Mehr Nähe zum Spielfeld, mehr Emotionen auf den Rängen und höhere Einnahmen: Vom Umbau des Nürnberger Stadions versprechen sich Stadt und 1. FC Nürnberg gleich mehrere Vorteile.
Für rund 200 Millionen Euro soll aus der städtischen Arena ein reines Fußballstadion ohne Laufbahn werden. Der Nürnberger Stadtrat hat am Mittwoch einstimmig den Weg für die europaweite Vergabe der Bauleistungen freigemacht.
Architektur beeindruckt
Als das Stadion 1928 eröffnet wurde, galt die markante Arena mit ihren acht Ecken als architektonisches Highlight. Knapp 100 Jahre später ist die einst moderne Mehrzweckanlage jedoch sichtbar in die Jahre gekommen. Vor allem die Laufbahn trennt Zuschauer und Spielfeld – ein Konzept, das im modernen Profifußball kaum noch zeitgemäß ist.
Auch aufgrund bautechnischer Mängel ist laut Stadt eine Renovierung unausweichlich.
Vor 20 Jahren erst saniert
Noch zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 hatte die Stadt das Stadion für rund 55 Millionen Euro modernisiert und sich bewusst für den Erhalt der Tartanbahn entschieden. Rückblickend erwies sich diese Entscheidung als Nachteil: Bei der Vergabe der Europameisterschaft 2024 ging Nürnberg leer aus. Moderne Fußballstadien ohne Laufbahn waren im Auswahlverfahren im Vorteil.
Nun soll der Abschied von der Laufbahn folgen. Die charakteristischen acht Ecken des Stadions bleiben dagegen erhalten. Gemeinsam mit dem 1. FC Nürnberg, Hauptmieter der Arena und Zweitligist unter Trainer Miroslav Klose, hat die Stadt ein Umbaukonzept entwickelt. Geplant ist ein reines Fußballstadion für rund 50.000 Zuschauer inklusive 10.000 Stehplätzen.
Damit die Kosten nicht aus dem Ruder laufen, gilt ein bereits im vergangenen Jahr beschlossener Kostendeckel von 200 Millionen Euro. Auf zusätzliche Projekte wie den Bau einer neuen Tiefgarage wurde deshalb verzichtet. Auf Grundlage des Stadtratsbeschlusses sollen die Planungen nun weiter konkretisiert und der tatsächliche Finanzbedarf ermittelt werden.
Offen ist allerdings weiterhin die wohl wichtigste organisatorische Frage: Wo trägt der Club während der Bauzeit seine Heimspiele aus? Stefan Heim, Finanzvorstand beim 1. FCN, hält wenig von einem Spielbetrieb auf der Baustelle.
Stattdessen wird eine Ausweichlösung in einem auswärtigen Stadion oder die Errichtung einer Interimsspielstätte diskutiert. Das soll Zeit und Kosten sparen.
Zuletzt galt die Stadt Roth südlich von Nürnberg als aussichtsreicher Standort für ein Interimsstadion mit mindestens 20.000 Plätzen. Dort hat mit „Toolcraft“ nicht nur der aktuelle Trikotsponsor des Clubs seinen Sitz. Auch die Stadt Roth hatte sich um das Projekt bemüht und ein ehemaliges Industrieareal mit guter S-Bahn-Anbindung angeboten.
Suche nach Interimslösung
Der Stadtrat hat nun jedoch beschlossen, zunächst auch innerhalb des Nürnberger Stadtgebiets intensiv nach einer geeigneten Fläche zu suchen – etwa im Umfeld des Flughafens. Ausgeschlossen wurde dagegen ein Interimsstadion auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände.
Ebenso wenig gilt ein Umzug in das Stadion des Erzrivalen von Greuther Fürth in direkter Nachbarschaft trotz möglicher Kostenvorteile als realistische Option.
Beim 1. FC Nürnberg verbindet man mit dem Umbau große Erwartungen. Die neue Fußballarena soll für mehr Atmosphäre sorgen und die Attraktivität der Heimspiele steigern. Nach Berechnungen des Vereins könnten die Besucherzahlen um rund 15 Prozent steigen – selbst ohne einen Aufstieg in die Bundesliga.