Ein Airbus A380-800 hat ein maximales Startgewicht von 560 Tonnen. Die Flugzeuge des Flugsportclubs Ebern wiegen hingegen meist weniger als 500 Kilogramm, also gerade mal den Bruchteil eines Großraumflugzeugs. Bei einem Leergewicht von 285 kg ist die "D MPMN Ikarus C 42" ein wahres Fliegengewicht. Das Ultraleicht-Flugzeug ist eine der Schulungsmaschinen des Vereins.

Als Roland Ganzmann in die Maschine einsteigt, ist es gerade hell geworden. Nach dem Start fliegt er die Platzrunde, betätigt Quer- und Seitenruder, und das Flugzeug dreht in östliche Richtung ab. Der 80 PS starke Rodaxmotor bringt den Geschwindigkeitsmesser schnell auf 150 Stundenkilometer - Kloster Banz ist nicht mehr weit. Als Ganzmann die ehemalige Benediktinerabtei hinter sich lässt, sind kurz thermische Böen spürbar. Bis Lichtenfels herrscht klare Sicht, aber über dem Thüringer Wald liegt eine Nebelwand. "Ein Airliner könnte darüber fliegen. Für uns ist das aber eine Barriere", erklärt Ganzmann.

Mit T-Shirt statt Krawatte

"Die fliegen mit Krawatte und wir im T-Shirt", beschreibt der Vereinsvorsitzende Franz Hardi scherzhaft den Unterschied zwischen Airbus- und Ultraleichtpiloten. Ein wirklich wesentlicher Unterschied besteht in der Art der Navigation: Hardi und seine Vereinskollegen sind Sichtflieger, während Airbuspiloten nach Instrumenten navigieren. Roland Ganzmann und die anderen Mitglieder müssen also stets die Witterung im Blick haben. "Es geht fast bei jedem Wetter, aber man muss eine gute Sicht haben – horizontal und vertikal", erklärt ihr Vorsitzender.

Also holen die Piloten in Sendelbach vor jedem längeren Flug eine Wetterberatung ein. Durch die neueste Technik haben sie das Wettergeschehen ohnehin stets im Blick. "Früher war das eher Pi mal Daumen. Da bist du dann auch mal auf einem Feld zwischengelandet und weitergeflogen, wenn es wieder ging", erinnert sich Hardi.

Mit einem Blick auf die ICAO-Karte – eine Luftfahrerkarte – beschreibt er den dort markierten Flugplatz seines Vereins. Dessen Kennung lautet "EDQR" und er liegt südlich des Rentweinsdorfer Gemeindeteils Sendelbach. Auf seiner Start- und Landebahn dürfen Flugzeuge mit einem Gewicht von bis zu zwei Tonnen und Helikopter mit bis zu fünf Tonnen landen. Also können beispielsweise auch Cessnas den Flugplatz anfliegen.

Reichweite bis nach Italien

Diese kleinen Propellerflugzeuge sind schwerer und verbrauchen mehr Sprit als Ultraleicht-Flieger. Die Maschine, mit der Ganzmann unterwegs ist, hat einen durchschnittlichen Verbrauch von etwa zehn Liter pro Flugstunde. Mit vollem Tank kann sie etwa 700 Kilometer zurücklegen. "Von hier bis nach Italien – also Luftlinie, sagt Ganzmann. "Da kommst du einfach weiter und bist nicht von der Thermik abhängig", beschreibt er anschließend den Vorteil gegenüber so manch anderer Flugart – er ist seit 1989 auch als Gleitschirmflieger aktiv.

Jüngst flog sein Vereinsvorsitzender in einer UL-Maschine in etwa dreieinhalb Stunden nach Krakau. Das wäre früher undenkbar gewesen. Aber auch für neuartige Ultraleicht-Flugzeuge mit Elektromotor sind solche Distanzen unmöglich – nach etwa 20 Minuten müssen diese wieder landen.

Nach 20-minütiger Flugzeit befindet sich Ganzmann gerade über dem Jura. Am Hochhaus der Baur Versand GmbH ist Burgkunstadt zu erkennen. Als der Pilot wieder in Richtung Westen schwenkt, sind das Hochplateau des Staffelbergs und der Veitsberg mit seinem Lindenkranz zu erkennen.

Die Anfänge des Vereins

Als 13 Flugbegeisterte am 13. November 1961 den Flugsportclub Ebern gründeten, lag der Fokus noch auf dem Modellbau. Bald starteten die Männer aber auch erste Versuche in Sachen Segelflug. Schließlich kam mit der quittengelb gestrichenen Auster 5-J-4 das erste Motorflugzeug hinzu. Der eigene Flugplatz folgte im Sommer 1967 – ein Meilenstein für den Verein. Mittlerweile hat dieser 70 Mitglieder, und auch der Modellflug kommt nicht zu kurz. Ebenfalls groß geschrieben wird das soziale Engagement: Einmal jährlich laden die Vereinspiloten Menschen mit Behinderung und deren Angehörige ein, mit ihnen zu fliegen. "Das ist auch für mich eine große Freude", sagt Hardi mit leuchtenden Augen. In diesem Jahr musste die Aktion coronabedingt jedoch ausfallen – wie viele andere Aktivitäten des Flugsportclubs.

Die Ausbildung neuer Ultraleichtpiloten ist nun aber wieder

möglich. So kann jeder ab 17 Jahren die theoretische und die praktische Prüfung für seinen Flugschein vor Ort ablegen – die mindestens 30 Flugstunden ebenfalls. "Normal dauert die Ausbildung eine Saison", erklärt der Vereinsvorstand. Insgesamt sei mit Gesamtkosten zwischen 4000 und 5000 Euro zu rechnen. Ein eigenes Flugzeug ist indes kein Muss: Der Vereinsflieger kann gechartert werden. "Der Sinn und Zweck unseres Clubs ist es, kostengünstig das Fliegen zu ermöglichen", erklärt Franz Hardi die Vereinsphilosophie.

"Das Fliegen ist sehr sicher"

Auch Roland Ganzmann fliegt

dieses Mal mit einem vereinseigenen Flugzeug. Seine Flugausbildung liegt erst zwei Jahre zurück – dennoch beherrscht er das Geschehen in jeder Sekunde. Auch als er auf knapp unter 100 Stundenkilometer abbremst, zum Landeanflug ansetzt und mit der "Ikarus C 42" sanft auf dem Rasen der Landebahn aufsetzt.

"Das Fliegen im Ultraleichtbereich ist sehr sicher", betont er. In Sendelbach habe es, abgesehen von ein paar Schäden an den Flugzeugen, in all den Jahren noch keine Unfälle gegeben, fügt Hardi hinzu. Auch dieses Mal lief alles glatt. Nachdem der Pilot das Tempo der rollenden Maschine gedrosselt hat, fährt er sie zurück auf den Stellplatz vor den Flugplatzgebäuden. Dort stehen weitere Ultraleichtflugzeuge und einige Tragschrauber. Auch ein Buschflugzeug ist zu sehen. Mit dem sind Start und Landung über extrem kurze Distanzen möglich. In Sendelbach ist das nicht nötig – die Startbahn ist 450 Meter lang.