Einen besonders schweren Fall von Diebstahl sah die Staatsanwaltschaft in dem Tun, welches sie einem 59-jährigen Lichtenfelser zur Last legte. Doch hat der Mann wirklich Dieseltreibstoff aus Baggern gepumpt? Er selbst sagte nein, seine DNA aber sagte ja.
"Machen Sie keine Nebenkriegsschauplätze auf!", riet Richter Stefan Jäger am Dienstag mehrfach dem Mann, der immer wieder zum Thema machte, dass er keinen Nachschlüssel für einen Tank besitzen könne. Jenem Tank, der zu einem Bagger gehörte, der im Mai und Juni auf einer Lichtenfelser Baustelle stand. Eine Baufirma hatte dort zu tun, aber bei dieser Baufirma arbeitet der Angeklagte nicht. Eben das machte eine Frage umso pikanter: Wie kamen Spuren seiner DNA (biologisches Erbgut) auf den Tankdeckel? Das war die Kernfrage, um die sich alles drehen sollte.
Ob der Beschuldigte den Tankdeckel mit dem in der Anklageschrift womöglich nur beispielsweise angeführten Nachschlüssel oder einem Dietrich oder einer Haarnadel aufbekommen haben könnte, darum wolle man sich kümmern, wenn die DNA-Frage geklärt sei, so Jäger. An drei Terminen zwischen dem 19. Mai und dem 24. Juni 2017, wohl so am späten Abend, sollen erst 250, dann 60 und letztmalig weitere 60 Liter Kraftstoff abgepumpt worden sein. Die Schadenshöhe lag bei über 440 Euro. "Ich persönlich kenne die Baustelle nicht und musste erst mal im Navi eingeben, wo das ist", erklärte der 59-jährige Handwerker dazu. Und er wiederholte sich: "Wie soll ich zu einem Nachschlüssel gekommen sein, ohne das Original des Schlüssels zu besitzen?" "Und wie erklären Sie sich, dass auf dem Tankdeckel Ihre DNA zu finden war?", so Jäger erneut.
Darauf hatte der Beschuldigte keine Antwort. Zwar gehört das Auto, welches von Kameras auf der Baustelle gefilmt worden war, seiner Frau, so der Beschuldigte, aber die sei die rund sechs Kilometer bis zur Baustelle einzig darum gefahren, weil dort die Hunde besseren Auslauf hätten. Für eine gewisse Erheiterung sollte auch die Bemerkung des Angeklagten sorgen, wonach dieser Ort besagten Hunden den Vorteil böte, nicht wie im Wald irrtümlich von Jägern erschossen zu werden.
Außerdem sei er zwischen dem 19. und 21. Mai, so der Angeklagte, nachweislich nicht nur einmal außer Landes gewesen, sondern habe zudem auch an einer Reha-Maßnahme in Bad Staffelstein teilgenommen. Es sei ihm also nicht möglich gewesen, den Ort des Geschehens aufzusuchen. Für all das habe er auch Zeugen - Frau und Stiefsohn. Mehrmals wurde der Angeklagte von Richter Jäger gefragt, ob er wirklich bei seiner Einlassung bleiben und Frau und Stiefsohn als Zeugen für seine Unschuld benennen wolle. "Was Ihnen droht, ist mitunter weniger, als was Zeugen droht, die eine Falschaussage machen - Sie wollen wirklich Frau und Stiefsohn mit reinziehen?", so Jäger warnend. Doch der Mann will. "Wir machen einen neuen Termin - Sie zwingen mich dazu", erklärte Jäger darauf.
Am 26. April um 9 Uhr sollen also noch weitere sechs Zeugen aufgerufen werden. Und noch etwas wird dann wohl zur Sprache kommen: ein Vorfall aus der Vergangenheit, bei dem der Beschuldigte schon einmal wegen Kraftstoffdiebstahls auffällig geworden ist.