Wie bei der Frage, ob ein Glas Wasser nun halb voll (Optimist) oder halb leer (Pessimist) ist, ist vieles im Leben Ansichtssache. So musste ich letzte Woche schmunzeln, als der Markt Wirsberg mitteilte, sein Sommerbad aufgrund des prognostizierten schlechten Herbstwetters eine Woche früher zu schließen, während die Stadt Bayreuth am gleichen Tag kundtat, ihr Kreuzsteinbad wegen des angekündigten Spätsommers länger offen zu halten. Reine Ansichtssache.

Bei Corona ist es ähnlich. Auf der einen Seite gibt es die Übervorsichtigen, die sich beinahe hysterisch abschotten. Sie verzichten - vielfach unnötigerweise - auf ein Stück Lebensqualität. Zu diesen Menschen gehöre ich nicht.

Wenn Sie jetzt denken, ich würde mich zum anderen Extrem zählen, zu den Gleichgültigen, die jede Gefahr leugnen - weit gefehlt. Mit denen kann ich noch viel weniger anfangen. Ich verstehe nicht, warum man nicht einmal in 50 Jahren auf seinen (verdienten) Fernurlaub verzichten kann oder warum man beim Einkaufen (zum Schutz anderer) keine Maske tragen will. Sind das wirklich Einschränkungen, die mir mein Leben versauen?

Also tue ich, was ich tun soll/muss/darf/will: Abstand halten, Menschenansammlungen vermeiden, Maske tragen, halt einfach etwas vorsichtig sein. Wobei mir genau dieser (gesunde) Mittelweg immer schwerer gemacht wird. Denn so langsam gibt es derart viele Empfehlungen oder Verordnungen, dass kaum noch einer durchblickt.

Habe ich die neuen Richtlinien richtig verstanden? Wenn ich als Bürger des Landkreises Kulmbach mit einer Gruppe wandern und anschließend einkehren will, darf ich das momentan nicht - es sei denn, ich wandere in einem Nachbarlandkreis. Wie sagte mein Chef vorhin treffend: "Siehst Du, es hat auch Vorteile, wenn man in Kronach wohnt."

Bei manchen Dingen fehlt mir im Moment die Logik. Ein Beispiel: Ein Vater erzählte mir dieser Tage, dass seine Tochter früh auf dem Weg zur Schule allein in einer Busreihe sitzen muss. Vorbildlich! Jetzt kommt's: Denn auf dem Heimweg komme es vor, dass sie überhaupt keinen Sitzplatz mehr bekommt, weil der Bus rappelvoll ist. Muss man das verstehen? Dietmar Hofmann