Andreas Dorsch Was Biber und Kormoran noch nicht geschafft haben, könnte jetzt einem anderen possierlichen Tierchen gelingen: das Aus für die Teichwirtschaft im Aischgrund. Übeltäter ist der unter Schutz stehende Fischotter.

Vor dem bestens an das Leben im Wasser angepassten Marder warnen Teichwirte schon seit Jahren. Aus dem Osten kommend, hat er sich in Niederbayern und der Oberpfalz immer weiter ausgebreitet und ist jetzt auch in den Aischgrund eingefallen. "Es wird sehr, sehr schlimm werden", sagt dazu Martin Maschke, der erste Otter-Berater in Bayern, der jetzt für Niederbayern zuständig ist.

Wie im Schlaraffenland

Fällt ein Otter in einen Karpfenteich ein, bleibt vom Fischbestand nicht mehr viel übrig. Für Martin Oberle, Leiter der für ganz Bayern zuständigen Außenstelle für Karpfenteichwirtschaft des Landwirtschaftsministeriums, kann die Teichwirtschaft zusammen mit dem Otter nicht existieren. Oberle: "Ein Karpfenteich ist für den Otter ein reich gedeckter Tisch, ein Schlaraffenland."

Der Teichwirt setzt im Frühjahr die Fische ein und kann bis zum Abfischen kein Einkommen erzielen. Bisher musste er mit dem Kormoran kämpfen, der kurz vorher machen Weiher leer gefressen hat, inzwischen aber "entnommen" werden darf. Nun kommt der Fischotter.

Was der anrichten kann, weiß Peter Ertl. Er ist einer von inzwischen drei Otter-Beratern, die im extra eingerichteten Otter-Management des Landwirtschaftsministeriums angesiedelt sind. Ertl berichtet, dass in der Oberpfalz sehr viele Teiche leer bleiben, weil es wirtschaftlich nicht mehr tragbar ist.

Der Otter-Berater war inzwischen auch schon im Aischgrund und hat bei Kieferndorf getötete Karpfen unter die Lupe genommen, bei denen "das Fraßbild eindeutig vom Otter stammt". Den hiesigen Teichwirten macht er wenig Hoffnung: "Das ist der Anfang, Schäden stehen bevor." Da der Otter ein geschütztes Tier ist, dem nicht nachgestellt werden darf, könnte laut Ertl nur die Politik helfen und es ermöglichen, den Fischräuber wegzufangen.

Für Walter Jakob, Teichwirt und Vorsitzender der Teichgenossenschaft Aischgrund, müssten sofort Zugriffsmaßnahmen erlaubt werden. "Es wird erst gewartet, bis der Schaden eingetreten ist. Das kennen wir schon vom Kormoran und vom Biber", klagt Jakob. Inzwischen dürften beide bejagt werden.

Jakob sieht ein "riesiges Problem" auf die hiesige Teichwirtschaft zukommen. Er ist gegen selektiven Artenschutz: "Wir dürfen nicht eine Tierart bis zum Exzess schützen." Ohne die Teichwirtschaft werde es auch viele andere Tiere, die von ihr leben, nicht mehr geben.

Im Augenblick hat der Otter freie Bahn. Die Behörden könnten nur beraten, entschädigen und den Zaunbau empfehlen, was für Martin Oberle aber nicht in Frage kommt. Im Aischgrund habe man allein 1400 Kilometer Uferlänge. Wolle man einen ein Hektar großen Teich schützen, müsste man etwa 400 Meter Zaun bauen.

Um den Otter-sicher zu machen, würde der 40 000 Euro kosten. Bei einem Ertrag für den Teichwirt von durchschnittlich 300 Euro pro Hektar Teichfläche im Jahr eine Investition, auf die sich niemand einlässt.

Oberle fordert die Teichwirte jetzt schon auf, Schäden zu dokumentieren. Diese werden derzeit finanziell noch ausgeglichen. Über Besatz und Abfischungen sollte Buch geführt, Schäden fotografiert werden. Wildkameras könnten auch zum Einsatz kommen. Bei auftretenden Fragen hilft die Außenstelle für Karpfenteichwirtschaft weiter. Auch der für Mittelfranken zuständige Otter-Berater Peter Ertl kann kontaktiert werden.

Bei der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt Erlangen-Höchstadt rechnet Johannes Marabini schon bald mit den ersten Anfragen. Während bei Kormoran und Biber der Naturschutz zuständig sei, unterliege der Fischotter dem Jagdrecht. Da sei er ganzjährig geschont, sagt Biologe Marabini.

Mit Einschätzungen zur Otter-Invasion im Aischgrund hält man sich im Landratsamt noch zurück, würden derzeit doch noch Erkenntnisse und Fakten fehlen.