"Ist das wirklich noch so gefährlich am ehemaligen Grenzstreifen?" Diese Frage stellten die Mitglieder der Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB) aus Ebelsbach immer wieder.
Gemeinsam mit Susanne Langer von der KAB Ebelsbach und dem Rhöner Kreiskulturreferenten Hanns Friedrich waren sie am einstigen "Todesstreifen" im Nachbarlandkreis Rhön-Grabfeld sowie in Thüringen unterwegs. Vor Ort erfuhren sie mehr über die Teilung Deutschlands in der Zeit von 1945 bis 1989, aber auch, dass die Minengefahr an der früheren Grenze nach wie vor nicht zu unterschätzen ist.
Als Beispiel nannte der Kulturreferent einen zehn Kilometer langen Minengürtel bei Trappstadt. Hier lagen an die 60 000 Minen, wie er sagte. "Unverständlich ... das ist ja kaum zu glauben ... was waren das für unmenschliche Grenzsicherungen ... da waren wir so nahe dran und wussten das gar nicht so genau." Aussagen, die die Ebelsbacher vor Ort trafen, wo diese Minen einst gelegen hatten.
Schlechtsart in Thüringen gewährte Einblicke, wie die einstige deutsch-deutsche Grenze angelegt war. Das DDR-Regime hatte eine menschenverachtende Grenze aufgebaut. Dort sind heute noch der Kolonnenweg, der Kfz-Sperrgraben sowie Reste des ehemaligen Metallgitterzaunes erhalten. Der Kreiskulturreferent berichtete, dass die Grenze auf westlicher Seite von der deutschen Grenzpolizei, den Amerikanern, dem Bundesgrenzschutz (heute Bundespolizei) und von Zollbeamten kontrolliert wurde.
Auf der Gegenseite lagen Kompanien von DDR-Grenzsoldaten. Von den Minenfeldern und Selbstschussanlagen erfuhren die Besucher und davon, dass die Grenze einst rund 1400 Kilometer von der Ostsee bis Hof reichte und durch Zaun und Mauern (wie in Berlin und Mödlareuth) abgesichert war.
"Dort, wo heute wieder Bäume, Büsche, ja ein Wald vorhanden sind, war früher freies Schussfeld," sagte Hanns Friedrich. Von Wachtürmen, den Kontrollen, vom Schießbefehl und vom 3,20 Meter hohen Metallgitterzaun erfuhren die Gäste aus Ebelsbach, aber auch vom Hinterlandzaun, Hundelaufanlagen, Lichtsignalanlagen und Stolperdrähten. Friedrich bestätigte, dass es Minentote entlang der 130 Kilometer langen Grenze in Unterfranken gab.
Kopfschüttelnd betrachteten die Gäste die Absicherungen am Wachturm bei Gompertshausen, erfuhren von der Beobachtungskanzel und einem Maschinengewehr, das auf jedem Grenzturm einst installiert waren.
Zuvor hatte die Gruppe die Wallfahrtskirche von Ipthausen besucht. Hier erfuhren die Ebelsbacher von Altpfarrer Linus Eizenhöfer interessante Details zum Beispiel über das Deckengemälde, das Georg Anton Urlaub angefertigt hatte. hf