"Es ist eine klassische Win-win-Situation", sagt Leitender Arzt Thomas Bohrer von der Klinik für Thoraxchirurgie am Klinikum Kulmbach. Die Hochschule Coburg, die einen Masterstudiengang integrative Gesundheitsförderung anbietet, und das Klinikum wollen künftig in diesem Bereich zusammenarbeiten.
Drei Ziele verfolgt das Klinikum damit: Innerbetrieblich soll für die gesamte Belegschaft das Thema Gesundheitsförderung mehr in den Blickpunkt gerückt werden. "Wir haben dafür jetzt Profis zu uns geholt. Da muss es möglich werden, diesen Gedanken auch zu leben." Aber auch für die Patienten sei das Thema wichtig und soll gefördert werden. "Wir behandeln kranke Menschen. Was liegt da näher, als ihnen im zweiten Schritt auch Gesundheitsförderung zu vermitteln?" Nicht zuletzt will das Klinikum den jungen Studierenden auch eine Möglichkeit für praktische Arbeit bieten.
Ein ganz besonders spannendes Thema erarbeiten die Studierenden derzeit am Klinikum. Wenn jemand längere Zeit mit einer sehr schweren Erkrankung auf einer Intensivstation behandelt werden muss, sind auch die Angehörigen in Gefahr, durch Sorgen und Stress selbst zu erkranken. Das sei laut Bohrer bei 30 Prozent der Angehörigen der Fall. "Wir wollen versuchen, das abzufangen und diese hohe Rate deutlich senken. Dabei helfen uns die Studierenden jetzt."
Es sei wichtig, auch die Angehörigen zu betreuen. Gute, regelmäßige und strukturierte Kommunikation zwischen den Mitarbeitern der Intensivstation könne den Druck mindern, unter dem die Angehörigen stehen. So sollen diese Gespräche immer dieselben Mitarbeiter führen, um den Angehörigen einen festen Ansprechpartner zu geben. Das baue Ängste ab und schaffe Bindung und Vertrauen in einer sehr angestrengten Situation. Eine ganze Gruppe Studierender arbeite bereits an diesem Projekt. Weitere sollen folgen.


"Aktives Angehörigentelefonat"

Annika Kopp studiert integrative Gesundheitsförderung in Coburg und ist Teil der ersten Gruppe, die jetzt mit dem Klinikum zusammenarbeitet. Die Studierenden sind im sechsten Semester. In ihrer "studentischen Lehrveranstaltung" arbeiten sie auf der operativen Intensivstation daran, ein "aktives Angehörigentelefonat" zu entwickeln. Mehr Sicherheit solle den Angehörigen damit vermittelt werden, erklärt Kopp.
Der Einblick in die Intensivstation habe der Gruppe gezeigt, in welch schwierigen Situationen sich die Besucher der schwer kranken Patienten befinden. "Das sind ja schwere Schicksalsschläge. Mit einer guten Kommunikation wollen wir erreichen, dass sich die Angehörigen etwas wohler fühlen und sie auch etwas mehr in den ja für sie fremden Klinikalltag einzubeziehen."
Pflege, Ärzte und Angehörige sprechen schon immer miteinander. Durch die vereinbarten regelmäßigen Telefonate, die von der Station ausgehen, sei aber eine bessere Koordination möglich. Das helfe letztlich auch dem Team der Abteilung, den Alltag besser zu strukturieren. "Auch an relativ guten Strukturen kann man immer noch etwas verbessern. Dazu sind wir da."
Die Zusammenarbeit soll nicht auf einen Einzelfall beschränkt bleiben. "Wir wollen das institutionalisieren", sagt Bohrer und freut sich darauf, bald zusätzlich auch eine Werkstudentin aus Coburg in Kulmbach begrüßen zu können, die für eine Weile fest am Klinikum arbeiten und sich der Gesundheitsförderung widmen wird. red