Bernhard Panzer

Die Arbeit der lokalen Agenda geht auf das Jahr 1998 zurück. Damals wurde beschlossen, eine solche für Herzogenaurach einzuführen. Im Jahr 2001 wurde zum ersten Mal ein Nachhaltigkeitsbericht erstellt, der 2004 ergänzt, aber nicht mehr bewertet wurde. Deshalb sei es nach mehr als zehn Jahren notwendig geworden, "alle Indikatoren erneut zu erfassen und zu bewerten."
So heißt es im aktuellen Nachhaltigkeitsbericht der Agenda 21, die Agenda-Sprecher Johannes Kollinger am Dienstagabend den Mitgliedern des Planungsausschusses vorstellte. Es sei die Aufgabe der Agenda, Finger in Wunden zu legen, erklärte Bürgermeister German Hacker (SPD). Er verwies aber auch darauf, dass Herzogenaurach eine von sehr wenigen Kommunen in Bayern sei, die überhaupt eine Agenda haben. Und bestimmte Indikatoren könne man als Stadt nicht einfach übernehmen, weil es da andere Aufgabenfelder gebe. Deshalb legte Hacker auch Wert auf die Feststellung, dass es sich um einen Bericht ausschließlich der Agenda handle.


Zu hoher Stromverbrauch

Kollinger legte den Finger in Wunden. Er zeigte auf, wo seiner Meinung nach noch absoluter Nachholbedarf besteht, wie beispielsweise beim seit 2004 stark angestiegenen Stromverbrauch von Industrie und Gewerbe. Dort werde fünfmal so viel verbraucht wie in den Haushalten. "Um die Ziele des Energiewendekonzeptes erreichen zu können, müssen weiterhin erhebliche Anstrengungen unternommen werden", stellte Kollinger fest. Konrad Körner (CSU) stellte hierzu fest, dass man mit diesen Aussagen doch sehr aufpassen müsse. Schließlich seien es ja auch viel mehr Arbeitsplätze geworden.


Wärme, Wasser, Natur

Kritik übte der Agendasprecher auch in punkto Wärmeenergie. Hier wünscht sich Kollinger eine Steigerung bei der Nahwärmeversorgung, was von der Stadt ja auch so geplant sei. Streitpunkte sind weiterhin die Nitratbelastung im Wasser - eine Mischanlage soll da ja Abhilfe schaffen - und der Flächenverbrauch. Gerade über letzteren Punkt entspannte sich eine teils hitzige Debatte.
Johannes Kollinger merkte an, dass die landwirtschaftlichen Flächen einerseits abgenommen, die Siedlungen und Verkehrsflächen hingegen aber deutlich zugenommen hätten. Es gebe immer weniger Natur, weshalb der Flächenverbrauch vermieden werden solle, wo immer es geht. Das sagte der Sprecher in der Sitzung. Im Nachhaltigkeitsbericht wird das wörtlich noch etwas deutlicher: "Langfristig sollte im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung die Netto-Neuinanspruchnahme von Flächen auf null zurückgeführt werden." Konkret nannte Kollinger eine Zahl: Es sei das Ziel definiert worden, "dass die "Naturnahe Fläche pro Einwohner nicht unter 500 Quadratmeter pro Einwohner sinken soll."
Kollinger nannte das Problem Insektensterben und den Rückgang der Vögel. Das sei ein globales Problem, das man lokal lösen müsse. Der Sprecher wurde konkret: Wenn man weiter die Ansiedlung von Neubürgern wolle, müsse man auch über eine Renaturierung von Flächen nachdenken. Das wäre zwar entgegen den Trend, ist für Kollinger aber ein wichtiger Punkt. "Sonst ist bald alles zugepflastert und wir haben Großstadtverhältnisse", fügte er provozierend hinzu.


Saubere Luft wichtig

Eine Unterstützerin fand er in Retta Müller-Schimmel. "Wir brauchen saubere Luft", sagte die Stadt- und Kreisrätin der Grünen. Vor Ort nutze eine Ausgleichsfläche irgendwo draußen in einem anderen Landkreis nichts. "Wir können in Herzogenaurach nicht für alle Leute eine Möglichkeit schaffen zu bauen. Sonst haben wir bald keine Luft mehr zu atmen", sagte sie. Johannes Kollinger formulierte das ähnlich, wenn auch etwas weniger emotional: "Wir brauchen in Herzogenaurach weiterhin Natur."
Freilich gab es da auch Widerreden. Konrad Körner merkte an, dass globales Denken das Motto sei und Ausgleichsflächen sehr wohl auch außerhalb der Stadtgrenzen sein könnten. "Es ist doch nicht so, dass die Menschen in Nürnberg reihenweise ersticken", sagte er. Man sollte nicht alles in Absolutismen darstellen. "Wir gehen nicht alle gleich drauf, wenn mal ein Quadratmeter versiegelt wird."


Viele Auszeichnungen

Renate Schroff (SPD) verwies darauf, dass die Stadt einen sehr guten Weg gehe. Man habe immerhin den Energy-Award verliehen bekommen, sei eine Fairtrade-Stadt und auch eine Fahrradstadt. Schroff: "So schlecht machen wir unsere Arbeit nicht." Trotzdem wolle man selbst auch weiterhin die genannten Aspekte beachten. Denn der Nachhaltigkeitsbericht sei sehr hilfreich für die Arbeit des Stadtrates.
Lob für Kollinger und seine Agenda gab es auch von Curd Blank (SPD). Es seien nur wenige engagierte Beteiligte, die über Jahre hinweg sich für die Interessen der Agenda einsetzen. Und immer würden deren Leistungen zerpflückt. Die Kritiker sollten doch besser mal in den Agendabeirat und die Arbeitskreise gehen und dort mitarbeiten, bevor man die "sehr wertvolle Arbeit" einfach so zerpflückt.


Unterschiedliche Betrachtungen

Auch Bernhard Schwab (CSU) zollte Kollinger Hochachtung für dessen Arbeit. Die Stadträte müssten natürlich manches anders sehen und im Sinne der Bürger mehr beachten. Die Ausarbeitung aber sei sehr gewissenhaft gemacht. Zum Vorwurf der Versiegelung hatte Bürgermeister Hacker ein abschließendes Wort: "Wir arbeiten flächensparend wie kaum eine andere Kommune."