Der Schritt vom Kindergarten- zum Schulalltag ist ein großer. Plötzlich wird von den Kindern viel mehr erwartet - mal ganz abgesehen von der Leistung, die sie in der Schule bringen sollen. Alleine das frühe Aufstehen, Verantwortung zeigen, Pünktlichkeit, still zu sitzen und die Hausaufgaben sind eine Herausforderung.

Simone Wolfschmidt aus Ebelsbach ist Ergotherapeutin und selbst Mutter eines Abc-Schützen. Wir haben die 40-Jährige gefragt, wie Familien die Umstellung am besten gelingt. Frau Wolfschmidt, wie können Eltern ihrem Kind die Umstellung erleichtern? Simone Wolfschmidt: Oft ist es anfangs für die Eltern sehr schwierig, diese neue Situation zu meistern, auch aus organisatorischen Gründen. Am Wichtigsten ist es, den Kindern keine Angst zu machen und keinen Stress auszulösen. Die Kinder haben erst einmal genug mit der neuen Situation zu tun. Es ist psychisch eine enorme Umstellung und eine große Leistung für sie: neue soziale Kontakte, neue Bezugspersonen, eine neue Rolle als "Große".

Welche Fehler sollten Eltern tunlichst vermeiden?

Druck auszuüben, so nach dem Motto: "Du bist jetzt ein Schulkind und musst das können." Jedes Kind hat seine eigene Lerngeschwindigkeit und manche brauchen mehr Zeit. Eltern sollten immer wieder versuchen, dem Kind Mut zu machen und Freude zu vermitteln an Neuem und am Lernen. Denn mit dem Spaß kommt die Bereitschaft zum Lernen von ganz alleine. Prinzipiell wollen Kinder Neues lernen und sind sehr neugierig. Dies nicht zu vermiesen, ist die größte Kunst.

Wann macht es für einen Schulanfänger Sinn, in die Ergotherapie zu kommen?

Wenn das Kind nach den Weihnachtsferien mit der Stifthaltung immer noch nicht zurechtkommt oder es nicht schafft, bei der Sache zu bleiben. Man muss den Kindern eine gewisse Eingewöhnung zugestehen. Auch falls ein Kind im neuen sozialen Verband nicht zurechtkommt, ist das ein Ansatz für die Ergotherapie.

Ich denke, ein guter Austausch mit den Lehrern ist in der ersten Zeit sehr wichtig, da die Eltern nicht jeden Tag in die Schule kommen wie zuvor in den Kindergarten. Was kommt bei Ihrem Kind in die Schultüte und wie wird der große Tag gefeiert?

In die Schultüte kommen Lieblingssüßigkeiten, ein Legofahrzeug, eine neue Trinkflasche und ein Büchlein. Wegen der Corona-Pandemie dürfen leider nur wir Eltern mit zur Einschulung kommen. Danach verbringen wir den Tag als Familie möglichst nach den Wünschen des Schulkinds. Vermutlich machen wir einen kleinen Ausflug mit dem Fahrrad und essen anschließend ein Eis.

Das Interview führte unsere Redakteurin Katja Müller.