"Wir dürfen dankbar und zufrieden zurückblicken, aber auch erwartungsfroh nach vorne schauen", sagte Caritas-Geschäftsführer Norbert Hartz bei der Neujahrsfeier. In der Region Coburg sei die Caritas auch im vergangenen Jahr für viele Menschen ein wichtiger Ansprechpartner, Helfer in der Not und Begleiter durch schwierige Zeiten gewesen. Der Leitgedanke sei "Not sehen und handeln". Der Dienst in der Caritas sei für jeden Mitarbeiter viel mehr als nur das Einbringen seines fachlichen Wissens. Die Mitarbeiter bringen nach den Worten von Norbert Hartz ihre ganze Persönlichkeit und ihr Wesen mit ein.

"Partner und Anwalt"

"Vielen Dank hier für Ihre Empathie und Wertschätzung und das Verständnis, welches Sie den Menschen tagtäglich entgegenbringen", sagte er. Durch diese Arbeit erführen Menschen in Not Zuwendung, Anerkennung und Wertschätzung. "Wir sind für diese Menschen Partner und Anwalt", betonte der Caritas-Geschäftsführer. "Gemeinsam werden wir uns auch im kommenden Jahr für unsere Mitmenschen einsetzen. Wir werden auf Vertrautes und Bewährtes zurückgreifen, aber auch Neues entwickeln."

In seiner Neujahrsbotschaft 2020 ging der Vorsitzende des Caritas-Verbandes Coburg, Hermann Beckering, auf das aktuelle Thema "Sei gut, Mensch" der Caritas-Kampagne 2020 ein, die sich für Solidarität und Zusammenhalt in der Gesellschaft stark machen will. Aktuell erlebe die Gesellschaft eine Zeit heftiger Umbrüche. Digitalisierung und Globalisierung veränderten gravierend die Arbeits- und Lebenswelt vieler Menschen auch im Bereich der Caritas. Verstärkt würden diese Veränderungsprozesse durch Zuwanderung und Migration. Dies alles führe dazu, dass sich viele Menschen verunsichert und orientierungslos fühlten. Sie bangten um den eigenen Platz in der Gesellschaft oder sie hätten Angst vor dem sozialen Abstieg. Sorgen und Unsicherheit führten aber dazu, dass die Bereitschaft zu Toleranz abnehme und die Befürchtungen wüchsen, vergessen zu werden. Für viele Menschen liege die Lösung dieses Problems darin, sich abzugrenzen von anderen, sich skeptisch und ablehnend gegenüber der Vielfalt, dem Fremden, zu zeigen und sich auf das Bekannte und Vertraute zu beschränken, was den Zusammenhalt in der Gesellschaft nicht fördere. "So entstehen Abschottung, Abwertung und Risse im sozialen Gefüge", betonte Beckering.

Neben allem wirtschaftlichen Fortschritt und Wohlstand durch die Digitalisierung und Globalisierung sei die Welt nach den Worten von Beckering von Machtmissbrauch, Unfrieden, zerstörerischer Gewalt sowie Flucht und Vertreibung geprägt. Auch in Anbetracht der politischen Entwicklung in Deutschland mit dem Hass auf Politik und Politiker, dem zunehmenden Extremismus und Populismus, der Abnahme von Toleranz, Respekt und Solidarität und der Verrohung der Sprache sei die Gefahr für die Demokratie gewachsen.

Anders als in der Anonymität des Netzes könne durch Gespräche eine neue Verbundenheit entstehen, über alle weltanschaulichen Gegensätze hinweg. Dadurch werde der Zusammenhalt gestärkt, Toleranz und Respekt sowie die Anerkennung der Meinung des anderen würden gefördert, betonte Beckering. Hier setze die Caritas-Kampagne "Sei gut, Mensch" an und fordere zu solidarischem Verhalten mit Menschen in Not auf. Diese Solidarität könne sichtbar werden in konkretem Handeln, in konkreter Hilfe, und sie könne sichtbar werden in politischer Aktion und politischen Forderungen. Der Verweis auf das Leitbild des Deutschen Caritasverbandes biete sich in diesem Zusammenhang an. Jeder Einzelne könne einen Beitrag leisten, um das soziale Miteinander in der Gesellschaft zu bewahren und den Zusammenhalt zu fördern, schlussfolgerte der Vorsitzende des Caritasverbandes. Gutes Leben für alle sei nur möglich, wenn der Zusammenhalt bewahrt werde und Menschen füreinander einstünden. Dazu leisteten die Mitarbeiter in all den Caritas-Einrichtungen und Diensten jeden Tag ihren Beitrag, wofür er sehr dankbar sei, sagte Beckering.

Die Migrationspolitik und die Zuwanderung nach Deutschland würden ein Thema bleiben, das die Interessengruppen der Gesellschaft und auch der Caritasarbeit vor Ort beschäftigen werde. Wolfgang Desombre