Eckehard Kiesewetter

Verdruss in den vorderen Reihen, dort, wo die Sitzplätze bis zu 100 Euro gekostet hatten. Nicht wegen der paar Regentropfen zu Beginn des Chris de Burgh-Konzerts. Wie begossene Pudel fühlten sich viele Besucher vielmehr, als nach etwa einer halben Stunde nichts mehr zu sehen war von dem 1,68 Meter kleinen Barden mit der großen Stimme auf der Schlosshof-Bühne.
Wie auf Kommando stürmten beim Hit "The Revolution" Hunderte Gäste, die Stehplätze im hinteren Bereich bezahlt hatten, nach vorne. Versammelten sich direkt vor die Bühne und in die Fluchtwege , um ihrem Star nahe zu sein.


Plötzlicher Ansturm

Keine Chance für die Ordner, den Ansturm zu stoppen. "Das ging so rasch", sagte einer Helferin, "da gab es kein Halten mehr". Und weil alles ruhig abging, ließ man Künstler und Fans die intime Nähe genießen, die ja eigentlich den speziellen Reiz der Eyrichshöfer Konzerte ausmacht. Die einen waren selig - die gesetzteren Herrschaffen auf den Sitzplätzen hatten das Nachsehen. Oder -hören.
"Wir haben fast nix mehr gesehen", klagt eine Coburgerin aus Reihe sieben, die eigentlich mit ihrem Mann zum Hochzeitstag in romantischen Jugenderinnerungen schwelgen wollte.
Noch schlimmer erging es Gästen in Reihe eins, die nur noch wippende Rücken vor sich hatten und sich für ihre Empörung noch verspotten lassen mussten. Die meisten entschlossen sich, ebenfalls aufzustehen, nahmen größere Vorderleute stillschweigend in kauf. Irgendwann waren die Stühle nur noch störende Requisite. Etliche aber, darunter auch die beiden Coburger, haben die Veranstaltung vorzeitig verlassen.
Missgestimmt an einem Abend, der so herzzerreißend schön begonnen und für die meisten Gäste auch in harmonischem Schwelgen geendet hatte.