Zentimeter breite Wunde verursacht. Weil dabei auch eine Vene getroffen wird, blutet es sehr stark. So sieht die Wohnung dann auch aus. Die eintreffenden Polizeibeamten werden später einen Druckverband anlegen, den der Rettungsdienst sicherheitshalber nicht mehr entfernt.

Viel Alkohol war im Spiel

Dabei wollte sich das Pärchen doch einen schönen Abend machen. Beide trinken das eine oder andere. Wenn man den Alkohol-Pegel von 1,65 Promille bei ihm und 2,38 Promille bei ihr betrachtet, dann wohl zuviel. Sie und er landen schließlich im Bett. Danach haben sie Hunger und bestellen Pizza. Als der Pizzabote kommt, geht sie im Nachthemd zur Türe.

Ihm kommt die Zeit bis zu ihrer Rückkehr verdächtig lange vor. Er vermutet, dass der Albaner „ihr Macker“ sei, sie vor der Türe „rumgemacht“ hätten und stellt sie in der Küche zur Rede. „Ich sagte, was sie für eine dumme Schlampe ist.“ Dann schubst er sie. Sein Pech ist, dass sie gerade eben ein Messer in der Hand hat, um die Pizza zu zerteilen. Dessen Klinge, immerhin zwölf Zentimeter lang, hält sie ihm an die Kehle. Es gelingt ihm, ihr die Waffe aus der Hand zu schlagen. Dabei schneidet er sich an Hals und linker Hand. Sie aber holt das nächste Messer und versucht mehrfach, ihn am Oberkörper zu treffen. Einmal dringt sie durch. Allerdings nur oberflächlich, so dass keine inneren Organe in Mitleidenschaft gezogen werden. „Sie haben Glück gehabt, dass Sie nicht die Bauchschlagader getroffen haben“, so der Vorsitzende Richter, Matthias Bachmann. Sonst wäre der Mann bis zum Eintreffen der Sanitäter wohl verblutet. Die Attacke kommt freilich nicht von ungefähr. Von Beginn an, und das ist erst wenige Monate her, führten sie „eine toxische On-Off-Beziehung“, wie es Staatsanwältin Carina Distler nannte.

Streit und Eifersucht

Streit, Eifersucht und Beleidigungen prägten das Verhältnis. Noch am Vortag hat der Mann die Frau nach einer lautstarken Auseinandersetzung am Hals gepackt und aus seiner Wohnung geworfen. Und zwar buchstäblich. Die schmächtige Frau flog dabei in den Aufzug. Das erzählte sie dem Schöffengericht. Er hingegen bestritt einen solchen Vorfall.

Die Messerattacke beschäftigt den Mann bis heute. „Es verfolgt mich in meinen Träumen.“ So eine Tat halle eben nach, so Staatsanwältin Distler, die drei Jahre Haft forderte. Anfangs hatte die Staatsanwaltschaft Bamberg die Tat sogar noch als versuchten Totschlag eingeordnet, weshalb die Frau fast zwei Monate in Untersuchungshaft saß. Später rückte man davon ab und sah nurmehr eine gefährliche Körperverletzung . Wohl weil die Frau ihren zweiten Angriff von sich aus abgebrochen und Hilfe herbeigerufen hatte.

Am Ende hatte Thomas Drehsen mit seinem Antrag Erfolg. Der Rechtsanwalt aus Bamberg hatte eine Bewährungsstrafe gefordert. Seine Mandantin habe alles zugegeben, sei bislang nicht vorbestraft und niemand, der leichtfertig zum Messer greife. „Ohne das Messer hätten wir hier über Notwehr geredet.“

Das Schöffengericht hielt aber viele Auflagen und Weisungen für geboten. Die Frau bekommt als Unterstützer und Aufpasser einen Bewährungshelfer an die Seite gestellt und muss jeden Wohnsitzwechsel melden. Sie muss sich ihrer zweifellos vorhandenen Alkohol-Problematik mit zehn Beratungsgesprächen bei der Suchtberatung der SKF Bamberg und einer längeren ambulanten Psychotherapie stellen. Zudem muss sie sich eine Arbeitsstelle suchen und darf keinerlei Kontakt zu ihrem Ex-Geliebten aufnehmen. Weder persönlich, noch telefonisch, noch elektronisch. Damit die Lage nicht noch einmal derart eskaliert.