Marion Krüger-Hundrup

Die schwere Stahltür zum Ausstellungsraum lässt sich nur mit einem Sicherheitscode und Spezialschlüssel öffnen. Sorgfältig gibt Bettina Wagner die Chiffren ein: "damit die Polizei nicht kommt, weil die Alarmanlage angeht!", lächelt die Direktorin der Staatsbibliothek Bamberg.
Tatsächlich schützen alle Maßnahmen atemberaubend kostbare Objekte: "Unschätzbar und nicht in Euros anzugeben", sagt Bettina Wagner über den Wert der mehr als 1000 Jahre alten Prachthandschriften aus den Beständen ihres Hauses: die "Bamberger Apokalypse", der "Kommentar zum Hohelied und Buch Daniel" sowie das "Lorscher Arzneibuch". Diese drei Codices zählen zum Unesco-Weltdokumentenerbe "Memory of the World": "Die Drei unterstreichen die internationale Bedeutung all unserer rund tausend mittelalterlichen Handschriften", erklärt Bibliotheksdirektorin Wagner.
Üblicherweise werden diese empfindlichen Schätze nach strengen konservatorischen Richtlinien verwahrt. Zumal "jede Öffnung der Kassetten das Klima darin verändert". Doch nun ist es nach langer Pause wieder soweit: Anlässlich des Jubiläums "25 Jahre Weltkulturerbe Bamberg" in diesem Jahr zeigt die Staatsbibliothek die drei im doppelten Wortsinn ausgezeichneten Handschriften. Für die Sonderausstellung kommen sie sozusagen vom Safe in die bruchsichere Vitrine. Obendrein finden sie ebenbürtige Partner in dem dämmrigen und kühlen Schauraum: nämlich zwei wertvolle Leihgaben aus München. Aus der Bayerischen Staatsbibliothek kehrt ein weiterer von der Unesco ausgezeichneter Codex, das "Reichenauer Evangeliar" mit seinem prachtvollen Goldschmiedeeinband für drei Monate nach Bamberg zurück.
Der Einband der "Bamberger Apokalypse" war einst mit einer eindrucksvollen Achatplatte aus dem persischen Raum (7./8. Jahrhundert) verziert. Für die Dauer der Ausstellung ist der Schmuckstein aus der Schatzkammer der Münchner Residenz nun in Bamberg zu bewundern.
Von unermesslicher Bedeutung für das Kulturerbe der Menschheit sind auch acht ausgestellte Codices, die den Klerikern der "Bamberger Domschule" antikes Wissen zugänglich machten. Die einzigartigen Handschriften führen eindringlich vor Augen, dass Bamberg im frühen Mittelalter einen kulturellen Kristallisationspunkt darstellte, an dem sich schöpferische Energien aus ganz Europa bündelten.


Klein, aber exquisit

Mit drei weiteren Werken aus dem "Reichenauer Skriptorium" ist die kleine, aber exquisite Präsentation komplett. Indirekt beleuchtete Informationstafeln geben Auskunft über die Benediktinerabtei Reichenau am Bodensee, die im 10. und 11. Jahrhundert die wohl einflussreichste europäische Malschule besaß. Ihre Auftraggeber waren Kaiser, Könige, Reichsbischöfe.
Kaiser Heinrich II., der 1007 das Bistum Bamberg gründete, war ein Nutznießer und schenkte dem Bamberger Dom sowie der Kirche des Bamberger Kollegiatstifts St. Stephan diverse luxuriös ausgestattete Reichenauer Handschriften, darunter die drei von der Unesco geadelten, die jetzt zu sehen sind.