Der Saal der Heiligenfeld-Klinik ist gut gefüllt gewesen, als die Autorin und Psychotherapeutin Katharina van Bronswijk ihren Vortrag zum Thema Klima im Kopf startete. Seit vielen Jahren kooperieren die Akademie Heiligenfeld und der Bund Naturschutz Kreisgruppe Bad Kissingen bei einer gemeinsamen Veranstaltung zu einem besonderen Thema.
„Wir erleben in unserem Umfeld, dass viele junge Menschen vor der Zukunft mit Klimaerhitzung und Kriegen um Rohstoffe verzweifeln oder resignieren“, so Eva Zeibig vom Vorstand der BN-Kreisgruppe und selbst Mitarbeiterin in Heiligenfeld in einer Pressemitteilung des BN. „Dem wollten wir etwas entgegensetzen.“
Van Bronswijk erläuterte zu Beginn die Gesundheitsauswirkungen des Klimawandels und von Naturkatastrophen, die neben Mangelversorgung zu traumatischen Folgestörungen wie Depressionen und Angststörungen führen können. Hitze kann zu erhöhter Aggressivität und Selbstmordgefahr, aber auch zu Verschlimmerung von hirnorganischen Erkrankungen wie Depression und Schizophrenie führen. Es kann zu negativen Interaktionen mit Medikamenten kommen. Wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass Luftverschmutzung neben bekannten Folgen wie Allergien und Asthma zu Auswirkungen auf die Gehirnentwicklung, etwa Autismus oder ADHS, führen kann.
Was kann man alldem bei dieser schwierigen Ausgangslage und den frustrierenden Zukunftsaussichten entgegensetzen?
Die einen ignorieren die weltweite Verschlechterung der Lebensbedingungen und genießen ihr eigenes Leben ohne Rücksicht auf nachfolgende Generationen. Andere opfern sich als Klimaaktivisten oder im Natur- und Artenschutz auf und geraten in ein Burnout, in Frustration, angesichts der geringen Erfolge als Einzelner.
Das bessere Ziel laut Katharina van Bronswijk, die auch Bücher und wissenschaftliche Publikationen zu diesem Thema verfasst hat, wäre, Gutes, Sinnvolles zu tun und sich dabei auf Dauer gut zu fühlen. „Verhalte dich so, dass du deinem Verhalten einen Sinn geben kannst“, so die Referentin, „wir sollten Erfolge, auch wenn sie noch so klein sind, würdigen und feiern. Damit stärken wir die kollektive Resilienz.“ Nachbarschaftshilfe, Versorgungsstrukturen und -angebote für den klimawandelbedingten Bedarf müssen ausgebaut werden vom akuten Notfallplan, etwa bei Hochwasser, bis zur klimawandelangepassten Städteplanung.
Es sei ganz normal, dass eine gesunde Psyche mit unangenehmen Gefühlen auf echte Bedrohungen reagiert. Sie zeigten Menschen, dass es was zu tun gibt. Und zu tun gebe es genug, betonte van Bronswijk. Emotionen können ihr zufolge als Antrieb für gesellschaftliche Veränderung genutzt werden. Dass jeder Einzelne dazu beitragen könne und müsse, weniger CO2 zu verbrauchen, betonte sie ebenfalls.
Sie wies aber ebenso darauf hin, dass große Ölkonzerne wie BP, das den Fußabdruckkalkulator erfunden habe, ihrer Meinung nach geschickt auf die Verantwortung des Einzelnen hinwiesen und damit von ihrer eigenen ablenkten.
Nach dem Vortrag gab es einen angeregten Austausch. red