Die Corona-Krise hat dem Leben einen Grauschleier verpasst, auch wenn die Sonne noch so schön strahlt. Aber wie schon Franz von Assisi wusste, kann ein kleines Lied viel Dunkel erhellen. Und genau das passiert derzeit überall: Musiker stehen jeden Abend zur gleichen Zeit an ihren Fenstern oder auf den Balkonen und erfreuen mit musikalischen Klängen die Menschen. Die "Flashmob sonoro"-Welle von Italien ist längst bis ins Coburger Land übergeschwappt. Denn Musik streichelt die Seele, wenn soziale Kontakte so sehr eingeschränkt werden müssen. Sie tröstet, muntert auf, schenkt Abwechslung und dazu noch echte Vorfreude auf diese bestimmte Abendstunde in dieser Zeit. In Dörfles-Esbach macht es sich Musiker Karl-Heinz Volkert auf der Terrasse im Garten gemütlich und bläst auf der imposanten Tuba eine kleine Serenade. Denn Volkerts wöchentliche Orchesterproben beim Coburger Posaunenchor von Sankt Moriz müssen derzeit ruhen. Konzerte fallen aus. Dennoch musizieren die Musiker: "Natürlich müssen wir jetzt unseren Beitrag leisten, aber jeder für sich zu Hause", sagt Volkert. "Weil unsere Musiker ja nicht alle nur in Coburg wohnen, verteilt sich das hier so im Umkreis des Coburger Landkreises - jeden Abend um fünf."

Kurz vor 17 Uhr spielt sich in der Gothaer Straße seit Tagen das gleiche Ritual ab: Volkerts Nachbarn zur Linken und Rechten stehen applaudierend in ihren Gärten. Yannis (2½), der kleine Nachbarsbub, genoss diesen Moment vergangene Woche auf Papas Arm. Sie standen am Gartentor, der kleine Junge hatte sein eigenes Musikinstrument in der Hand: eine Mini-Trompete.

"Möge die Straße uns zusammenführen", gefühl- und liebevoll präsentierte Karl-Heinz Volkert diese irische Volksweise. Still und beeindruckt lauschten die Nachbarn den wohltuenden, tiefen Bläser-Klängen, die so manche Herzen berührten. "Gott mit dir, du Land der Bayern", die Bayernhymne wiederum stärkte dann das Selbstbewusstsein. Die Bravo-Rufe der Nachbarn und anhaltender Beifall belohnten diesen musikalischen Beitrag.

Seit 60 Jahren musiziert Karl-Heinz Volkert im Posaunenchor, davon 20 Jahre zuvor als Trompeter und seit 40 Jahren als Tubist. "Und heute sage ich: Die Tuba ist die Königin der Instrumente", meint Volkert. "Unser Posaunenchor unter der Leitung von Kirchenmusikdirektor Peter Stenglein hatte ja die Matthäus-Passion (Johann Sebastian Bach) heuer zu Ostern einstudiert", rief der Musiker von weitem. "Aber momentan haben wir hier eine ziemlich große Pause."

Sie kommen zurecht

"Diese Zeit jetzt ist für uns Ältere sicher nicht so sehr schwer, aber für die jungen Leute ist das schon belastend, die den ganzen Laden am Laufen halten müssen", weiß der Musiker zu schätzen. Familie Volkert kommt mit der momentanen Situation gut zurecht. "Wir dürfen ja einkaufen, aber das muss nicht jeden Tag sein. Man muss sich und andere nicht in Gefahr bringen", ergänzt Ehefrau Else.

Ja, im Großen und Ganzen funktioniere das Leben hier. "Wir beschäftigen uns und räumen Sachen auf, die wir sonst nicht aufräumen würden", meint Karl-Heinz Volkert und schmunzelt. Seine Frau habe für die ganze Verwandtschaft Schutzmasken genäht. "Mehr kann man ja nicht machen, aber die jungen Leute sind der Gefahr ausgesetzt." "Und das, was wir hier mit dem Musizieren machen, soll eine Wertschätzung für die Menschen sein, die in dieser Zeit arbeiten müssen, die Krankenschwestern und Ärzte, die Polizisten, die Feuerwehr, für alle, die im gefährlichen Dauereinsatz für uns da sind, denn wir hier sind ja gut aufgehoben", sind Familie Volkert und die Nachbarn dankbar.