Eckehard Kiesewetter

Auf der Bundesstraße 279 könnte es bald ruhiger zugehen. Zumindest spekulieren die anliegenden Orte auf eine deutliche Reduzierung des Lkw-Verkehrs. Anlass dazu gibt die Ankündigung der Firma Toll Collect, wonach die Bundesstraße unter die Strecken aufgenommen wird, für die eine Lkw-Maut fällig wird. Toll Collect ist das Unternehmen, welches das Bundesverkehrsministerium mit der technischen Weiterentwicklung des Mautsystems und der Erweiterung des Streckennetzes beauftragt hat.
Auch wenn keine offiziellen Zahlen vorliegen, ist die Beobachtung eindeutig: In den letzten Jahren haben immer mehr Mautflüchtlinge die Bundesstraße zwischen Bad Königshofen und dem Autobahn-Anschluss bei Breitengüßbach als Ausweichstrecke genutzt. Der Schwerlastverkehr durch den Weisach- und Baunachgrund hat erheblich zugenommen. Daran können selbst die marode Fahrbahn und die langwierige Behinderung durch die Brückenbaustelle bei Baunach nichts ändern.


Hoffen auf das Aufatmen

Für Orte an der B 279 wie etwa Maroldsweisach, Pfarrweisach, Rentweinsdorf, Reckendorf oder Baunach, die keine Ortsumgehung besitzen, dürfte die Ausweitung eine deutliche Erleichterung bringen. "Wir hoffen auf eine spürbare Entlastung", sagt Jürgen Hennemann. Damit spricht Eberns Bürgermeister etlichen Amtskollegen im Bereich der neuen "Baunach-Allianz" aus der Seele.
Bislang hatte der Bund nur auf Autobahnen und autobahnähnlichen Strecken eine Lkw-Maut erhoben. Rund 15 000 Kilometer Wegstrecke kamen da zusammen. Nun sollen nochmals rund 40 000 Streckenkilometer hinzukommen. Ab 1. Juli wird die Maut auch auf allen Bundesstraßen fällig, also auch auf der B 279.


Nur eine im Landkreis

600 blau lackierte Säulen, in denen modernste Sensortechnik arbeitet, werden überall in der Republik aufgestellt und sollen nach Vorstellungen des Bundesverkehrsministeriums zusätzliche Milliarden in den Bundeshaushalt spülen. Die Streckenabschnitte, auf denen eine Kontrollsäule aufgebaut werden soll, gibt das Bundesamt für Güterverkehr vor.
Eine dieser Kontrollstellen wird nördlich von Rentweinsdorf eingerichtet. Wie Toll-Collect-Pressesprecherin Claudia Steen auf Anfrage mitteilt, wird es voraussichtlich die einzige im Kreis Haßberge bleiben. Die Vorkehrungen am Straßenrand wurden bereits getroffen.


Die Technik

Technisch sind die Kontrollsäulen den Angaben zufolge mit ähnlichen Funktionen ausgestattet wie die auf den Autobahnen installierten Kontrollbrücken. Sie überspannen aber nicht alle Fahrstreifen, "sondern fügen sich besser in das Bild der ländlicheren Bundesstraßen ein". Die fast vier Meter hohen Säulen überprüfen, ob Lkw ab 7,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht die Maut korrekt bezahlt haben. Passiert ein Fahrzeug eine dieser Kontrollsäulen, werden ein Übersichts-, ein Seitenansichts- und ein Kennzeichenbild erstellt. Ein im Fahrzeug installiertes Gerät, die sogenannte "On Board Unit" (OBU), sendet die Fahrtdaten und Fahrzeugmerkmale an die Kontrollsäule, vor allem die Schadstoffklasse, die Achszahl sowie den fälligen Mautsatz.


Datenschutz

Ist alles klar und der Straßennutzer ordentlich angemeldet, werden den Angaben zufolge alle Daten sofort wieder gelöscht. An ein Kontrollzentrum weitergeleitet dagegen werden - wie bereits heute auf den Autobahnen üblich - Daten von Lkw ab 7,5 Tonnen, bei denen der Verdacht besteht, dass nicht oder falsch gezahlt wurde. Toll Collect betont die strengen Datenschutz-Richtlinien und verspricht: "Das Mautsystem bleibt ein Abrechnungssystem."
Die Einnahmen aus der Maut, für die es übrigens ein neues Einbuchungsverfahren gibt, will die Bundesregierung gezielt in die Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur investieren. Vielleicht springt dabei auch bald Geld für die seit Langem geforderten Ortsumgehungen entlang der B 279 heraus.