Am Mittwoch hat Bürgermeister German Hacker zum ersten Mal vor dem Interims-Rathaus die Flagge des weltweiten Bündnisses "Mayors for Peace" gehisst. Die Flagge symbolisiert den Einsatz des Netzwerkes für eine friedliche Welt ohne Atomwaffen.

Mit der Aktion setzen sich die Bürgermeister für den Frieden in diesem Jahr für die Verlängerung des New-Start-Vertrages ein. Den "Mayors for Peace" beigetreten war Hacker im vergangenen Jahr. Impulsgeber war der Herzogenauracher Werner Mesnaric, der verschiedenen Friedensgesellschaften angehört und den Beitritt der Stadt Herzogenaurach anregte.

Beide, Hacker und Mesnaric, verdeutlichten, wie wichtig das Engagement auch heute noch ist. Selbst 75 Jahre nach der Bombardierung der japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki sei die Bedrohung durch Atomwaffen bei weitem nicht gebannt. So schätze das Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri, dass die Atomwaffenstaaten noch immer rund 13 400 Kernwaffen besitzen.

Mesnaric wäre am Flaggentag, dem 8. Juli, gar nicht in Herzogenaurach gewesen. Geplant war die Teilnahme an einer Friedensradtour von Paris nach Moskau bis Hiroshima. Wegen der Corona-Beschränkungen habe er diese nicht durchführen können. Jetzt hofft er, am Jahrestag der Bombardierung von Hiroshima am 6. August an einer Aktion der Deutschen Friedensgesellschaft teilnehmen zu können.

Vertrag läuft 2021 aus

Das von den USA und Russland unterzeichnete New-Start-Abkommen trat 2011 in Kraft. Es ist die letzte noch gültige Vereinbarung zur Begrenzung von Atomwaffen. Der Vertrag läuft im Februar 2021 aus. Neben der Forderung nach einer Verlängerung appellieren die Mayors for Peace am Flaggentag an die Atommächte, den Atomwaffenverbotsvertrag von 2017 zu unterzeichnen.

Erster Bürgermeister Hacker unterstützt den Aufruf der Mayors for Peace. Darin heißt es: "75 Jahre nach den Abwürfen der Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki hat sich die Hoffnung der Überlebenden nach einer Welt ohne Kernwaffen immer noch nicht erfüllt. Wir, die Bürgermeister für den Frieden, erinnern mit dem Hissen unserer gemeinsamen Flagge an diesen Wunsch. Wir fordern die Atommächte eindringlich dazu auf, ernsthafte Verhandlungen zur Abschaffung der Nuklearwaffen zu führen und dem 2017 von den Vereinten Nationen verabschiedeten Atomwaffenverbotsvertrag endlich beizutreten."

Werner Mesnaric hat die Befürchtung, dass eine neue Aufrüstungsspirale drohen könnte. Denn weitgehend unbemerkt würden Waffenarsenale modernisiert und Verträge gekündigt. Die Anzahl kleiner taktischer Waffen nehme in Russland und den USA zu, sagte Mesnaric. Als würden sie denken, man könne berechenbare Kriege führen.

Mehr als 300 Städte beteiligt

Der Flaggentag der Mayors for Peace erinnert an ein Rechtsgutachten des Internationalen Gerichtshofs in Den Haag (das Hauptrechtsprechungsorgan der Vereinten Nationen), das am 8. Juli 1996 veröffentlicht wurde. Das Gutachten stellte fest, dass die Gefahr durch oder die Verwendung von Nuklearwaffen im allgemeinen dem Völkerrecht widersprechen. Mittlerweile nehmen mehr als 300 Städte an der deutschlandweiten Aktion der Bürgermeister für den Frieden teil. bp