Stillstand ist nichts für Alfred Nickelsen. Auch wenn er gerade seinen 95. Geburtstag gefeiert hat, heißt das für den Weilersbacher noch lange nicht, die Hände in den Schoß zu legen und das Leben an sich vorbeiziehen zu lassen. Im Gegenteil.
Der liebenswürdige Senior ist topfit. Seinen Haushalt stemmt er seit dem Tod seiner Frau Inge vor sechs Jahren noch selbst. Auch seine Besorgungen erledigt er selbständig mit Bus oder Bahn. Er braucht weder Stock noch Rollator, das Treppensteigen ist kein Problem. Nur die Augen lassen etwas nach. "Meine Hemden bügle ich noch selbst", sagt der gut gelaunte Jubilar, der viel Wert auf sein Äußeres legt. Dass er einmal so alt werde? "Nee", lacht er und verrät, dass ihm sein Gläschen Schnaps oder ein Bier schon noch schmeckt.


Aus einer Seemannsfamilie

Begonnen hatte seine Lebensreise im Juli 1923 in Flensburg, als er in eine Seemannsfamilie geboren wurde. In einer Unterhaltung mit Vizebürgermeister Roland Dauer (CSU/AB), der namens der Gemeinde gratulierte, erzählt Nickelsen aus einem bewegten, ja abenteuerlichen Leben, in dem es stets ein Auf und Ab gab: als er eine Banklehre in Kiel machte, von seiner Offizierszeit im Zweiten Weltkrieg und aus der Zeit, als er nach dem Krieg ins Baugewerbe in Brunsbüttel ging und in einer Bitumenfabrik tätig war, für die er lange Jahre nach Kairo in Ägypten zog, wo er für seine Firma ein Werk aufbaute.
Nach dieser Zeit kam er mit seiner Ehefrau, mit der er 64 Jahre lang verheiratet war, nach Weilersbach, wo er bis heute gemeinsam mit Sohn und Enkel im Haus wohnt. Die längste Zeit seines Lebens arbeitete er im Bereich Herstellung von Emulsionen für den Straßen- und Hausbau in einem Labor in Österreich. Er erfand eine Emulsion zur Begrünung von Sandflächen und für den Straßenbau.
Erst mit 77 Jahren ging Nickelsen in den Ruhestand. Doch den Jubilar mit seinen weitgestreuten Interessen hat es schon immer in die Welt hinausgezogen. 60 Länder hat er bereist, Unvergessliches erlebt und unzählige Erinnerungsstücke mitgebracht. Heute ist Nickelsen oft im Dorf unterwegs, macht Spaziergänge und interessiert sich für die Geschichten der Weilersbacher Flurdenkmäler.